Kelch-Steinkraut – Alyssum alyssoides (L.) L.

Zu den Sonnenanbetern unter den Berliner Pflanzen gehört das Kelch-Steinkraut: sonnenüberflutete, offene Sandstellen an Bahndämmen, Kanalböschungen, auf Brachen und auf ehemaligen Militärflächen sind seine Heimat. Gegen Trockenheit und Hitze ist die 7 bis 30 cm hohe Pflanze dabei gut gewappnet. Ihre schmalen Blätter und eine dichten Behaarung aus Sternhaaren ermöglichen ihr einen „Platz an der Sonne“ und lassen die kleine und eher unscheinbare Pflanze von weitem graugrün erscheinen. 

Wer würde vermuten, dass man diesem Pflänzchen und seinen Verwandten früher Großes zutraute? Sein lateinischer Name „Alyssum“ leitet sich vom altgriechischen „alysson“ ab, das soviel wie „ohne Wut“ bedeutet. Tatsächlich versuchte man in der Antike, mit Pflanzen der Gattung Alyssum Tollwut zu heilen. Leider waren alle Versuche mit diesen und vielen weiteren Heilmitteln erfolglos. Erst 1885 führte Louis Pasteur eine Impfung ein, die den Ausbruch der durch den Biss warmblütiger Tiere übertragenen und fast immer tödlich endenden Virus-Erkrankung verhindern konnte.

Das licht- und wärmeliebende Kelch-Steinkraut ist in Europa und in der Kaukasusregion heimisch. Deutschland gehört zu seinem Hauptareal, wobei die Art hier seit den 1950er Jahren stark zurückgegangen ist. In Berlin sind seine oft durch den Menschen geschaffenen und durch das Stadtklima wärmebegünstigten Wuchsplätze durch Bebauung, Eutrophierung, Nutzungsaufgabe und Sukzession gefährdet. Stellenweise haben zudem Neophyten wie Robinie und Topinambur die Art verdrängt.

Noch im 19. Jahrhundert war das Kelch-Steinkraut in Berlin weit verbreitet. Seit 2009 wurde die Art jedoch nur noch an zwei Fundorten in Köpenick nachgewiesen, sie ist damit in Berlin vom Aussterben bedroht. Die Pflanze kann jedoch an ihren Standorten durch Auflichtungen, Mahd und Bodenverwundungen gefördert werden. Ebenso besteht aufgrund der langlebigen Samen die Chance, die Art nach Bodenstörungen an früheren Fundorten wiederzufinden.

Sie können uns beim Schutz des Kelch-Steinkrauts in Berlin unterstützen. Achten Sie doch einmal bei einem Spaziergang entlang des Teltowkanals in Zehlendorf auf den Bewuchs sonniger Sandflächen. Hier konnte das Pflänzchen früher auch gefunden werden, und mit etwas Glück können Sie hier auch weitere Zielarten entdecken, die ebenfalls offene, nährstoffarme Wuchsbedingungen benötigen. Über eine Fundmeldung – am besten mit Fotobeleg – würden wir uns sehr freuen. Vielen Dank!

Stiftung Naturschutz Berlin
Koordinierungsstelle Florenschutz
Potsdamer Straße 68
10785 Berlin
Tel: 030 26394-188

Pflanze des Monats April 2017