2015: Pflanze des Monats

Januar 2015: Übersehenes Raues Mariengras

Januar 2015: Übersehenes Raues Mariengras

Übersehenes Raues Mariengras (Hierochloe hirta (Schrank) Borbás subsp. praetermissa G. Weim.)

Selbst in der Mitte Europas lässt sich in der Pflanzenwelt noch Neues entdecken. So wurde das Übersehene Raue Mariengras erst 1987 als eigene Unterart erkannt. Man braucht jedoch viel Glück, um das unscheinbare, von Mitteleuropa bis Westsibirien zerstreut vorkommende Gras überhaupt einmal zu Gesicht zu bekommen, denn es ist den Sommer über in der hohen Vegetation von Feuchtwiesen und -weiden verborgen. Am besten ist es von April bis Juni zu entdecken, da es früher als die umgebenden Gräser blüht.

Sobald das Übersehene Raue Mariengras gemäht ist und zu trocknen beginnt, entströmt den Grasschwaden zudem ein bezaubernder, an Vanille und Waldmeister erinnernder Duft. Dieser ist auf den Inhaltsstoff Kumarin zurückzuführen, der in allen Gräsern der Gattung Hierochloe enthalten ist und der dazu führte, dass diese Gräser in ihrem Verbreitungsgebiet auf der Nordhalbkugel gern für religiöse und kultische Handlungen verwandt wurden. Der besondere Status dieser Gräser spiegelt sich in ihren Namen wieder. So nimmt der Name „Mariengras“ auf die Jungfrau Maria Bezug, in Nordamerika wird das „holy grass“, „sweet grass“ oder „vanilla grass“ zudem von vielen Indianerstämmen zu Räucherzeremonien, als Medizin und als duftendes Flechtmaterial genutzt.

Eine Besonderheit stellt auch die Vermehrung des Übersehenen Rauen Mariengrases dar: die Samen bilden sich ohne Bestäubung direkt aus der Samenanlage der Mutterpflanze, sind also Klone. Sie werden durch den Wind und an Tieren angeheftet verbreitet. Daneben kann sich die Art aber auch vegetativ über unterirdische Ausläufer vermehren.

In Deutschland erreicht das Übersehene Raue Mariengras die äußerste Westgrenze seines Verbreitungsgebietes und wurde bisher nur in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Berlin nachgewiesen. Seit Mitte des 20. Jh. ist die Art hier stark zurückgegangen, was vor allem auf das Brachfallen und die Umstellung der traditionellen Heu-Nutzung von Feuchtwiesen auf sporadische, einschürige und zu späte Mahd zurückgeführt wird. Hierdurch wird die Ausbreitung von Großseggen und Schilf begünstigt, welche die konkurrenzschwache Art verdrängen.

In Berlin ist das Übersehene Raue Mariengras stark gefährdet und nur noch in wenigen kleinen Beständen, z. B. im NSG Gosener Wiesen, auf dem Schmöckwitzer Werder (beide Treptow-Köpenick) sowie im NSG Pfaueninsel (Steglitz-Zehlendorf), anzutreffen.

Helfen Sie mit, das Übersehene Raue Mariengras in Berlin zu erhalten! Achten Sie auf Vorkommen in der Umgebung der Gosener Wiesen und entlang der Havel und informieren Sie bei einem Fund bitte die Stiftung Naturschutz Berlin, am besten mit einem Fotobeleg. Vielen Dank!

Stiftung Naturschutz Berlin
Koordinierungsstelle Florenschutz
Potsdamer Straße 68
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Tel: (030) 26 39 4-188

Februar 2015: Krebsschere

Februar 2015: Krebsschere

Krebsschere (Stratiotes aloides L.)

„Ananas d'eau“, „water soldier“, „Wassersäge“  – die Krebsschere schmückt sich in Europa mit vielen phantasievollen Namen. Diese weisen auf die unverwechselbaren, gesägten und in einer Rosette starr aufrecht aus dem Wasser ragenden Blätter dieser Schwimmpflanze hin. Auch stammesgeschichtlich ist die exotisch anmutende Art isoliert, denn alle übrigen Vertreter der Gattung Stratiotes starben am Ende des Tertiärs vor 2,6 Millionen Jahren aus. 

Beheimatet ist die Krebsschere in stehenden, bis zu 2 Meter tiefen und mäßig nährstoffreichen bis nährstoffreichen Gewässern Europas und West-Sibiriens. Sie bildet männliche und weibliche Pflanzen aus. Die Samen werden durch Hochwasser oder angeheftet an Wasservögel und Boote verbreitet, daneben kann sich die Art auch vegetativ über Ableger und Brutknospen vermehren. Im Herbst sinkt die Mutterpflanze auf den Gewässergrund und überdauert dort gut sichtbar den Winter. Im Frühjahr steigt sie dann gemeinsam mit neu gebildeten Brutknospen wieder zur Wasseroberfläche empor. 

Als Schlüsselart ist die Krebsschere für mehrere Tierarten von großer Bedeutung. So legt z. B. die Libelle Grüne Mosaikjungfer ihre Eier ausschließlich an dieser Pflanze ab, während die Trauerseeschwalbe früher in Kolonien auf dichten Teppichen von Krebsscheren-Rosetten brütete. Das Verschwinden der Krebsschere zieht somit den Rückgang dieser in Berlin inzwischen stark gefährdeten bzw. vom Aussterben bedrohten Tierarten unmittelbar nach sich. Die Krebsschere ist in Deutschland gefährdet und gilt in Berlin als vom Aussterben bedroht. Gründe hierfür sind u. a. Eutrophierung, Gewässerausbau, Motorbootverkehr und Beschattung durch Ufergehölze.

In Berlin gibt es erfreulicherweise noch größere, einheimische Bestände im NSG Gosener Wiesen (Köpenick) und im LSG Tegeler Fließ (Reinickendorf). Mit zunehmender Verbesserung der Wasserqualität der Berliner Gewässer wird mit einer Ausbreitung der Art entlang von Wasserwegen bzw. in naheliegende Kleingewässer gerechnet. Problematisch für die genetische Eigenart der heimischen Populationen ist die immer wieder zu beobachtende unkontrollierte Ausbringung von Krebsscheren unbekannter Herkunft in natürliche Gewässer. Solche Ausbringungen sind unzulässig und daher unbedingt zu vermeiden.

Helfen Sie mit, die Krebsschere in Berlin zu erhalten! Sollten Sie natürliche Vorkommen im Umkreis des Tegeler Fließes, der Müggelspree, des Seddinsees und der Dahme entdecken, informieren Sie bitte die Stiftung Naturschutz Berlin, am besten mit einem Fotobeleg. Vielen Dank!

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März 2015: Gelbes Windröschen

März 2015: Gelbes Windröschen

Gelbes Windröschen (Anemone ranunculoides L.)

Die wärmenden Strahlen der Frühjahrssonne locken von Ende März bis Mai in Auenwäldern und feuchten Laubmischwäldern einen äußerst trickreichen Frühjahrsblüher hervor: das Gelbe Windröschen. Um seine Samen zu verbreiten, hat die Pflanze eine besondere Belohnung für Ameisen entwickelt. Ihre Samen besitzen ein nährstoff- und fettreiches Anhängsel, mit dem Ameisen angelockt werden. Diese sammeln die Samen mit den Anhängseln ein und tragen sie in ihre Nester. Die nach dem Verzehr der Anhängsel übrig bleibenden Samen werden wieder aus den Nestern geschleppt und kommen dann im lockeren Substrat rings um die Nester zur Keimung.

Die Vegetationsperiode des Gelben Windröschens ist sehr kurz, denn nach der Blüte und Samenbildung vergehen die oberirdischen Pflanzenteile bereits im Frühsommer. Die meiste Zeit des Jahres überdauert die Art dann bis zum nächsten Frühjahr unterirdisch als Rhizom.

Das Gelbe Windröschen liebt es etwas feuchter als das häufigere, weiß blühende Busch-Windröschen, beide Arten kommen in Berlin aber oft gemeinsam vor. Sie haben ihren Verbreitungsschwerpunkt in historisch alten Wäldern, d.h. in Gebieten, die seit mehreren hundert Jahren mit Wald bedeckt sind. In Berlin sind dies nicht selten alte Guts- oder Schlossparks, die aus ursprünglichen Wäldern hervorgegangen sind.

In der Vergangenheit ist der Lebensraum des Gelben Windröschens in Berlin stark geschrumpft. Die Zerschneidung und Verinselung alter Waldgebiete durch Straßen- und Wegebau führt auch zu einer Beeinträchtigung der Verbreitung des Gelben Windröschens, da Ameisen solche Barrieren oft nicht überwinden können. Im Berliner Stadtgebiet sind noch mehrere, zumeist jedoch nur sehr kleine Vorkommen des Gelben Windröschens bekannt. Diese sind durch die Ablagerung von Gehölzschnitt, Nährstoffeintrag und die Ausbreitung stark beschattender Park- und Ziergehölze, wie z.B. Spitz-Ahorn, Schneebeere und Efeu, gefährdet. Das Gelbe Windröschen gilt heute in Berlin als vom Aussterben bedroht.

Wenn Sie in Laubmischwäldern und verwilderten alten Schloss- und Gutsparks spazieren gehen, halten Sie doch einmal Ausschau nach den zierlichen Frühjahrsboten. Wir würden uns über eine Fundmeldung an die Stiftung Naturschutz Berlin – am besten mit Fotobeleg – sehr freuen. Vielen Dank!

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April 2015: Zerstreutblütiges Vergissmeinnicht

April 2015: Zerstreutblütiges Vergissmeinnicht

Zerstreutblütiges Vergissmeinnicht – Myosotis sparsiflora J. C. Mikan ex Pohl

In früheren Zeiten schenkten sich Verliebte gegenseitig Sträuße von „Vergissmeinnicht“, um einander die Treue zu schwören. Auch Zauberkräfte sagte man den Wurzeln der kleinen Pflanzen nach – trug man diese um den Hals sorgten sie dafür, dass der oder die Geliebte nicht in Vergessenheit geriet. Ihr deutscher Name lässt sich sogar bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen.  Jetzt – im April – beginnt die Blütezeit der zarten, himmelblauen Frühjahrsboten. 

Die bis heute als Gartenschmuck sehr beliebte Gattung kommt in Berlin auch mit mehreren wildwachsenden Arten vor. Das Zerstreutblütige Vergissmeinnicht ist eine davon und vom Aussterben bedroht. Das auffällligste Merkmal dieser 10 bis 40 cm hohen Pflanze ist ihre Unauffälligkeit. Sie bringt je Blütenstängel nur drei bis sieben, spärlich verstreute, kleine, hellblaue Blüten hervor und ist daher erst auf den zweiten Blick als Vergissmeinnicht zu erkennen. Nicht selten wird die Art bei Pflegemaßnahmen mit häufigen Wildkräutern verwechselt und vernichtet.

Das Zerstreutblütige Vergissmeinnicht ist ein subkontinentales Florenelement, das seinen Schwerpunkt in lichten Hartholzauenwäldern, Eichenmischwäldern und Steppenwäldern Europas und Westasiens hat. In Berlin befindet sich die Art nahe der Westgrenze ihres Areals. Sie ist hier an Standorten zu finden, die mehr oder weniger durch Menschen beeinflusst werden, z. B. in Magerrasen an Wald- und Gebüschrändern, an Wegrändern, auf Bahngeländen sowie auf alten Friedhöfen und in Parkanlagen.

Die enge Bindung an periodisch gestörte Habitate in Berlin setzt das Zerstreutblütige Vergissmeinnicht vielen Gefährdungen aus. Hierzu zählen z. B. Baumaßnahmen, zu häufige Mahd, Überschütten mit Zierkies oder Rindenmulch, Abkippen von Gartenabfällen an Wegsäumen und Eutrophierung durch Hundekot. Werden die Standorte nicht mehr genutzt, breiten sich zudem schnell Ruderalarten und Laubgehölze aus, die die lichtliebende Art verdrängen. Da das Zerstreutblütige Vergissmeinnicht keine Ableger oder Ausläufer ausbildet, kann es sich nur vermehren, wenn es auch zur Blüte kommt und reife Samen bilden kann.

Das Zerstreutblütige Vergissmeinnicht wurde in Berlin nach 1990 nur noch an wenigen, weit verstreuten Fundorten nachgewiesen. Helfen Sie mit, den zierlichen Frühjahrsboten in Berlin zu erhalten! Auch in Ihrem Vorgarten oder Rasen könnte er vorkommen. Geben Sie Wildkräutern eine Chance, mähen Sie nur noch 2–3 Mal im Jahr und jäten Sie nicht alle Bereiche so gründlich. Lassen Sie die Pflanzen auch einmal blühen und freuen Sie sich an allem, was dort summt.

Wenn Sie das Zerstreutblütige Vergissmeinnicht vor Ihrem Haus oder im nahegelegenen Park entdecken, dann würden wir uns über eine Fundmeldung an die Stiftung Naturschutz Berlin – am besten mit Fotobeleg – sehr freuen. Vielen Dank!

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Mai 2015: Helm-Knabenkraut

Mai 2015: Helm-Knabenkraut

Helm-Knabenkraut – Orchis militaris L.

Nobody is perfect! Mag sein. Manche Geschöpfe sind aber nah dran. Wie z.B. das Helm-Knabenkraut (Orchis militaris), das 1753 im Zuge seiner wissenschaftlichen Erstbeschreibung durch Carl von Linné zugleich als Typus-Art für die Gattung Orchis und die gesamte Familie der Orchideen ausgewählt wurde. Die Art fasziniert mit der makellosen Schönheit ihrer weiß-violetten Blüten, die sich von Mai bis Juni für Hummeln und Wildbienen öffnen. Die Blüten ähneln von vorn betrachtet kleinen behelmten Soldaten, was der Art ihren lateinischen Artnamen „militaris“, von lat. miles = Soldat, beschert hat.

Das Helm-Knabenkraut hat seinen Verbreitungsschwerpunkt in den wärmebegünstigten Regionen der gemäßigten Zone Europas und Asiens. Es erreicht in Deutschland die Nordwestgrenze seines Areals und ist vor allem in Ostdeutschland sehr selten geworden. Bevorzugter Lebensraum sind kalkhaltige Halbtrockenrasen, wechseltrockene moorige Wiesen und Trockenwaldsäume. Die extensive Nutzung dieser nicht sehr produktiven Standorte wurde in den letzten Jahrzehnten häufig aufgegeben, worauf sehr schnell eine Verbuschung und Wiederbewaldung einsetzte. Weitere Standorte gingen durch Aufforstung, intensive Beweidung oder häufige Mahd verloren.

In Berlin kommt das Helm-Knabenkraut nur noch im Norden mit sehr kleinen Beständen vor. Diese sind durch Wildschweine gefährdet, die in Wiesenlandschaften gezielt nach Orchideenknollen suchen, sich diese schmecken lassen und so ganze Bestände vernichten können. Auch Rehe fressen gern die ebenso exklusiven Orchideenblütenstände ab. Eine ähnliche Wirkung wie Wildschweine haben „Blumenfreunde“, die die deutschlandweit besonders geschützte Art ausgraben, um damit ihren Garten zu verschönern. Das ist verboten und führt zur Ausrottung der letzten Berliner Vorkommen!

Grundsätzlich bietet eine vielfältig gestaltete, extensiv genutzte Kulturlandschaft mit artenreichen  Wiesen und Säumen Tieren ein reichhaltiges Nahrungsangebot. Somit werden Wildtiere vom Standort der Orchidee abgelenkt und die Art hat größere Chancen, erfolgreich zu blühen und Samen auszubilden. Extensiv genutzte Wiesen in der Umgebung bieten dem Helm-Knabenkraut zudem die Möglichkeit, neue Populationen zu gründen, denn jeder Blütenstand bildet tausende staubfeiner Samen aus, die vom Wind kilometerweit verweht werden. Letztlich müssen jedoch mehrere günstige Umstände zusammentreffen, damit es zu einer Ansiedlung kommt: die Samen benötigen zur Keimung und Entwicklung geeignete Standorte, passende Mykorrhiza-Pilze im Boden und günstige Witterungsverhältnisse.

Helfen Sie mit, das Helm-Knabenkraut in Berlin zu erhalten! Lassen Sie die Art bei einem Fund bitte stehen und melden Sie ihre Entdeckung – am besten mit Fotobeleg – an die Stiftung Naturschutz Berlin. Vielen Dank!

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Juni 2015: Niedrige Schwarzwurzel

Juni 2015: Niedrige Schwarzwurzel

Niedrige Schwarzwurzel – Scorzonera humilis L.

Schwarzwurzeln haben in der Kulturgeschichte Europas einen erstaunlichen Nutzungswandel erlebt. Wird heute die kultivierte Garten-Schwarzwurzel als leicht verdauliches, schlankmachendes Wintergemüse geschätzt, so wurden noch im  Mittelalter wilde Schwarzwurzeln als Heilmittel gegen Schlangenbisse, Pest und Herzschwäche gesammelt. Besonders die Niedrige Schwarzwurzel (Scorzonera humilis) sollte eine geheimnisvolle Wirkung als Gegengift besitzen, daher wurde sie auch als „Schlangenmord“ oder „Viperngras“ bezeichnet. Der Gattungsname Scorzonera nimmt ebenso auf diese vermeintliche Wirkung Bezug, denn dieser leitet sich wahrscheinlich vom ital. scorzone, einer Abwandlung des mittellateinischen curtio(n-) für „Giftschlange, Viper“ ab.

Die Niedrige Schwarzwurzel besiedelt ein europäisches, gemäßigtes bis subkontinentales Verbreitungsgebiet. Deutschland gehört hierbei zum Hauptareal. Sie kommt sowohl in wechselfeuchten bis trockenen, extensiv genutzten Wiesen, in Magerrasen, auf nährstoffarmen Sandböden und in lichten Kiefern-Eichenwäldern vor. Kalkreiche Böden meidet sie hingegen. Ihr Verbreitungsgebiet reicht dabei von Südfrankreich bis Mittelrussland. 

Die Pfahlwurzel der Niedrigen Schwarzwurzel ist sehr langlebig und bildet Jahr für Jahr eine Blattrosette und mit der Zeit kleinere Tochterrosetten aus, die mit der Mutterpflanze in Verbindung bleiben. So können Ansammlungen von über 25 Rosetten entstehen, die ein Alter von über 40 Jahren erreichen. Es ist jedoch keine echte vegetative Vermehrung, denn sobald die Mutterpflanze stirbt, gehen auch die Tochterrosetten zugrunde. Bei sonnigen Lichtverhältnissen kann jede Rosette von Mai bis Juni 1-3 gelbe Blüten ausbilden. Diese werden von Bienen, Schmetterlingen, Fliegen und Käfern bestäubt. Eine Selbstbestäubung ist sehr selten, so dass Blüten isolierter Pflanzen oft keine Samen produzieren. Die Samen besitzen einen Haarkranz und sind daher flugfähig, aber relativ schwer und gehen im Umkreis der Mutterpflanze nieder. Sie sind im Boden nur etwa ein Jahr lebensfähig und benötigen zur Keimung günstige feuchte Bodenbedingungen.

Die Niedrige Schwarzwurzel ist in Berlin nur noch mit kleinen Beständen in Tegel und Köpenick zu finden, im Grunewald gilt sie seit 2003 als verschollen. Die Langlebigkeit der Art maskiert hierbei ihre gravierende Gefährdung, denn  die meisten Exemplare in Berliner Waldgebieten kommen wegen zu starker Beschattung nicht mehr zur Blüte, wodurch sich die Bestände nicht mehr verjüngen können. Die Zunahme der Beschattung ist u.a. eine Folge der Eutrophierung aus der Luft, wodurch konkurrenzstarke krautige Arten und Laubgehölze gefördert werden. Ebenso negativ wirkt sich die starke Expansion der aus Nordamerika stammenden, schattenwerfenden und in Europa durch keine natürlichen Feinde regulierten Späten Traubenkirsche aus. Sehr kleine Bestände der Niedrigen Schwarzwurzel sind zudem auch durch Forstarbeiten, Holzablagerung sowie ein intensives – und möglicherweise gezieltes – Wühlen von Wildschweinen gefährdet.

Helfen Sie mit, die Niedrige Schwarzwurzel in Berlin zu erhalten! Melden sie einen Fund der Art – am besten mit Fotobeleg – an die Stiftung Naturschutz Berlin. Vielen Dank!

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Juli 2015: Tataren-Leimkraut

Juli 2015: Tataren-Leimkraut

Tataren-Leimkraut – Silene tatarica (L.) PERS.

Der Weg ist das Ziel. So könnte man die Wanderbewegung vieler durch den Menschen verschleppter Neophyten beschreiben. Diese tauchen oftmals zuerst entlang von Verkehrswegen und ihren Knotenpunkten auf und nutzen diese auch für ihre weitere Ausbreitung und Etablierung. Manchmal spielen bei der Einwanderung auch große geschichtliche Ereignisse eine entscheidende Rolle.

Ein schönes Beispiel hierfür ist das Tataren-Leimkraut, ein von Juli bis September mit radförmigen, filigranen weißen Blüten ausgestatteter Vertreter der Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae), dessen Arealzentrum im mittleren Russland liegt. Das Tataren-Leimkraut ist in reichen, grundwassernahen Sandtrockenrasen auf trockengefallenen Sandbänken großer Flüsse heimisch. Von dort kann es jedoch auch auf ähnliche, durch den Menschen geschaffene Ersatzstandorte, wie z.B. sandige Äcker, Straßenränder, Gleisanlagen und Aufschüttungsflächen, übergehen. Das Tataren-Leimkraut erreicht entlang der Oder seine westliche natürliche Verbreitungsgrenze.

In Berlin wurde das Tataren-Leimkraut erstmals 1890 auf dem Bahnhof Moabit entdeckt. Doch dies blieb ein Einzelfund und die Art konnte über 50 Jahre nicht mehr bestätigt werden. Nach 1945 ergab sich jedoch eine zweite Chance der Ansiedlung. Mit der Roten Armee wanderten in Berlin Samen von in Osteuropa heimischen Pflanzen ein. In der Nachkriegszeit herrschte ein reger Austausch von Güterzügen und Fahrzeugen zwischen den in Berlin stationierten Truppen der Roten Armee und der Sowjetunion. Das Tataren-Leimkraut konnte in dieser Zeit in Berlin erfolgreich Fuß fassen, wie viele über West- und Ostberlin verstreute Funde in den 1950er Jahren zeigen. Die Art besiedelt in Berlin seither den westlichsten Vorposten ihres Verbreitungsgebietes.

Das Tataren-Leimkraut wurde seit 2000 nur noch im Ostteil der Stadt nachgewiesen. Die Art hat ihre größten Vorkommen auf ehemaligen Militärflächen der Sowjetischen Streitkräfte (Biesenhorster Sand, Teile der Wuhlheide) und der DDR-Staatssicherheit (ehem. Flugplatz Johannisthal, 1954 bis 1990 Standort des Wachregiments „Felix Dzierzynski“). Vereinzelt ist sie auch auf Bahngeländen, Brachen sowie in Straßen- und Wegsäumen zu finden. 

Die größte Gefährdung für die Art besteht in Berlin in der Bebauung und Versiegelung von Brachflächen. Daneben ist das Tataren-Leimkraut sowohl durch eine intensive Pflege von Grünflächen als auch durch eine Nutzungsaufgabe und nachfolgendes Zuwachsen der Bestände mit Hochstauden und Gehölzen gefährdet. Auch eine permanente Standweide mit Schafen wirkt sich negativ aus, denn die Art wird von Schafen gezielt abgefressen, wodurch keine Samen mehr gebildet werden können. Diese sind zum Erhalt der Art jedoch unverzichtbar, da sich das Tataren-Leimkraut nicht vegetativ vermehren kann.

Helfen Sie mit, das Tataren-Leimkraut in Berlin zu erhalten! Melden sie einen Fund der Art – am besten mit Fotobeleg – an die Stiftung Naturschutz Berlin. Vielen Dank!

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August 2015: Mittleres Nixkraut

August 2015: Mittleres Nixkraut

Mittleres Nixkraut – Najas marina subsp. intermedia (Wolfg. ex Gorski) Casper 

Dank der hochsommerlichen Temperaturen üben die Berliner Seen und Flüsse momentan eine geradezu magische Anziehungskraft aus. Ein Sprung in das "kühle Nass" bietet dabei aber nicht nur Erfrischung, sondern auch die Möglichkeit, einen Teil der heimischen Flora zu sehen, der sonst unter der Wasseroberfläche verborgen bleibt. Denn nicht nur am Ufer der Berliner Gewässer und auf den in ihnen befindlichen Inseln grünt es, sondern auch auf ihrem Grund.

Das Mittlere Nixkraut ist in stehenden, mäßig nährstoffreichen Gewässern der gemäßigten und südlichen Zonen Europas und Westasiens heimisch. In Deutschland ist das Vorkommen der Art fast ausschließlich auf Ost- und Süddeutschland beschränkt. Das Mittlere Nixkraut verbringt sein gesamtes Leben unter Wasser und hat sich an diesen Lebensraum perfekt angepasst. Die im Gewässerboden wurzelnde, einjährige Pflanze ist zweihäusig, d. h. sie bildet an einer Pflanze jeweils nur männliche oder weibliche Blüten aus. Zur Bestäubung kommt es durch die außergewöhnliche Form der Wasserbestäubung, bei der die Pollen durch die Wasserströmung übertragen werden.

Die Samen sinken neben der Mutterpflanze zu Boden oder reisen als „Blinde Passagiere“ in den Mägen von Fischen und Wasservögeln mit. Sie können aber auch angeheftet an das Gefieder und die Beine von Wasservögeln, an Booten oder Fischereigeräten übertragen werden. Von der starren Pflanze brechen bei Beschädigungen zudem leicht Teile ab, die durch Wellenschlag oder Wind verdriftet werden. Der Samentransport durch Wasservögel ermöglicht es der Art, auch isolierte Gewässer zu erreichen und sich dort bei zusagender Wasserqualität schnell auszubreiten.

Durch starke Gewässerverschmutzung war das Mittlere Nixkraut noch zu Beginn der 1990er Jahre aus Berlin fast verschwunden. Die seitdem eingeleiteten Maßnahmen zur Phosphatreduzierung und verbesserten Klärung des Abwassers haben inzwischen zu einem Rückgang der Nährstoffbelastung in Berliner Gewässern geführt, wodurch das Wasser wieder klarer wurde. Damit sind viele potentielle Wuchsorte wieder verfügbar, welche durch das Mittlere Nixkraut und weitere Wasserpflanzen erfolgreich besiedelt werden.

In Berlin wächst das Mittlere Nixkraut in etwa 0,5 bis 4 m Tiefe und wurde seit 2000 in über 10 Seen, so unter anderem im Müggelsee, im Tegeler See und im Glienicker See, nachgewiesen. Bei einer weiteren Verbesserung der Berliner Wasserqualität wird mit einer Fortsetzung dieser Erfolgsgeschichte gerechnet. Achten Sie beim nächsten Bad in einem Berliner Gewässer doch einmal auf das, was unter Ihnen wächst. Das Mittlere Nixkraut verrät sich Ihnen hierbei am ehesten durch ein Pieken an den Füßen. Wir würden uns über eine Fundmeldung – am besten mit Fotobeleg – sehr freuen. Vielen Dank!

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September 2015: Quendel-Seide

September 2015: Quendel-Seide

Quendel-Seide – Cuscuta epithymum (L.) L.

Nicht nur Blattläuse können sich von Pflanzensäften ernähren, auch Pflanzen haben besondere Anpassungen entwickelt, um sich diese Nährstoffquelle zunutze zu machen. Eine dieser Spezialistinnen ist die Quendel-Seide. Als sogenannter Vollparasit entwickelt sie keine Blätter, Blattgrün und Wurzeln mehr. Stattdessen umschlingt sie die Wirtspflanze mit ihren schnurähnlichen Stängeln und entzieht ihr mittels sogenannter Haustorien Wasser und Nährstoffe. 

Die Art ist in Europa, Nordafrika, West- und Zentralasien heimisch. In Berlin ist sie auf Trocken- und Halbtrockenrasen beschränkt, in denen ihre Wirtspflanzen wie z.B. Berg-Haarstrang, Wiesen-Flockenblume, Echtes Labkraut und Feld-Beifuß vorkommen. Auch wenn es manchmal scheint, dass befallene Pflanzen unter einem Meer kleiner weiß-rosa Blüten der Quendel-Seide unterzugehen drohen, so ist der Parasit jedoch für keine der Wirtsarten eine ernste Gefährdung. In einem artenreichen Lebensraum sind immer nur einzelne Pflanzen der Arten betroffen. 

Die Quendel-Seide ist durch intensive Grünlandpflege stark gefährdet. Als einjährige Pflanze ohne Speicherorgane und ohne vegetative Vermehrung muss sie regelmäßig zur Blüte und Samenbildung kommen, um einen Bestand langfristig zu erhalten. Auch Brachfallen von Wiesen und Gehölzaufwuchs stellen Gefährdungen dar, da hierdurch die lichtliebenden Wirtspflanzen verdrängt werden. Aufgrund der späten Blüte von Juli bis September kommt die Quendel-Seide am besten mit einer ein- bis zweischürigen Mahd oder Schafbeweidung im Frühsommer und Herbst zurecht.

Nach 2010 wurde die Quendel-Seide nur noch in zwei Schutzgebieten im Bezirk Spandau nachgewiesen. Sie gilt in Berlin als vom Aussterben bedroht. Da die Samen sehr langlebig sind und im Boden über 15 Jahre überdauern können, ist ein überraschendes Auftreten an früheren Fundorten jedoch nicht ausgeschlossen. Die Art wird zudem manchmal übersehen, da sie außerhalb der Zeit zur vollen Entwicklung kommt, in der Grünland gewöhnlich von Botanikern untersucht wird.

Helfen Sie mit, die Quendel-Seide in Berlin zu erhalten! Halten sie in Magerrasen, insbesondere an den Rändern Berlins, nach den roten Stängeln, welche dünnen Schnüren ähneln, und den kleinen weißen bis rosafarbenen Blüten der Pflanze Ausschau. Melden sie uns Ihren Fund – am besten mit einem Fotobeleg, auf dem auch die Wirtspflanze zu erkennen ist. Wir freuen uns über jeden Fundhinweis.

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Oktober 2015: Stumpfzähniger Frauenmantel

Oktober 2015: Stumpfzähniger Frauenmantel

Stumpfzähniger Frauenmantel – Alchemilla subcrenata Buser

Nein – es handelt sich beim Stumpfzähnigen Frauenmantel nicht um einen neuen Modetrend. Auch nicht beim Gefalteten Frauenmantel oder dem Bergwiesen-Frauenmantel. Es sind stattdessen sehr seltene Wildpflanzen der Berliner Wiesen und Feldsäume. Aber mit dem gleichnamigen Kleidungsstück haben diese Pflanzen doch etwas zu tun. Der deutsche Gattungsname „Frauenmantel“ geht auf die Ähnlichkeit der fächerförmigen Blätter mit dem Faltenwurf der Robe der Jungfrau Maria in mittelalterlichen Darstellungen zurück. 

Die Pflanzen wurden schon von den Germanen zur Heilung von Frauenleiden, so zum Beispiel zur Linderung von Unterleibskrämpfen, sowie zur Stillung von Blutungen und zur Behandlung von Wunden und Geschwüren genutzt. Daneben galten Frauenmäntel als Zauberpflanzen, was sich in ihrem wissenschaftlichen Gattungsnamen „Alchemilla“ - „kleine Alchemistin“ - widerspiegelt.

Eine in Brandenburg vom Aussterben bedrohte Art der Gattung Alchemilla ist der Stumpfzähnige Frauenmantel. Er ist in Europa und Asien heimisch und in Deutschland vor allem in den Mittelgebirgen verbreitet. Die Berliner Vorkommen wurden erst 2004 durch eine spezielle Herbarauswertung von Alchemilla-Funden bekannt. Vorkommen der 1970er und 1980er Jahre befanden sich in Wiesen und Feldsäumen in Hermsdorf, auf dem Dahlemer Feld (Grunewald) und in Lichterfelde. Seit 2000 wurde die Art jedoch nur noch an drei Stellen in Grünflächen und Parkanlagen in Steglitz und Schöneberg gefunden.

Der Stumpfzähnige Frauenmantel ist eine 10 bis 50 cm hohe, ausdauernde Halbrosettenpflanze, deren unscheinbaren gelbgrünen Blütenstände von Mai bis Oktober blühen. Um Samen zu bilden, bedarf es hierbei keiner Befruchtung mehr, denn die Samen entwickeln sich direkt aus der Samenanlage der Mutterpflanze (Apomixis). Daneben ist jedoch auch eine vegetative Vermehrung über unterirdische Erdsprosse möglich. 

Ein auffälliges Merkmal des Stumpfzähnigen Frauenmantels sind seine trichterförmigen Blätter, in deren Mitte sich Tau und Regenwasser sammeln. In der Nacht oder bei hoher Luftfeuchtigkeit vermag die Pflanze zudem an den kleinen Zähnchen der Blattspitzen selbst Wasser abzugeben (Guttation), wodurch um jedes Blatt ein Kranz aus Wassertropfen entsteht. Dieses „Himmelswasser“ war früher bei Druiden und Alchemisten wegen seiner Reinheit als Substanz für rituelle Waschungen und für Experimente zur Verwandlung von unedlen Metallen in Gold begehrt.

In Berlin ist der Stumpfzähnige Frauenmantel durch Brachfallen, Siedlungsentwicklung und Nutzungsintensivierung aus der Feldflur des Stadtrandes verschwunden. Die wenigen verbliebenen Vorkommen in der Innenstadt sind durch zu intensive Mahd gefährdet. Dadurch können die Pflanzen keine Samen mehr ausbilden, wodurch sich die Bestände nicht mehr verjüngen und eine Besiedlung weiterer Standorte unmöglich ist. Helfen Sie mit, den Stumpfzähnigen Frauenmantel und andere vom Aussterben bedrohte wilde Frauenmantel-Arten in Berlin zu erhalten! Achten Sie doch einmal bei ihrem nächsten Spaziergang auf die hübschen Blätter, die sich bei wilden Frauenmänteln sehr ähneln. Melden sie uns Ihren Fund – am besten mit einem Fotobeleg. Wir freuen uns über jede Fundmeldung. Vielen Dank!

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November 2015: Bergfarn

November 2015: Bergfarn

Bergfarn – Thelypteris limbosperma (Bellardi ex All.) H. P. Fuchs

Mit seinen bis zu einem Meter langen Wedeln ist der Bergfarn eine majestätische Erscheinung. Geht man mit ihm auf Tuchfühlung, so offenbart sich eine weitere Besonderheit: beim Reiben der Blattunterseite entfaltet sich ein Zitronenduft, woher auch der englische Name „Lemon-scented fern“ (Zitronenduft-Farn) herrührt.

Der Bergfarn gehört zur Familie der Sumpffarngewächse (Thelypteridaceae), die ihren Schwerpunkt in den Tropen und Subtropen hat und mit nur drei Arten in Mitteleuropa vertreten ist. Seine Blätter sind – anders als bei seinen nächsten Verwandten – in einer Grundrosette angeordnet. Ein charakteristisches Merkmal ist zudem die Lage der Sporenkapseln an den Rändern der Blattfiederchen. 

Deutschland gehört zum Hauptareal des Bergfarns, der hier vor allem im atlantisch geprägten Westdeutschland sowie in den Mittelgebirgen und den Alpen verbreitet ist. Er bevorzugt bodensaure, frische bis sickerfeuchte Laub- und Nadel-Mischwälder, Bruchwälder und Waldquellstandorte. Diese sind im Flachland Ostdeutschlands sehr selten. Das nötige Waldinnenklima mit hoher Luftfeuchtigkeit kann sich zudem nur in größeren, mehrere Jahrhunderte alten Wäldern ausbilden. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist der Bergfarn aus vielen Regionen Ost- und Westdeutschlands verschwunden. Als Ursachen können die Verkleinerung und Zerschneidung von Waldgebieten durch Straßen, Wege und Schneisen, Grundwasserabsenkungen und die Eutrophierung aus der Luft gesehen werden.

In Berlin kommt der Bergfarn seit 1990 nur noch mit einem kleinen Bestand im Tegeler Forst vor. Wie isoliert das letzte Berliner Vorkommen heute ist, sieht man daran, dass die nächsten Brandenburger Fundorte über 50 km entfernt sind. Der letzte Berliner Bestand wird schon seit langer Zeit beobachtet, es wurden jedoch immer nur wenige Exemplare gefunden. Stickstoff liebende Pflanzen, wie z.B. Brennessel, Himbeere und Landreitgras, bedrängen das Vorkommen, außerdem gefährdet intensives Wühlen von Wildschweinen die Pflanzen.

Helfen Sie mit, den vom Aussterben bedrohten Bergfarn zu erhalten! Es ist geplant, dass Experten von den letzten Exemplaren Sporen entnehmen und diese in der Erhaltungskultur eines Botanischen Gartens zu Jungpflanzen heranziehen. Diese könnten dann an geeigneten Stellen in Berliner Wäldern wieder ausgewildert werden, um die Restpopulation zu stützen und neue Populationen zu begründen.

Helfen Sie uns beim Schutz des Bergfarns und weiterer Zielarten des Florenschutzes! Über Fundmeldungen von Zielarten – am besten mit Fotobeleg – würden wir uns sehr freuen. Vielen Dank!

Stiftung Naturschutz Berlin
Koordinierungsstelle Florenschutz
Potsdamer Straße 68
10785 Berlin
Tel: (030) 26 39 4-188

Dezember 2015: Grünblütiges Wintergrün

Dezember 2015: Grünblütiges Wintergrün

Grünblütiges Wintergrün – Pyrola chlorantha Sw. 

Rosen, Lilien, Astern und Birnbäume – viele bekannte Pflanzen sind schon von Dichtern beschrieben worden. Aber das Wintergrün? Niemand geringerer als Adelbert von Chamisso – übrigens ein Franzose, der im Kindesalter als Flüchtling nach Berlin kam und ein großer deutscher Dichter wurde – fand seinen Gefallen an den eher unscheinbaren Pflänzchen: „Die Arten der Gattung Pyrola, Wintergrün, Wald-Mangold, sind niedrige Untersträucher mit zierlichen weißen offenen Blumen, die man im traurigen Schatten unserer dichtesten Kiefernwälder an feuchten moosigen Stellen findet, und an denen der Pflanzenfreund seine Freude hat.“ Dies schrieb 1827 Chamisso, der auch ein bedeutender Naturforscher war und lange Jahre als Kustos das Königliche Herbarium von Berlin betreute.

Das Grünblütige Wintergrün, eine der Pyrola-Arten, wurde von Chamisso in Berlin gesammelt und diese Pflanze ist noch heute im berühmten Berliner Herbarium zu finden. Leider vielleicht bald nur noch dort, denn seit 1900 wurde es in Berlin nur noch dreimal in der Natur gesehen, zuletzt 2010 im NSG Wilhelmshagen-Woltersdorfer Dünenzug (Köpenick). 

Die Art ist auf der Nordhalbkugel verbreitet und hat ihren Schwerpunkt in Nadelwäldern der gemäßigten bis borealen Zone. In Deutschland erreicht sie die Westgrenze ihres europäischen Areals und ist fast ausschließlich in Ost- und Süddeutschland zu finden. In  Berlin und Brandenburg ist das Grünblütige Wintergrün eng an Kiefern-Trockenwälder gebunden, denn es geht mit vielen Wurzelpilzen (Mykorrhiza) der Kiefer eine lebenslange Symbiose ein.

Im Mai - Juni bildet die nur 10 bis 25 cm hohe Pflanze zwei bis sechs hellgrüne Blüten aus. Sobald die Bestäubung durch Insekten oder Selbstbestäubung erfolgt ist, entwickeln sich in jeder Samenkapsel mehrere Tausend staubfeine Samen, die als sogenannte Ballonflieger vom Wind verbreitet werden. Zur Keimung müssen sie in kurzer Zeit einen passenden Mykorrhiza-Pilz finden, was besonders gut an offenen Bodenstellen gelingt. Daneben kann sich die Art jedoch auch vegetativ durch Ausläufer vermehren.

Nicht nur in Berlin, sondern in ganz Deutschland müssen wir einen dramatischen Rückgang des Grünblütigen Wintergrüns feststellen. Ursache für den Rückgang ist die erhöhte Schadstoff- und Stickoxidbelastung der Luft, wodurch die Pilzflora der Waldböden geschädigt wird und eine flächendeckende Düngung der Wälder erfolgt. Letzteres fördert die Ausbreitung konkurrenzstarker Gräser, Kräuter und Gehölze, worunter sich in Berlin zudem viele Neophyten wie Robinie, Späte Traubenkirsche und Schneebeere befinden.

Zum Schutz des vom Aussterben bedrohten Grünblütigen Wintergrüns und anderer gefährdeter Arten sollten in den Berliner Wäldern einheimische Baumarten gefördert und lichte Bestandsstrukturen erhalten werden. Eine weitere Option zur Sicherung des Grünblütigen Wintergrüns ist die Überführung einiger der letzten Exemplare mitsamt ihrer Bodenpilzflora in die Erhaltungskultur eines Botanischen Gartens.

Helfen Sie uns beim Schutz des Grünblütigen Wintergrüns und weiterer Zielarten des Florenschutzes! Über Fundmeldungen von Zielarten – am besten mit Fotobeleg – würden wir uns sehr freuen. Vielen Dank!

Stiftung Naturschutz Berlin
Koordinierungsstelle Florenschutz
Potsdamer Straße 68
10785 Berlin
Tel: (030) 26 39 4-188