2014: Pflanze des Monats

Januar 2014: Die Steppen-Segge

Januar 2014: Die Steppen-Segge

Die Steppen-Segge (Carex supina)

Bei dem Wort Steppe denken die meisten sicher an weite, von Tierherden bevölkerte Graslandlandschaften irgendwo im fernen Amerika, in Kasachstan oder in der Mongolei. Dass es diese Landschaften auch in Europa gibt, werden die wenigsten vermuten. Tatsächlich aber gibt es sie – wenn auch auf wenige Reservate beschränkt. Sie dienen als letzte Refugien der ursprünglichen Tier- und Pflanzenwelt, die von der Landwirtschaft großflächig verdrängt worden ist.

Neben  Vorkommen in Ost- und Südosteuropa existieren Vorposten der Steppenvegetation auch in Mitteleuropa, so z. B. an den Trockenhängen des Odertals, von wo viele seltene Arten über nacheiszeitliche Dünenzüge bis nach Berlin ausstrahlen. Eine dieser Arten, die in Berlin einen Vorposten besiedelt und ihre Hauptverbreitung in den fernen Steppengebieten hat, ist die Steppen-Segge. Um sie zu finden, muss man in Trockenrasen und an den nach Süden und Südwesten ausgerichteten Trockenhängen der Havel auf die Knie gehen und genau hinschauen, denn die Art wird nur 5-20 cm groß. Die Pflanze ist verschiedenährig, d. h. sie hat männliche und weibliche Blütenähren an einem Halm, ein Merkmal, dass auf ca. ein Drittel aller Seggen in Deutschland zutrifft.

In Deutschland existiert die Steppen-Segge nur in wenigen Gegenden und hat im Verlauf des 20. Jahrhunderts viele Vorkommen verloren. Sie gilt daher bundesweit als gefährdet, in Berlin ist sie sogar vom Aussterben bedroht. Zwischen 2009-2013 konnten in Berlin noch vier Bestände im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf bestätigt werden. Diese sind – u. a. durch Verbuschung und Beschattung sowie die Ausbreitung von Neophyten (wie z. B. der Späten Traubenkirsche und Robinie) – weiterhin stark gefährdet.

Um in Berlin der Steppen-Segge auch in Zukunft Überlebensmöglichkeiten zu bieten, müssen ihre Standorte von Gehölzen und Gebüsch freigehalten werden. An einem der Berliner Fundorte führt der Botanische Verein von Berlin und Brandenburg e.V. regelmäßig ehrenamtliche Pflegemaßnahmen durch. Vielleicht möchten Sie sich auch einmal an einem freiwilligen Pflegeeinsatz zum Schutz dieser und anderer bedrohter Arten in Berlin beteiligen? Nähere Informationen hierzu erhalten Sie bei der Stiftung Naturschutz Berlin (s. u.). Vielen Dank!

Stiftung Naturschutz Berlin
Koordinierungsstelle Florenschutz
Potsdamer Straße 68
10785 Berlin
Tel: (030) 26 39 4-188

Februar 2014: Froschbiss

Februar 2014: Froschbiss

Froschbiss (Hydrocharis morsus-ranae)

Von Fröschen wird sie wohl nicht gebissen, aber eine Kerbe in den kreisrunden Blättern und die häufige Anwesenheit von Fröschen in ihrem Lebensraum haben dieser unverwechselbaren Wasserpflanze ihren Name eingebracht.
Man erkennt den Froschbiss gut an seinen Blättern, die denen sehr kleiner Seerosen ähneln. Zwischen Juni und August bildet die Pflanze hübsche weiße Blüten mit gelbem Blütengrund aus. Viel häufiger als über Samen verbreitet sich die Art jedoch vegetativ durch Ausläufer und zahlreiche Winterknospen (Turionen), die sich von der Mutterpflanze lösen, zum Gewässerboden sinken und dort überwintern. Im Frühjahr entstehen daraus neue Pflänzchen, die wieder an die Wasseroberfläche gelangen. Die schwimmfähigen, klebrigen Samen und Turionen können mit der Strömung und als „blinde Passagiere“, angeheftet an Wasservögel und Boote, große Distanzen überwinden und so neue Gewässer besiedeln.

Das Verbreitungsgebiet des Froschbisses erstreckt sich von den Pyrenäen über große Teile West-, Mittel- und Osteuropas bis nach Süd-Sibirien. Deutschland zählt zum Hauptareal der Art und hat damit eine besondere Verantwortung für ihre Erhaltung. Die größten Gefährdungsfaktoren stellen hier Gewässerverschmutzung, Nährstoffeintrag, Verschlammung und das Zuschütten von Kleingewässern dar.

In Berlin ist der Froschbiss noch relativ weit verbreitet, allerdings sind im Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts sehr viele Vorkommen erloschen. Gute Chancen, die Art zu entdecken, hat man in Köpenick, aber auch in Spandau, Reinickendorf, Zehlendorf, Hellersdorf, Wilmersdorf, Tempelhof und Neukölln wurde sie schon gefunden. Aufgrund der allmählichen Verbesserung der Wasserqualität und der schrittweise geplanten naturnäheren Gestaltung der Uferbereiche vieler Berliner Gewässer wird mit einer Wiederausbreitung des Froschbisses in Berlin gerechnet.

Sie können diese Entwicklung mit etwas Glück selbst mitverfolgen. Halten Sie an den Gewässern ihrer Umgebung nach dem Froschbiss Ausschau. Falls Sie ihn entdecken, sobald er im Frühjahr wieder auftaucht, melden Sie den Fund – am besten mit Fotobeleg – an die Stiftung Naturschutz Berlin. Vielen Dank!

März 2014: Mittlerer Lerchensporn

März 2014: Mittlerer Lerchensporn

Mittlerer Lerchensporn

Mittlerer Lerchensporn
Foto: Julia Kruse/wikipedia

Mittlerer Lerchenssporn (Corydalis intermedia)

Sobald im März die Temperaturen steigen, kommt in frischen Laubmischwäldern und Auenwäldern ein zierlicher Frühblüher zum Vorschein. Es ist der Mittlere Lerchensporn, eine Pflanze, deren Gattungsname auf die Ähnlichkeit ihrer Blüten mit der gespornten Hinterzehe der Haubenlerche zurückgeht.

Eine Besonderheit des Mittleren Lerchensporns und zugleich ein schönes Beispiel symbiotischer Lebenspartnerschaft ist die Art und Weise seiner Verbreitung. Ameisen tragen die Samen der Pflanze in ihren Bau, um dort deren fettreiche, weiße Anhängsel zu verzehren. Die dabei übrig bleibenden Samen finden im Ameisennest ein ideales Keimbett vor. Eine weitere Besonderheit zeigt sich während der Blüte der Pflanze. Die kleinen Blütenstände aus 1-5 Blüten wechseln nämlich nach der Befruchtung ihre Farbe, so dass aus Rosa in wenigen Tagen Violett wird.

Das Verbreitungsgebiet des Mittleren Lerchensporns ist auf Europa beschränkt und erstreckt sich von der Ukraine bis nach Skandinavien und Frankreich. In Deutschland kommt die Art vor allem in den östlichen und nordöstlichen Landesteilen vor. Aber auch hier ist sie gefährdet. Schuld daran sind der Rückgang und die Verinselung naturnaher Laubmischwälder und historisch alter Wälder, auf deren Mikroklima die Pflanze angewiesen ist. Auch die Tatsache, dass die für die Verbreitung der Samen sorgenden Ameisen keine größeren Barrieren, wie Straßen oder Häuserzeilen, überwinden können, hat maßgeblich zum Rückgang der Art beigetragen.

In Berlin ist der Mittlere Lerchensporn nur noch an wenigen Stellen in Pankow und Zehlendorf zu finden. Bedroht sind seine Bestände hier u. a. durch die Ablagerung von Gartenabfällen, wodurch Fundstellen überschüttet und Böden mit Nährstoffen angereichert werden, was wiederum die Ausbreitung konkurrenzstarker Park- und Gartengehölze begünstigt.

Wenn Sie in verwilderten alten Schloss- und Gutsparks spazieren gehen, die oft aus Wäldern hervorgegangen sind, halten Sie doch einmal Ausschau nach dem Mittleren Lerchensporn. Er lässt sich bei genauer Betrachtung gut von zwei weiteren, in Berlin häufigeren Lerchensporn-Arten mit ähnlicher Blütenfarbe unterscheiden. Der Blütenstand des Mittleren Lerchensporns hat ein bis fünf (maximal acht) Blüten mit jeweils eiförmigen, ganzrandigen Tragblättern. Dagegen besitzt der Finger-Lerchensporn handförmig gespaltene Tragblätter. Der Hohle Lerchensporn hat zwar ganzrandige Tragblätter, aber sechs bis zwanzig Blüten. 

Wir würden uns über eine Fundmeldung an die Stiftung Naturschutz Berlin - am besten mit Fotobeleg – sehr freuen. Vielen Dank!

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Koordinierungsstelle Florenschutz
Potsdamer Straße 68
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Tel: (030) 26 39 4-188

April 2014: Mäuseschwänzchen

April 2014: Mäuseschwänzchen

Mäuseschwänzchen – Myosurus minimus L.

„Mäuschen, Mäuschen piep einmal“ würde man am liebsten rufen, um das 2-10 cm kleine Pflänzchen finden zu können. Dessen zylindrische Blütenstände werden im Verlauf der Blütezeit immer länger und erinnern dann an ein Mäuseschwänzchen, was der Art ihren Namen verlieh.Myosurus minimus ist eine einjährige Pflanze, die als Samen den Winter überdauert. Sie bildet von April bis Juni ihre unverwechselbaren grünen Blütenstände aus, die am Grunde von fünf gelbweißen Kelchblättern eingefasst werden. Das ungewohnte Bild wird durch eine Rosette grasartiger Blätter abgerundet. Ursprünglich war das Mäuseschwänzchen vermutlich in den Überschwemmungsgebieten großer Flüsse heimisch. In unserer Kulturlandschaft gedeiht es jedoch auch auf feuchten, nährstoffreichen, lehmigen Äckern, an wechselfeuchten oder zeitweilig überschwemmten Ruderalstellen (Wegränder, Fahrspuren) und auf Rohböden an Gewässerufern. Das Verbreitungsgebiet umfasst große Teile Nordamerikas und Europas, wobei hier der Schwerpunkt in Mittel- und Osteuropa liegt. Einzelvorkommen strahlen zudem bis Westasien und Nordafrika aus. Deutschland zählt zum Hauptareal der Art, welche hier im Flachland von den Küsten bis zu den Mittelgebirgen verbreitet ist. Das Mäuseschwänzchen hat jedoch in den letzten Jahrzehnten durch die Intensivierung der Landwirtschaft großflächig Vorkommen verloren.Die konkurrenzschwache, niedrigwüchsige und lichtliebende Pflanze ist vornehmlich durch intensiven Ackerbau (häufiger Herbizideinsatz, dichte Bepflanzung) gefährdet, in Berlin kommen als Gefährdungen zudem die Umwandlung von Acker in Grünland, das Zuwachsen von Ackerpfuhlen mit Gehölzen sowie andere Nutzungsänderungen (Bebauung, Umwandlung in Grünanlagen usw.) hinzu. In Berlin sind nach 1990 noch einzelne Funde in Reinickendorf, Pankow, Hohenschönhausen, Wartenberg, Marienfelde, Lichterfelde-Süd, Zehlendorf und Tiergarten bekannt geworden.Trotzdem kann das Mäuseschwänzchen in Berlin nach Bodenstörungen unverhofft selbst in der Innenstadt gefunden werden, da die Samen über Jahrzehnte im Boden überdauern. Genau hinschauen lohnt sich also. Vielleicht blüht es gerade am Bordstein oder in der Blumenrabatte zu ihren Füßen? Sollten Sie ein Mäuseschwänzchen entdecken, melden Sie bitte den Fund – am besten mit Fotobeleg – der Stiftung Naturschutz Berlin. Vielen Dank!

Mai 2014: Breitblättriges Knabenkraut

Mai 2014: Breitblättriges Knabenkraut

Breitblättriges Knabenkraut (Dactylorhiza majalis)

Wenn im Mai die Natur ein Feuerwerk an Lebensfreude zündet, entfalten auch die Orchideen der Gattungen Orchis und Dactylorhiza ihre bezaubernden Blüten. Doch nicht nur ihrer Schönheit wegen waren diese Pflanzen seit dem Altertum begehrt. Ihren Wurzelknollen wurden magische Kräfte als Aphrodisiakum zugeschrieben, wovon sich auch ihr deutscher Name „Knabenkraut“ ableitet. Heute jedoch sind diese einstmals zu Tausenden die Feuchtwiesen bevölkernden Orchideen so selten geworden, dass man in Berlin froh sein kann, eine der Arten überhaupt noch zu Gesicht zu bekommen. Sie abzupflücken oder auszugraben ist daher streng verboten.

Eine der seltenen Berliner Orchideenarten ist das Breitblättrige Knabenkraut. Der Gattungsname Dactylorhiza leitet sich von den fingerartigen Wurzelknollen (von griechisch dactylos = Finger und rhiza = Wurzel) her, während sich der Artname majalis auf die Blütezeit im Monat Mai (bis Juni) bezieht. Bevorzugte Standorte der Art sind Feucht- und Nasswiesen, lichte Röhrichte sowie nasse Nieder- und Quellmoore. Die Vermehrung erfolgt hauptsächlich durch eine große Zahl hauchfeiner Samen, die durch den Wind kilometerweit verweht werden. So kann es geschehen, dass das Breitblättrige Knabenkraut auf geeigneten Feuchtwiesen unverhofft auftaucht und neue Populationen begründet, obwohl in der näheren Umgebung keine Vorkommen bekannt sind.

Das Verbreitungsgebiet des Breitblättrigen Knabenkrauts ist im Wesentlichen auf Europa beschränkt. Deutschland gehört dabei zum Arealzentrum. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts hat die Art hier jedoch viele Vorkommen eingebüßt, insbesondere auch in Brandenburg und Berlin. In Berlin kommt die stark gefährdete Art vor allem am Stadtrand in den Bezirken Reinickendorf, Pankow und Treptow-Köpenick vor.

Gefährdet wird das Breitblättrige Knabenkraut in Berlin vor allem durch das Brachfallen und die durch künstliche Grundwasserabsenkung bewirkte Austrocknung von Feuchtwiesen. Weitere Bedrohungen sind intensive Beweidung sowie Nährstoffeintrag durch Düngung und über die Luft. Letzteres stört die Symbiose zwischen der Orchidee und ihren Mykorrhiza-Pilzen und fördert konkurrenzstarke Wiesenarten. Und wenn Wiesen immer eintöniger und artenärmer werden, gehen auch Wildtiere gezielt auf die Suche nach Leckerbissen. So wühlen Wildschweine die Knollen von Orchideen aus und fressen diese, während die Blütenstände bei Rehen sehr beliebt sind. Kleine Orchideen-Bestände können auf diese Weise in wenigen Jahren vollständig vernichtet werden.

Sie können helfen, diese bedrohte Pflanze zu schützen! Sollten Sie eines der seltenen Exemplare entdecken, informieren Sie bitte die Stiftung Naturschutz Berlin, am besten mit einem Fotobeleg.

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Juni 2014: Echte Mondraute

Juni 2014: Echte Mondraute

Echte Mondraute (Botrychium lunaria (L.) Sw.)

Der Echten Mondraute wurden im Mittelalter bedeutende magische Kräfte nachgesagt. Der deutsche und lateinische Name des kleinen, unscheinbaren Farns nimmt darauf Bezug, denn man glaubte, die halbmondförmigen Blätter würden nachts leuchten (lat. luna = Mond). Nach anderer Überlieferung musste die Echte Mondraute bei Vollmond gesammelt werden, um ihre Zauberkräfte zu entfalten. Hierzu zählte z. B. die Fähigkeit, Schlösser zu öffnen. Die Pflanze war zudem eine wichtige Zutat bei Zaubertränken und wurde auch als Heilpflanze zur Wundbehandlung genutzt. Im Mai und Juni kommt die Mondraute an sandigen, nährstoffarmen Wegrändern, auf Magerrasen und in lichten Kiefernwäldern zum Vorschein.

Die Echte Mondraute gehört zur Familie der Natternzungengewächse (Ophioglossaceae) und bildet nur ein Blatt mit einem gefiederten, sterilen Teil und einem sporentragenden Teil aus. Die Sporen reifen von Mai bis August und werden durch den Wind verbreitet. Sie benötigen zur Keimung 3-4 Wochen Dunkelheit, müssen also durch Bodenstörungen unter die Erdoberfläche gelangen. Treffen sie hierbei auf geeignete Wurzelpilze (Mykorrhiza), entwickelt sich ein Vorkeim, der wiederum männliche und weibliche Geschlechtszellen ausbildet, welche sich zu einem Embryo vereinigen. Vorkeim und Jungpflanze leben viele Jahre unterirdisch, sodass bis zu 10 Jahre vergehen können, bis die ersten oberirdischen Triebe der Art erscheinen. Auch die langlebigen erwachsenen Exemplare bilden nicht jedes Jahr oberirdische Triebe aus. Die Unbeständigkeit und Unvorhersehbarkeit ihres Auftauchens hat sicher auch zur geheimnisvollen Aura der Pflanze beigetragen.

Die Echte Mondraute kommt in gemäßigten und kühlen Gebieten Europas, Asiens und Nordamerikas vor. In Europa erstreckt sich ihr geschlossenes Areal  von den Alpen bis Nordnorwegen sowie von Irland bis Russland. Deutschland gehört zu ihrem Hauptverbreitungsgebiet. Allerdings ist ihr Bestand hier seit Jahrzehnten rückläufig. In Berlin wurden nach 1990 rund 10 Vorkommen nachgewiesen, welche zum Großteil in den Forsten des Bezirks Treptow-Köpenick liegen. Vereinzelte Bestände gibt es zudem auch in den Bezirken Reinickendorf und Steglitz-Zehlendorf.

Aufgrund ihrer Symbiose mit Wurzelpilzen in allen ihren Lebensstadien ist die Echte Mondraute durch Nährstoffeintrag stark gefährdet, so z. B. durch die Ablagerung von Mahdgut und Gehölzschnitt sowie die Ausbreitung der Robinie. Weitere Gefährdungen sind das Brachfallen von Magerwiesen mit nachfolgender Verbuschung und Ausbreitung konkurrenzstarker Ruderalarten, die zunehmende Beschattung in Wäldern und intensives Wühlen von Wildschweinen an Wegrändern.

Die Echte Mondraute ist in Deutschland besonders geschützt und gilt in Berlin als vom Aussterben bedroht. Sie können helfen, diese bedrohte Pflanze zu schützen! Sollten Sie eines der seltenen Exemplare entdecken, informieren Sie bitte die Stiftung Naturschutz Berlin, am besten mit einem Fotobeleg. Vielen Dank!

Juli 2014: Weidenblättriger Alant

Juli 2014: Weidenblättriger Alant

Weidenblättriger Alant (Inula salicina L.)

„Meistens belehrt erst der Verlust uns über den Wert der Dinge.“ Dieses Zitat von Arthur Schopenhauer beschreibt treffend den Effekt, den das Verschwinden einer Schlüsselart auf ein Ökosystem hat. Ein Beispiel hierfür ist der Weidenblättrige Alant, eine Pflanzenart der extensiv gemähten Feuchtwiesen, Halbtrockenrasen und Säume. Seine lebhaft gold- und zitronengelb gefärbten und kleinen Sonnen ähnelnden Blüten bieten von Juni bis Oktober Schmetterlingen, Grabwespen und Wildbienen Nektar und Pollen an. Die Insekten übernehmen im Gegenzug die Bestäubung. Unter den Blütenbesuchern befinden sich hierbei viele Wildbienen, die sich auf wenige Nahrungspflanzen spezialisiert haben, so z. B. Arten der Gattungen Löcherbienen, Seidenbienen und Blattschneiderbienen.

Der Rückgang des Weidenblättrigen Alants seit der Mitte des 20. Jahrhunderts zieht den Verlust vieler weiterer Arten nach sich. Ursache des Rückgangs ist vor allem eine geänderte Grünlandnutzung: Moorwiesen wurden melioriert und gedüngt, eine Streu- oder 1-2schürige Heunutzung ist einer vielschürigen Silage-Gewinnung gewichen und sehr viele Wiesen wurden einfach aufgegeben und wachsen über Brachestadien allmählich mit Gehölzen zu.

Als lichtliebende, mittelgroße Pflanze, die ihren Schwerpunkt in den kontinentalen Gebieten Europas und Asiens hat, ist der Weidenblättrige Alant in Brachen durch Konkurrenz von hochwüchsigen Stauden, Gräsern und Gehölzen gefährdet. Zwar kann er noch viele Jahre vegetativ existieren, jedoch kommt es nicht mehr zur Blüten- und Samenbildung. Es erfolgt keine Verjüngung der Bestände, so dass diese überaltern. Aufgrund der fehlenden Samen können dann auch keine neuen, besser geeigneten Standorte besiedelt werden. Ein Erlöschen des Bestandes ist somit vorprogrammiert, die dramatische Lage wird jedoch durch die Langlebigkeit der Art maskiert und oft viel zu spät erkannt. Bereits mit dem Ausbleiben der Blüten wird allerdings schon einer Vielzahl von Wildbienen und anderen Insekten eine wichtige Nahrungsgrundlage entzogen.

Der Weidenblättrige Alant kommt in Berlin nur noch in zwei Gebieten in Köpenick und Spandau vor. Er gilt als vom Aussterben bedroht. Sie können helfen, diese hübsche Pflanze zu schützen! Sollten Sie eines der seltenen Exemplare entdecken, informieren Sie bitte die Stiftung Naturschutz Berlin, am besten mit einem Fotobeleg. Sie können sich zudem auch an ehrenamtlichen Biotoppflegemaßnahmen beteiligen. Nähere Informationen hierzu erhalten Sie bei der Stiftung Naturschutz Berlin (s. u.). Vielen Dank!

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August 2014: Sparrige Flockenblume

August 2014: Sparrige Flockenblume

Sparrige Flockenblume (Centaurea diffusa Lam.)

Berlin übte schon immer auf Lebenskünstler und Weltenbummler eine magnetische Anziehungskraft aus. Auch in der Pflanzenwelt gibt es spannende Wandergeschichten. Eine solche kann von der ein- bis zweijährigen, von Juli bis August zumeist weiß blühenden Sparrigen Flockenblume erzählt werden:

Die Sparrige Flockenblume ist ursprünglich in den subkontinentalen Regionen Südosteuropas und Westasiens heimisch. Von dort kam sie im 19. und 20. Jh. als sogenannter „Südfruchtbegleiter“ mit Heu- und Strohverpackungsmaterial auf die Bahnhöfe Mitteleuropas und konnte sich unter günstigen Bedingungen vor allem entlang der Bahnstrecken weiter verbreiten. Außerdem wanderte sie als „blinder Passagier“ mit dem Saatgut von Kulturpflanzen ein.

In Berlin wurde eine Pflanze der Sparrigen Flockenblume erstmals 1868 in Kreuzberg in einem Pflastersteindepot entdeckt, in den 1890er Jahren wurde die Art dann bei Mühlen in Tegel und Köpenick wiedergefunden. Die Art ist der Stadt seitdem treu geblieben, insbesondere zwischen 1950 und 1989 wurden zahlreiche Fundorte nachgewiesen. Sie hat vor allem auf trockenem, schotterreichem Bahngelände sowie in angrenzenden Sandtrockenrasen und an Wegrändern Fuß gefasst. Das Berliner Innenstadtklima begünstigt hier ihr Vorkommen. Die Art gilt in Berlin und Deutschland inzwischen als eingebürgert. Bisher sind keine negativen Auswirkungen auf die heimische Pflanzenwelt bekannt. Neophyten können in einer neuen Umgebung also durchaus ihre eigene ökologische Nische finden ohne andere Arten zu verdrängen.

Die nach der Blüte absterbende Sparrige Flockenblume verbreitet ihre Samen auf bemerkenswerte Weisen: Zum einen heften sich die Samen an Tiere und Menschen und werden so durch die Landschaft transportiert. Zum anderen ist die Art ein Steppenroller: die Mutterpflanze bricht dicht über dem Boden ab und wird durch den Wind verweht, wobei die Samen unterwegs ausfallen. Zur Keimung ist sie auf offene Standorte angewiesen.

Durch die Expansion konkurrenzstarker, ausdauernder Ruderalarten, wie z. B. Goldrute, Rainfarn und Landreitgras, wird die Sparrige Flockenblume verdrängt. Weitere Gefährdungen bestehen durch Baumaßnahmen sowie eine intensive Pflege von Grünflächen und Säumen, wodurch eine Blüte der sich ausschließlich über Samen vermehrenden Art verhindert wird. In den letzten 20 Jahren ist bereits ein Rückgang der Sparrigen Flockenblume in Berlin zu verzeichnen. Sie kommt nur noch an wenigen Stellen auf Bahngelände und in der unmittelbaren Umgebung vor, insbesondere in den Innenstadtbezirken. Daher gilt sie in Berlin als vom Aussterben bedroht.

 

Halten Sie die Augen offen! Vielleicht wächst die Sparrige Flockenblume ja am Rande Ihres S-Bahnhofs? Sollten Sie eines der seltenen Exemplare entdecken, informieren Sie bitte die Stiftung Naturschutz Berlin, am besten mit einem Fotobeleg. Vielen Dank!

September 2014: Der Mittlere Sonnentau

September 2014: Der Mittlere Sonnentau

Der Mittlere Sonnentau (Drosera Intermedia Hayne)

Der schöne Schein trügt - bei wenigen Pflanzen trifft dies so zu, wie bei dem Mittleren Sonnentau, dessen Blätter mit verlockend glitzernden Tautropfen übersät scheinen. Doch wenn ein Insekt davon trinken möchte, erlebt es eine böse Überraschung: es bleibt an den Tropfen der roten Drüsenhaare kleben und wird von dem Blatt, das sich allmählich um sein Opfer schließt, verdaut. Diese ungewöhnliche Art der Ernährung ist eine Anpassung an die extrem nährstoffarmen Bedingungen in sauren Hoch- und Zwischenmooren Europas und Nordamerikas, in denen der Mittlere Sonnentau zu Hause ist. Er besiedelt hier Torfschlenken und nasse Offenstellen und kann zeitweilig sogar untergetaucht oder flutend überdauern.

Die zierliche, 3-10 cm hohe Pflanze gehört zur Familie der Sonnentaugewächse (Droseraceae), welche in Mitteleuropa mit lediglich vier Arten vertreten ist. Der Mittlere Sonnentau blüht im Hochsommer, wobei es häufig zur Selbstbestäubung der noch geschlossenen Blüten kommt. Die Samen werden durch Wind und Wasser verbreitet.

Als Licht- und Frostkeimer ist der Mittlere Sonnentau auf vegetationsfreie Stellen zur Keimung angewiesen, so z. B. an Schlenken und Wildschweinsuhlen. Eine starke Gefährdung stellen Grundwasserabsenkungen dar. Dadurch trocknen Moore langfristig aus, durch Torfzersetzung werden Nährstoffe freigesetzt und konkurrenzstarke Seggen, Gräser und Gehölze gelangen zur Vorherrschaft.

Der Mittlere Sonnentau ist in Deutschland gesetzlich geschützt und wird in der Berliner Roten Liste als verschollen eingestuft. 2013 wurde jedoch ein kleiner Bestand in einem gestörten Moor in Zehlendorf wiedergefunden. Um dieses letzte Berliner Vorkommen zu erhalten, sind Maßnahmen zur Moorrenaturierung sinnvoll. Durch Anhebung des Moorwasserstandes können Moore wieder in einen wachsenden Zustand zurückversetzt werden. Dies würde den Gehölzaufwuchs eindämmen, zugleich klimaschädliches CO2 binden sowie dem Mittleren Sonnentau und anderen gefährdeten Arten neuen Lebensraum bieten.

Die Stiftung Naturschutz Berlin hat bereits ein erstes Projekt zur Moorrenaturierung mit Mitteln der Berliner KlimaschutzabgabeOpens internal link in current window durchgeführt und ein zweites Projekt begonnen. Weitere Moorrenaturierungsprojekte sind geplant. Sie können die Stiftung Naturschutz Berlin dabei mit einer Spende unterstützen (s. u.). Der Mittlere Sonnentau und andere vom Aussterben bedrohte Moorarten werden es Ihnen danken!

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Oktober 2014: Die Graue Skabiose

Oktober 2014: Die Graue Skabiose

Die Graue Skabiose (Scabiosa canescens)

Sobald der Herbst Einzug hält, geht die Blühperiode der meisten einheimischen Wildpflanzen zu Ende. Nicht jedoch die der Grauen Skabiose, welche erst spät im Jahr von Juli bis November leuchtend hellblaue, duftende Blüten ausbildet. Damit bietet die in kontinentalen Trocken- und Halbtrockenrasen sowie in Trockenwäldern beheimatete Art ihren Bestäubern eine wichtige Nahrungsquelle vor dem Winter. Der Name Graue Skabiose nimmt auf die nahe Verwandtschaft zu heilkräftigen Arten Bezug, die früher zur Bekämpfung der Hautkrankheit Krätze (lat. Scabies) eingesetzt wurden.

Das Vorkommen der Grauen Skabiose ist auf Europa beschränkt, der Schwerpunkt liegt in den Trockengebieten Mitteleuropas. In Deutschland besiedelt die Art oft weit verstreute, extrem trockene, sonnige Standorte, wie z.B. Kuppen und Südhänge eiszeitlicher Dünen. Diese Standorte wurden früher häufig durch Wanderschäferei genutzt, wodurch die Samen der Grauen Skabiose im Fell der Schafe weit verbreitet wurden. Auf diese Weise standen viele Vorkommen auch über große Distanzen miteinander in Verbindung.

Heute sind die Standorte der Grauen Skabiose durch Nährstoffeintrag aus der Luft und Brachfallen von Magerrasen (Verdrängung durch konkurrenzstarke Arten, Verbuschung) stark gefährdet, weitere Gefährdungsfaktoren stellen Aufforstungen, die Ausbreitung der Späten Traubenkirsche und zunehmende Beschattung in Wäldern dar. Sehr kleine Populationen sind zudem durch genetische Verarmung und Inzuchtdepression bedroht. Dies kann schließlich zum Erlöschen der Art führen, selbst wenn der Standort zwischenzeitlich wieder optimale Wuchsbedingungen bietet.

Die Graue Skabiose kommt in Berlin nur noch mit einem sehr kleinen Bestand in Reinickendorf vor und ist akut vom Aussterben bedroht. Es ist geplant, von den letzten Exemplaren Samen zu ernten, diese in Erhaltungskultur anzuziehen und zu vermehren sowie herangezogene Jungpflanzen gemeinsam mit Exemplaren Brandenburger Herkunft an geeigneten Standorten wieder auszubringen. Ziel ist es, eine größere und genetisch vielfältigere Population der Grauen Skabiose zu entwickeln und so die Art in Berlin zu erhalten.

Helfen auch Sie, die Graue Skabiose und weitere in Berlin vom Aussterben bedrohte Zielarten mit einer Erhaltungskultur zu bewahren! Unterstützen Sie das Projekt Florenschutz mit einer Spende (s. u.).

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November 2014: Elliptische Rose

November 2014: Elliptische Rose

Elliptische Rose (Rosa elliptica Tausch s. str.)

Im nass-kalten Novemberwetter haben Schnupfen, Husten und Erkältungen leichtes Spiel. Ein altbekanntes Gegenmittel wächst an den Sträuchern der Wildrosen und entfaltet als Tee seine Wirkung: Hagebutten enthalten mehr Vitamin C als alle anderen einheimischen Früchte und lassen hierbei selbst Orangen und Zitronen weit hinter sich.

Als Hagebutten werden die Früchte der Rosen bezeichnet, von denen in Berlin etwa 14 Arten wild vorkommen. Die Hälfte davon ist jedoch mehr oder weniger stark gefährdet. Eine der seltensten Arten ist die Elliptische Rose, welche in Berlin und Brandenburg vom Aussterben bedroht ist.

Ihren Namen hat die Elliptische Rose den elliptischen Fiederblättchen ihrer Laubblätter zu verdanken. Bei der Bestimmung sind jedoch viele weitere Merkmale der Blüten, Blätter und Früchte zu beachten, weshalb Wildrosen als Spezialgebiet erfahrener Botaniker gelten.

Die Elliptische Rose kommt ausschließlich in Europa vor, wobei ihr Schwerpunkt in Zentraleuropa liegt. Bevorzugte Standorte des bis zu 2,50 m hohen Strauches sind lichte, kalkhaltige Trockenhänge, Trockengebüsche, Feldhecken und Wegränder. Die attraktive Art, die sich von Juni bis Juli mit hellrosa Blüten und im Herbst mit kräftig roten Hagebutten schmückt, ist in den letzten 50 Jahren in Deutschland stark zurückgegangen. Dies ist insbesondere eine Folge der Intensivierung der Landwirtschaft, welche mit der Beseitigung von Hecken und Feldrainen, dem Einsatz von Herbiziden und Überdüngung einherging. Weitere Gefährdungen sind Nährstoffeintrag aus der Luft, wodurch konkurrenzstarke Gehölze und Ruderalarten zur Vorherrschaft gelangen, sowie Baumaßnahmen, bei denen Straßen- und Wegränder neu gestaltet werden.

In Berlin existiert lediglich ein kleiner Bestand der Elliptischen Rose in Johannisthal (Bezirk Treptow-Köpenick). Um den Bestand zu sichern, wurden 2014 Stecklinge und Samen entnommen, die im Arboretum der Humboldt-Universität herangezogen werden. Es ist geplant, Jungpflanzen aus dieser Erhaltungskultur später wieder an geeigneten Standorten auszuwildern.

Wildrosen erfreuen mit ihren Blüten und Früchten unser Auge, sind für die heimische Tierwelt aber zugleich auch Unterschlupf, Nistplatz und wichtige Nahrungsquelle. So bieten z.B. die Hagebutten Singvögeln den ganzen Winter über ein natürliches Winterfutter. Wildrosen sollten daher bei Bau- und Pflegemaßnahmen grundsätzlich geschont werden.

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Dezember 2014: Sprossender Bärlapp

Dezember 2014: Sprossender Bärlapp

Sprossender Bärlapp (Lycopodium annotinum L.)

An Dinosaurier war noch nicht zu denken, als sie die Erde beherrschten: Bärlapppflanzen (Lycopodiopsida) spalteten sich bereits im Silur vor rund 410 Mio. Jahren von allen übrigen Gefäßpflanzen ab und erlebten in den Steinkohlewäldern des Karbon vor 360-300 Mio. Jahren ihre Blüte.

Kleine Vertreter dieser urtümlichen Sporenpflanzen haben sich als "lebende Fossilien" bis heute erhalten. Hierzu zählt der Sprossende Bärlapp, dessen immergrünen, schlangenartigen Kriechtriebe seit alters her die Phantasie beflügelten. Gemeinsam mit nah verwandten Arten galt er als Hexenschutz und wurde zudem als Aphrodisiakum und als vielseitige Heilpflanze verwandt. Die ölhaltigen, stark wasserabweisenden Bärlappsporen gelangten zudem als Wundpuder und in der Zauberkunst zu Ruhm, denn mit ihnen lassen sich eindrucksvolle Blitzlicht- und Feuerspuckeffekte erzeugen.

Der Sprossende Bärlapp ist eine Charakterart der Nadelwälder der Nordhalbkugel und erreicht in Deutschland die Westgrenze seines geschlossenen Areals. Er verbreitet sich vorwiegend vegetativ durch dicht unter der Erdoberfläche wachsende Rhizome, welche große Bestände mit einem Alter von mehr als 250 Jahren aufbauen können. Eine erfolgreiche Vermehrung über Sporen ist demgegenüber in Mitteleuropa selten, da hierbei viele Faktoren zusammenwirken müssen. Die winzigen, von August bis September reifenden Sporen können mehrere Hundert Kilometer weit fliegen, müssen zur Keimung aber auf feuchte, nährstoffarme Rohbodenstellen und passende Mykorrhiza-Pilze treffen. Der sich entwickelnde Vorkeim und die nach einem Generationswechsel entstehenden Jungpflanzen leben bis zu 10 Jahre unterirdisch, bevor die ersten oberirdischen Triebe erscheinen. Trocknet der Boden währenddessen stark aus, kommt die Entwicklung zum Erliegen.

Der Sprossende Bärlapp ist in den letzten 50 Jahren in Deutschland sehr selten geworden. In Berlin kommt die Art nur noch mit wenigen Exemplaren am Rande eines Moores in Köpenick vor und ist damit akut vom Aussterben bedroht. Wichtigste Gefährdung in Berlin ist die Grundwasserabsenkung, wodurch Böden und Moore austrocknen und durch Torfmineralisierung zugleich Nährstoffe freigesetzt werden. Es ist geplant, die letzten Exemplare des Sprossenden Bärlapps in Erhaltungskultur zu nehmen und zu vermehren. Ableger könnten dann am Rande von renaturierten und in ihrem Wasserhaushalt stabilisierten Mooren wieder ausgewildert werden, um neue Populationen zu begründen.

Helfen auch Sie, den Sprossenden Bärlapp und weitere in Berlin vom Aussterben bedrohte Zielarten mit einer Erhaltungskultur zu bewahren! Unterstützen Sie das Projekt Florenschutz mit einer Spende (s. u.).

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