2013: Pflanze des Monats

April 2013: Die Schwarzschopf-Segge

April 2013: Die Schwarzschopf-Segge

Die Schwarzschopf-Segge (Carex appropinquata SCHUMACH.)

„Denkste denn, denkste denn, du Berliner Pflanze, denkste denn, ick liebe dir, nur weil ick mit dir tanze?“ Spätestens seit diesem berühmten Gassenhauer gilt als „Berliner Pflanze“ eine Person, die in der Hauptstadt geboren ist. Eine Berliner Pflanze im wahrsten Sinne des Wortes ist die Schwarzschopfsegge.1794 wurde sie von Carl Ludwig Willdenow in Berlin erstmals als eigenständige Art beschrieben.

In ihrem originellen Aussehen stiehlt die Schwarzschopf-Segge so manchem Hauptstädter die Show: Durch ihren bultenförmigen Wuchs lugt sie wie ein dunkelhaariger Kopf aus den letzten Schneeresten hervor. Ein solcher Bult kann bis zu 80 cm hoch werden und bietet Lebensraum für kleine Wirbeltiere, Insekten und für andere Pflanzen. Ihren Namen verdankt das Gewächs allerdings ihrem schwarzen Faserschopf aus alten Blattscheiden am Grunde der Pflanze. Im Frühling bildet die Schwarzschopf-Segge frische grüne Blatttriebe aus, von Mai bis Juni zieren sie hellbraune Ährenstände. Dann zeigt sich die Schwarzschopf-Segge aus der Familie der Sauergräser in ihrer ganzen Schönheit. 


Zu bestaunen ist das in einem nordisch-eurasiatischen Verbreitungsgebiet nachzuweisende Gewächs inzwischen allerdings nur noch selten, da sie in Mitteleuropa vielerorts als stark gefährdet gilt, so leider auch in Berlin. Zu ihrer Gefährdung tragen vor allem die Nutzungsaufgabe von Feuchtwiesen, aber auch eine zu häufige und zu tiefe Mahd sowie Grundwasserabsenkungen bei, denn die Schwarzschopf-Segge bevorzugt nasse Standorte wie Erlenbrüche, Nasswiesen, Grabenränder und Niedermoore. Zudem ist sie eine Lichtliebhaberin. Wird sie von Gehölzen zu stark beschattet, kann sie nicht überleben. Bei gelegentlicher Mahd und dem Entfernen von Gehölzaufwuchs bestehen jedoch gute Chancen, die Art zu erhalten.

Helfen Sie mit! Sollten Sie die Schwarzschopf-Segge bei einem Ihrer nächsten Spaziergänge entdecken, geben Sie uns Bescheid. Vielen Dank!

Mai 2013: Das Weiße Fingerkraut

Mai 2013: Das Weiße Fingerkraut

Das Weiße Fingerkraut (Potentilla alba)

Wenn in den kommenden Wochen die Temperaturen steigen und es uns Städter wieder in die Parks und Grünanlagen der Stadt zieht, dann können wir viele bunt blühende Frühjahrsblüher bestaunen. Auch eine besondere und schöne Seltenheit entfaltet im Mai ihre Blüten: das Weiße Fingerkraut. Dieses weiß leuchtende Pflänzchen mit der charakteristischen Fingerung der Blätter kommt insbesondere vom östlichen Mitteleuropa bis zur Wolga vor.

Das Weiße Fingerkraut lebt in trockenen und lichten Eichen- und Kieferwäldern. Die Art ist so charakteristisch für derartige Wälder, dass Vegetationskundler den Fingerkraut-Eichenwald (Potentillo albae-Quercetum petraeae) nach ihr benannt haben. Historische Waldnutzungsformen, wie Waldweide, Streunutzung und Reisigsammeln, haben das Weiße Fingerkraut früher begünstigt, da so in den Wäldern sehr lichte, magere Standorte erhalten blieben. Heute führen Nährstoffeinträge und die Ausbreitung von Schattholzarten zu einer Verdrängung der Art. Längerfristig kann das Weiße Fingerkraut derartige Veränderungen seines Lebensraumes nicht überleben. Es gilt daher in Berlin als vom Aussterben bedroht.

Die Koordinierungsstelle Florenschutz kann derzeit nur noch ein Vorkommen des Weißen Fingerkrauts im Bezirk Treptow-Köpenick bestätigen – in der Wuhlheide. Seit 2010 führt die Untere Naturschutzbehörde (UNB) dort Schutzmaßnahmen durch. „Die Arbeit der Koordinierungsstelle ist für uns sehr wichtig", sagt Birgit Protze von der UNB, „aufgrund der genauen Informationen über die Situation der Zielarten des Florenschutzes konnten wir deren Fundorte systematisch auflichten und weitere Schutzmaßnahmen durchführen. Die Zusammenarbeit hat sehr gut funktioniert und trägt insgesamt erheblich dazu bei, seltene Arten in Berlin zu erhalten.“ Unterstützt werden die Arbeiten der UNB durch Teilnehmer am Ökologischen Bundesfreiwilligendienst sowie ehrenamtlich tätige Mitglieder des Botanischen Vereins von Berlin und Brandenburg.

Helfen auch Sie beim Erhalt unserer Pflanzenvielfalt mit: Wenn Sie sich an Maßnahmen zum Schutz dieser seltenen Art und ihres Lebensraumes oder an anderen Naturschutzmaßnahmen beteiligen möchten, dann achten Sie auf die Ankündigung von Pflegeeinsätzen auf unserer Internetseite und im Umweltkalender (www.umweltkalender-berlin.deOpens external link in new window) oder melden Sie sich bei:

Stiftung Naturschutz Berlin
Koordinierungsstelle Florenschutz
Potsdamer Straße 68
10785 Berlin
Tel: (030) 26 39 4-188

Juni 2013: Das Sumpf-Läusekraut

Juni 2013: Das Sumpf-Läusekraut

Das Sumpf-Läusekraut – Pedicularis palustris L.

Sonnenlicht durchflutet die Wiesen, Gräser wiegen sich im Wind, Schmetterlinge gaukeln durch die Lüfte, Bienen und Hummeln summen geschäftig umher... Der Sommer hat Einzug gehalten! Eine echte Sommerpflanze, die im Mai zu blühen beginnt und bis in den August Feuchtwiesen und Flachmoore mit ihren rosafarbenen Blüten schmückt, ist das Sumpf-Läusekraut (Pedicularis palustris). Die Art ist auf Hummeln als Bestäuber spezialisiert, denn nur diese besitzen die Kraft, sich an einem Hebelmechanismus vorbei in die Blüten zu zwängen, um an den darin verborgenen Nektar zu gelangen.

Das aus der Familie der Braunwurzgewächse stammende, bis zu 40 cm hohe Sumpf-Läusekraut weist aber noch weitere Besonderheiten auf. Als sogenannter Halbparasit bezieht es Nährstoffe und Wasser teilweise von seinen Wirtspflanzen –Seggen und Gräsern – wodurch diese geschwächt werden und keine hohen und dichten Bestände ausbilden können. Dies führt zu einer partiellen Auflichtung der Wiese, wovon wiederum andere lichtliebende Arten profitieren. Alle Pflanzenteile des Sumpf-Läusekrauts enthalten zudem den giftigen Wirkstoff Aucubin, der Weidetiere fernhält und zugleich antibiotisch und entzündungshemmend wirkt. Die Art wurde daher früher als Arzneipflanze zur Behandlung von Geschwüren und zur Bekämpfung von Läusen und Ungeziefer eingesetzt, wovon sich ihr Name ableitet.

Das Sumpf-Läusekraut ist in Europa von den Pyrenäen bis zum Ural verbreitet, vielerorts jedoch sehr selten geworden. In Deutschland gilt die Art als stark gefährdet, in Brandenburg und Berlin ist sie sogar vom Aussterben bedroht. Gründe für den starken Rückgang sind die Entwässerung von Mooren und Feuchtwiesen, Düngung, häufige Mahd, intensive Beweidung und ein Brachfallen von Wiesen.
In Berlin kommt das Sumpf-Läusekraut nur noch in den Gosener Wiesen (Köpenick) vor. Eine Gefährdung besteht hier insbesondere durch Nutzungsauflassung und unregelmäßige Mahd.

Helfen Sie mit, das Sumpf-Läusekraut in Berlin zu erhalten! Wenn Sie weitere Standorte entdecken, melden Sie die Funde – am besten mit Fotobeleg – an die Stiftung Naturschutz Berlin. Vielen Dank!

Juli 2013: Die Golddistel

Juli 2013: Die Golddistel

Die Golddistel – Carlina vulgaris L. s. str.

Für die Natur ist der Sommer eine goldene Zeit. Viele Pflanzen entfalten ihre goldgelben Blüten, aber eine davon sticht besonders hervor, sogar im doppelten Sinne des Wortes. Es ist die Golddistel (Carlina vulgaris), eine stachlige Pflanze, die an sandig-trockenen Stellen ihre Schönheit präsentiert.

Die Golddistel ist in Europa und Westasien heimisch und besiedelt in Berlin bevorzugt trockene und basenreiche bis mäßig saure Magerrasen sowie lichte Kiefernwälder und ehemalige Kiesgruben. Bis die Pflanze blüht, vergehen mehrere Jahre, die sie als stachliges, unscheinbares Pflänzchen verbringt. Dann aber entfaltet sich im Sommer eine schimmernde Blütenpracht, die Unmengen von Bienen, Schmetterlingen und Hummeln anzieht. Nach der Blüte stirbt die Pflanze ab und die Samen gehen mit dem Wind, mit vorbeistreifenden Tieren oder auch gemeinsam mit der Mutterpflanze als sogenannte Steppenroller auf die Reise.

Da die Golddistel sich ausschließlich über Samen vermehrt und zudem Licht zum Auskeimen benötigt, kann sie nur dort dauerhaft bestehen, wo gelegentliche Störungen für offene Sandstellen sorgen. Bleiben diese aus, wird die Art schnell durch konkurrenzstarke krautige Arten und Gehölzaufwuchs verdrängt. Nährstoffeintrag und die Ausbreitung von gebietsfremden Pflanzenarten, wie z. B. der Robinie, beschleunigen das Verschwinden der schönen Golddistel.

Die Golddistel ist in Deutschland vielerorts selten geworden, in Berlin ist sie vom Aussterben bedroht. 2009 bis 2012 konnten im Stadtgebiet nur noch wenige Vorkommen in Köpenick, Lichterfelde und Biesdorf bestätigt werden. Da die Art von Schafen nicht gefressen wird, bietet sich zur Förderung der Bestände eine extensive Beweidung an. Als weitere Maßnahmen kommen die Entfernung von Gebüsch und Jungbäumen, eine gelegentliche Mahd sowie die kleinflächige Schaffung von offenen Bodenstellen in Frage.

Helfen Sie mit, die Golddistel in Berlin zu erhalten! Wenn Sie die Art auf einem Ihrer nächsten Spaziergänge entdecken, melden Sie den Fund – am besten mit Fotobeleg – an die Stiftung Naturschutz Berlin. Vielen Dank!

August 2013: Der Feld-Rittersporn

August 2013: Der Feld-Rittersporn

Der Feld-Rittersporn – Consolida regalis

Wer mag sie nicht – die bunt leuchtenden Felder im Hochsommer. Immer mehr dieser farbenfrohen Flecken müssen jedoch der industrialisierten  Landwirtschaft weichen. In Siedlungsgebieten trägt zusätzlich die Bebauung zum Verlust von Äckern bei. Der Feld-Rittersporn, der jetzt im August so wunderbar blau blüht, verschwindet damit ebenso wie Klatsch-Mohn, Kornblume und der Rest der schönen Vielfalt.

Der Feld-Rittersporn gehört der Familie der Hahnenfußgewächse an und ist in Europa sowie Westasien heimisch. In Deutschland ist er gefährdet – in Berlin sogar vom Aussterben bedroht. Zu finden ist er in extensiv genutzten Äckern und in Feldsäumen.
Sein botanischer Name beschreibt ihn als stärkend (vom Lateinischen consolidare) und königlich (lat. regalis), was auf seine frühere Nutzung als Heilpflanze für die Wundheilung hindeutet. Die giftige Pflanze wird heute jedoch nicht mehr im medizinischen Bereich verwendet.

Der Feld-Rittersporn ist ein charakteristischer Vertreter des bedrohten Lebensraumes „Feld“. Er ist Nahrungsquelle für verschiedene Insekten, wie Hummeln und Schmetterlinge, die einen Rüssel von mindestens 15 mm Länge besitzen müssen, um an den Nektar zu gelangen. Diese sehr spezialisierten und oft stark gefährdeten Arten sind abhängig von seinem Vorkommen – die Erhaltung des Feld-Rittersporns ist somit gleichzeitig Hummel- und Schmetterlingsschutz.
Eine extensivere Ackernutzung ohne Herbizideinsatz würde viel zur Erhaltung des Feld-Rittersporns und vieler weiterer bedrohter Ackerwildkräuter beitragen. Ein erster Schritt wäre die Einrichtung von ungespritzten Ackerrandstreifen.
Helfen Sie mit, den Feld-Rittersporn in Berlin zu erhalten! Wenn Sie die Art auf einem Ihrer nächsten Spaziergänge entdecken, melden Sie den Fund – am besten mit Fotobeleg – an die Stiftung Naturschutz Berlin. Vielen Dank!

Stiftung Naturschutz Berlin
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September 2013: Das Acker-Gipskraut

September 2013: Das Acker-Gipskraut

Das Acker-Gipskraut (Gypsophila muralis)

Das rosa blühende, einjährige Acker-Gipskraut ist eine der wenigen Wildpflanzen, die sich auch in typischen innerstädtischen Lebensräumen wohlfühlen – wenn man sie denn lässt. In Berlin ist es in den letzten Jahren extrem selten geworden.

Ursprüngliche Standorte der nur 5-20 cm hohen Pflanze sind wechselfeuchte bis nasse Äcker, Feldraine und Wegränder, wo sie von Juli bis Oktober blüht. In Berlin war sie früher aufgrund vieler unbefestigter Weg- und Straßenränder sowie Feuchtstellen in Ackerflächen weit verbreitet, wurde jedoch durch Bebauung und Versiegelung immer mehr auf Ersatzstandorte, wie z. B. Pflasterritzen, verdrängt. In den 1990er Jahren wurde das Acker-Gipskraut noch an mehreren Stellen in Pflasterritzen gesehen, seit 2000 jedoch nur noch ganz vereinzelt gefunden.

Das Acker-Gipskraut gehört der Familie der Nelkengewächse an und erreicht als wärmeliebende Art in Deutschland die Nordgrenze ihres geschlossenen Verbreitungsgebietes, welches sich über Europa und große Teile Zentralasiens erstreckt. Als „Wärmeinsel“ bietet ihm das Stadtgebiet Berlins klimatische Vorteile, die sonst in Nordostdeutschland selten sind. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts hat die Art in Deutschland großflächig Vorkommen verloren, was in vielen Gebieten zu einem Totalverlust geführt hat.

Ursachen für den deutschlandweiten Rückgang des Acker-Gipskrauts sind vor allem die intensive Landwirtschaft, die Aufgabe unrentabler sandiger bis staufeuchter Äcker, das Zuschütten von Feuchtstellen sowie das Fehlen kleinflächiger Bodenverwundungen. In Berlin ist die Art zudem durch weitere Versiegelung und eine intensive Pflasterpflege stark gefährdet.

In Berlin wurde das Acker-Gipskraut zuletzt in den Stadtteilen Zehlendorf, Steglitz, Schöneberg, Neukölln, Friedrichshain und Kreuzberg gesichtet. Da die Samen mehrere Jahre im Boden überdauern können, besteht die Chance, dass die Art an früheren Fundorten wieder auftritt.

Halten Sie die Augen offen! Vielleicht finden Sie das Acker-Gipskraut direkt bei Ihnen vor der Tür?

Helfen Sie mit, die hübsche kleine Pflanze in Berlin zu erhalten! Wenn Sie die Art bei sich entdecken, melden Sie den Fund – am besten mit Fotobeleg – an die Stiftung Naturschutz Berlin. Vielen Dank!

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Oktober 2013: Der Queckenreis

Oktober 2013: Der Queckenreis

Der Queckenreis (Leersia oryzoides)

Bereits 5000 v.Chr. begann die Kultivierung des Reises und damit seine lange Reise über verschiedene Kontinente. Früheste archäologische Funde des Anbaus von Reis wurden im Yangzi-Delta im Südosten Chinas nachgewiesen. Während die Reispflanze jedoch zum Gedeihen auf viel Wärme angewiesen ist und daher in Europa nur im Mittelmeergebiet und in Südrussland vorkommt, kann man einen nahen Verwandten auch in unseren Breiten und sogar in Berlin antreffen: den Queckenreis.

Die Pflanze gehört der Familie der Süßgräser an und weist einige Besonderheiten in der Art ihrer Vermehrung auf. Ähnlich wie die Quecke verbreitet sie sich vegetativ durch unterirdische Ausläufer, worauf ihr deutscher Name hinweist. Das bis zu 1,5 m hohe Gras blüht zudem erst sehr spät im Jahr, von August bis Oktober, wobei eine Selbstbestäubung in geschlossenen Blüten stattfinden kann (Kleistogamie). Die Blätter sind sehr rau und am Rande scharf gezähnt, was den Queckenreis davor bewahrt, zu Viehfutter zu werden.

Das Hauptverbreitungsgebiet des Queckenreises sind die warmen bis gemäßigten Zonen Europas und Nordamerikas. In Deutschland kommt er vor allem entlang großer Flüsse, wie Elbe, Rhein, Weser und Main, vor. Seine bevorzugten Standorte sind hier flache sonnige, zeitweilig überflutete und im Sommer oft trocken fallende, schlammige bis sandige Ufer, die sonst vielerorts – so auch in Berlin - durch den Ausbau von Flüssen und die Versiegelung von Gewässerufern sehr selten geworden sind. In Berlin ist die Art zudem durch das Zuwachsen der Gewässerufer mit Gehölzen und nährstoffliebenden Neophyten sowie durch häufige Ufermahd gefährdet.

Der Queckenreis ist in Berlin vom Aussterben bedroht. Es sind nur noch drei Fundorte in den Bezirken Reinickendorf, Pankow und Treptow-Köpenick bekannt. Zur Erhaltung der Art sind an geeigneten Stellen Renaturierungen von Gewässern und saisonale Überflutungen notwendig.

Helfen Sie mit, den Queckenreis in Berlin zu erhalten! Wenn Sie die Art an einem Gewässerufer entdecken, melden Sie den Fund – am besten mit Fotobeleg – an die Stiftung Naturschutz Berlin. Vielen Dank!

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November 2013: Die Rosmarinheide

November 2013: Die Rosmarinheide

Die Rosmarinheide (Andromeda polifolia L.)

Eine der seltensten Pflanzen Berlins trägt einen berühmten griechischen Namen: Andromeda, Prinzessin der griechischen Mythologie, der sogar ein Sternbild am nördlichen Sternenhimmel gewidmet ist. An einen Felsen am Meer gefesselt, um einem Ungeheuer geopfert zu werden, wurde die schöne Prinzessin Andromeda im letzten Augenblick von ihrem späteren Mann Perseus gerettet. An dieses Bild erinnert, gab Carl von Linné der auf Torfmoosbulten im Moor verankerten, von Fröschen und Eidechsen umgebenen zierlichen Pflanze den Gattungsnamen Andromeda.
Die Ähnlichkeit der Blätter zum Rosmarin verlieh der Rosmarinheide ihren nicht ganz so klangvollen deutschen Namen, doch ist die Pflanze giftig und daher nicht für die Küche geeignet.
Sie ist ein ausdauernder, bis 30 cm hoher Halbstrauch, der von Mai bis August Trauben aus kleinen, rosa kugligen Blüten trägt. Die wintergrüne Art gehört zur Familie der Heidekrautgewächse und besiedelt die borealen Nadelwald- und Birkenwaldgebiete Europas, Asiens und Nordamerikas. In Deutschland gilt die Art als Eiszeitrelikt und kommt hier im extremen Lebensraum der nährstoffarmen, sauren Hoch- und Zwischenmoore vor. Die Rosmarinheide spielt eine wichtige Rolle im Moor-Ökosystem, denn sie bietet trotz ihrer Giftigkeit Nahrung für die Raupen von elf in Berlin und Brandenburg heimischen Schmetterlingsarten, von denen allein neun auf der Roten Liste stehen.
In Berlin ist die Rosmarinheide nur noch in Köpenick und im Grunewald in drei geschützten Mooren vorhanden. Eine große Gefahr für die Art und ihren Lebensraum ist unsichtbar: Grundwasserabsenkungen, z. B. durch Trinkwasserförderung, führen zum Austrocknen der Moore, wodurch es zur Torfmineralisierung und zur Ausbreitung konkurrenzstarker Seggen, Gräser und Gehölze kommt.
Um die Rosmarinheide in ihren letzten Berliner Refugien zu erhalten, sind in den Mooren eine regelmäßige Entbuschung und eine Stabilisierung des Wasserstandes notwendig. Langfristig ist in geeigneten Gebieten zudem eine Wiederanhebung des Grundwasserstandes sinnvoll, wodurch die Moore in einen wachsenden Zustand zurückversetzt werden könnten. Dies würde den Gehölzaufwuchs eindämmen, zugleich klimaschädliches CO2 binden sowie der Rosmarinheide und anderen gefährdeten Arten die Möglichkeit zur Bildung größerer, stabiler Populationen bieten.
Die Stiftung Naturschutz Berlin hat bereits ein erstes Projekt zur Moorrenaturierung mit Mitteln der Berliner KlimaschutzabgabeOpens internal link in current window durchgeführt und plant weitere Moorrenaturierungs-Projekte. Sie können die Stiftung Naturschutz Berlin dabei mit einer Spende unterstützen (s.u.). Linnés kleine Prinzessin Andromeda und die anderen Moorbewohner werden es Ihnen danken!

Spenden bitte an:

Stiftung Naturschutz Berlin
Konto-Nr.: 77 77 000
BLZ: 430 60 967
IBAN: DE71430609670007777000
BIC: GENODEM1GLS
GLS Gemeinschaftsbank eG

Im Verwendungszweck bitte „Spende Moorschutz“ eintragen.
Wir stellen Ihnen gerne ab einer Spende in Höhe von 50 Euro eine Spendenbescheinigung aus. Dazu teilen Sie uns bitte Ihren vollständigen Namen und Ihre Anschrift im Verwendungszweck mit.

Dezember 2013: Der Zerbrechliche Blasenfarn

Dezember 2013: Der Zerbrechliche Blasenfarn

Zerbrechlicher Blasenfarn  –  Cystopteris fragilis (L.)

Wenn Sie das nächste Mal an einem alten Mauerwerk spazieren gehen, dann richten Sie doch einmal den Blick auf die Mauerritzen. Es könnte nämlich sein, dass Sie hierbei mit etwas Glück seltene Pflanzen entdecken, die an diesen ungewöhnlichen Lebensraum perfekt angepasst sind. Darunter befinden sich, für viele überraschend, auch eine ganze Reihe von Farnen.

Einer der in Berlin gefährdeten, an Mauern wachsenden Farne ist der Zerbrechliche Blasenfarn. Er ist trotz seiner filigranen Gestalt seinem Wuchsort über viele Jahrzehnte treu und besiedelte ursprünglich frische bis sickerfeuchte, schattige Felsen sowie in unseren Breiten vor allem Hohlwege und Hänge in Laubwäldern. Die kalkliebende Art ist dem Menschen jedoch schon früh in die Siedlungen gefolgt und fühlt sich in Berlin sogar in der Innenstadt wohl. Der typische Mauerspaltenbesiedler verbreitet sich durch den Wind über hauchfeine Sporen und kann daher ganz unverhofft an passenden Stellen auftreten. Im Winter zieht er sich in sein Rhizom zurück, ist aber dank der vergilbten Stengel des Vorjahres auch in dieser Jahreszeit noch zu sehen.

Wegen seiner speziellen Standortansprüche kommt dieser Farn außerhalb der Gebirgsregionen nur zerstreut vor und ist insbesondere im Norden und Osten Deutschlands inzwischen sehr selten geworden.

In Berlin schrumpft der Bestand des Zerbrechlichen Blasenfarns aufgrund umfangreicher Sanierungs- und Baumaßnahmen an alten Mauern und Bauwerken seit 1990 kontinuierlich. Zwischen 2009 und 2012 konnten nur noch sechs kleine Populationen der in Berlin vom Aussterben bedrohten Art in den Bezirken Spandau, Pankow, Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg bestätigt werden.

Um den Zerbrechlichen Blasenfarn und andere Mauerfarne vor der Ausrottung zu bewahren, sollten Vorkommen bei einer Sanierung unbedingt erhalten werden. Dem Mauerwerk schadet die Besiedelung mit Farnen im Übrigen nicht. Falls im Einzelfall eine Erhaltung nicht möglich ist, könnte eine Umsiedlung von Mauerteilen mit sehr wertvollen Farnbeständen sinnvoll sein. Wir beraten Sie in solchen Fällen gerne.

Halten Sie die Augen offen, vielleicht erblicken Sie den Zerbrechlichen Blasenfarn beim nächsten Spaziergang durch die Stadt oder sogar in Ihrem Hinterhof. Melden Sie uns bitte Ihren Fund – am besten mit Fotobeleg! Vielen Dank!

Stiftung Naturschutz Berlin
Koordinierungsstelle Florenschutz
Potsdamer Straße 68
10785 Berlin
Tel: (030) 26 39 4-188