2012: Pflanze des Monats

Dezember 2012: Das Ovalblättrige Sonnenröschen

Dezember 2012: Das Ovalblättrige Sonnenröschen

Das Ovalblättrige Sonnenröschen (Helianthemum nummularium subsp. obscurum)

Während die Natur uns noch vor wenigen Wochen mit leuchtenden Gelb-, Orange- und Rottönen erfreute,  recken Bäume und Sträucher nun ihre kahlen Äste und Zweige in den grauen Himmel. Zum Glück aber wachsen auch in Berlin nicht wenige Pflanzen, deren immergrünes Kleid uns an wärmere Tage erinnert. So zaubert neben Eibe, Efeu und Co auch das  Ovalblättrige Sonnenröschen einen Tupfen Grün in die graue Landschaft. Seinem Gattungsnamen Helianthemum (griechisch helios = Sonne und anthemos = Blume) wird der kleine Zwergstrauch allerdings erst in den Sommermonaten gerecht. So öffnen sich seine goldgelben Blüten zwischen Juni und Oktober erst ab einer Temperatur von 20 Grad und richten sich im Tagesverlauf nach der Sonne aus.

Verbreitet ist das Ovalblättrige Sonnenröschen schwerpunktmäßig in Mitteleuropa und hier auf offene, trockene, sich schnell erwärmende Standorte wie Trockenrasen und Trockenwälder beschränkt. Da es im Schatten nicht zur Blüte kommt und auch die Samen zum Keimen Licht und Offenstellen benötigen, wird es beim Brachfallen und bei der Verbuschung von Trockenrasen allmählich verdrängt. Hiervon betroffen sind wiederum verschiedene Schmetterlingsarten, denn das Ovalblättrige Sonnenröschen stellt eine wichtige Raupenfutterpflanze dar.

In Norddeutschland ist die zarte Pflanze inzwischen zur echten Rarität geworden und in Berlin sogar vom Aussterben bedroht: Nur in Spandau und Köpenick sind einzelne Vorkommen bekannt. Erfreulicherweise sind die Erfolgsaussichten zu seiner Erhaltung hier jedoch gut. Dazu müssten die Fundorte langfristig allerdings offen gehalten werden, etwa durch Auslichten von Gehölzen und Mahd. Optimal wäre eine Beweidung mit Schafen.

Helfen Sie mit! Wenn Sie zu den Glücklichen gehören, die diese seltene Pflanze in Berlin entdecken, dann melden Sie uns Ihren Fund, am besten mit einem Fotobeleg. Vielen Dank!

 

November 2012: Der Königsfarn

November 2012: Der Königsfarn

Der Königsfarn (Osmunda regalis L.)

Der Königsfarn ist eine wahrhaft urige Pflanze. Bereits aus dem Karbon und damit aus der Zeit vor rund 300 Millionen Jahren sind die Vertreter der Familie der Osmundaceae als Fossilien belegt. Als ein sehr ursprüngliches Merkmal dieses majestätischen Farns gilt der separate, goldbraune Sporenstand, der sich in den Sommermonaten entwickelt. Der Königsfarn war zur Zeit seiner Entstehung vor vielen Millionen Jahren über den gesamten Urkontinent Pangäa verbreitet und hat sich bis heute mit Ausnahme von Australien, Südostasien, Neuseeland und der Antarktis auf den auseinander gedrifteten Kontinenten in geeigneten Relikthabitaten erhalten können. Im Laufe der Evolution haben sich auf den Kontinenten unterschiedliche Varietäten der Art gebildet. In Deutschland ist der Königsfarn nur im atlantisch geprägten Nordwestdeutschland etwas häufiger, in anderen Gegenden dagegen selten. In Berlin ist er sogar vom Aussterben bedroht.

Ursache für die Gefährdung in Berlin ist die Entwässerung von Mooren und Bruchwäldern, seinen bevorzugten Lebensräumen. Zudem werden durch die Ausbreitung standortfremder Gehölze, wie Fichte, Douglasie und Späte Traubenkirsche, die Wuchsorte immer schattiger. Der Königsfarn kommt dadurch kaum mehr zur Sporenbildung. Außerdem können die Sporen an zu trockenen Standorten nicht mehr keimen. Da der Königsfarn außerordentlich langlebig ist und über 50 Jahre alt werden kann, sieht man den erwachsenen Exemplaren die Bedrohung nicht an.

Zum Schutz bestehender Vorkommen sollte in den Fundgebieten ein naturnaher, oberflächennaher Grundwasserspiegel erhalten bzw. wieder entwickelt werden. Außerdem sollte Gehölzaufwuchs aufgelichtet und so einer zu starken Beschattung entgegengewirkt werden.

In Berlin gibt es nur noch wenige Vorkommen in den Bezirken Köpenick, Spandau und Wilmersdorf. Werden die Erhaltungsmaßnahmen nicht umgesetzt, droht dieses einzigartige lebende Fossil der Erdgeschichte aus Berlin zu verschwinden.

Helfen Sie mit! Sollten Sie den majestätischen Farn in Berlin entdecken, melden Sie uns Ihren Fund. Vielen Dank!

 

 

Oktober 2012: Der Steife Augentrost

Oktober 2012: Der Steife Augentrost

Der Steife Augentrost (Euphrasia stricta D. WOLF ex J. F. LEHMANN)

Schon der Name weist auf die besondere Wertschätzung hin, die der Steife Augentrost bereits seit dem späten Mittelalter hat. In Europa gilt er als traditionelles Heilmittel – abgekocht als Kompresse vor allem bei entzündlichen Augenbeschwerden. Als Tee zubereitet ist er nützlich bei Schnupfen, Kopfschmerzen und Völlegefühl.

Bevorzugte Lebensräume des Steifen Augentrostes sind Halbtrockenrasen und Magerrasen sowie entsprechende Waldränder. Die einjährige, maximal 30 cm hohe Pflanze ist ein Wurzel-Halbparasit. Sie besitzt zwar Blattgrün und ist zur Photosynthese befähigt, entzieht aber Wirtspflanzen Wasser und Nährsalze.

Ab Mai bis in den Oktober hinein sind ihre zarten weißen Blüten mit den feinen lila Streifen und dem gelben Fleck zu entdecken.

Leider schmückt der Steife Augentrost nur noch sehr selten unsere Landschaft. In Berlin wurden vom Florenschutz-Team nur wenige Vorkommen in den Bezirken Zehlendorf, Spandau und Köpenick gesichtet. Vor allem die Verbuschung, Verbrachung und Eutrophierung von Magerrasen und Waldsäumen nehmen dem Steifen Augentrost den Lebensraum. Auch die Ausbreitung von neophytischen Pflanzenarten, wie Robinie und Spätblühende Traubenkirsche, bedrohen ihn. An seinen Fundorten sollte Gehölzaufwuchs eingedämmt werden, um eine zu starke Beschattung zu vermeiden. Außerdem sollten die Magerrasen durch Mahd oder Beweidung gepflegt werden, damit der Augentrost an lückigen Stellen jedes Jahr aufs Neue keimen kann.

Helfen Sie mit und tragen Sie so zur Pflanzenvielfalt in Berlin bei. Wenn Sie bei Ihrem nächsten Herbstspaziergang zwischen all den goldenen Brauntönen die zierliche Pflanze mit ihren weißen Blüten entdecken, dann melden Sie uns Ihren Fund. Vielen Dank!

Stiftung Naturschutz Berlin
Koordinierungsstelle Florenschutz
Potsdamer Straße 68
10785 Berlin
Tel: 030 26394 -188

September 2012: Die Pappel-Seide

September 2012: Die Pappel-Seide

Die Pappel-Seide (Cuscuta lupuliformis KROCK.)

Die Tage werden wieder kürzer, die letzten wärmenden Sonnenstrahlen zeigen sich und in den Gärten können Äpfel, Birnen und Nüsse gesammelt werden. Auch die Pappel-Seide bildet zu dieser Jahreszeit ihre beerenartigen Kapseln aus, die sich nach den weißlich-rötlichen Blüten zeigen. Doch abgesehen von ihren kleinen Blüten und Früchten hat die Art wenig Ähnlichkeit mit einer „Pflanze“, fehlen ihr doch Blätter, Blattgrün und Wurzeln. Als Vollparasit schlingt sich die Pappel-Seide um Stauden, Bäume oder Sträucher und dringt über Saugorgane, sogenannte Haustorien, in diese ein, um sich mit Wasser und Nährstoffen zu versorgen. Die Äste der Wirtspflanzen wirken dabei wie mit Paketschnur umwickelt, ohne dass dies negative Auswirkungen hat. Andere Vertreter der Gattung Cuscuta sind jedoch viel zierlicher, worauf auch der Name „Seide“ Bezug nimmt.

Mit ihrem exotischen Aussehen wirkt die Pappel-Seide wie eine Pflanze aus fernen Ländern. Was nicht unbedingt eine falsche Assoziation ist, da die Art entlang der großen Stromtäler von Elbe und Oder seit der zweiten Hälfte des 19. Jh. aus Osteuropa in unsere Breitengrade eingewandert ist.

Ihr Zuhause findet die Pappel-Seide an feuchten Ufern, in Weidengebüschen und lichten Auenwäldern. In Berlin kommt die Art an Spree- und Havelufern vor. In den 1970er und 1980er Jahren war sie zudem vereinzelt auf Friedhöfen und in Grünanlagen zu finden.

Die Pflanze ist allerdings sehr selten geworden. Derzeit ist in Berlin nur noch ein Fundort bekannt. Die Gründe für den Rückgang sind nicht völlig geklärt; eine Bedrohung stellen jedoch Baumaßnahmen oder starker Gehölzschnitt an Gewässerufern dar.

Helfen Sie beim Erhalt der Pappel-Seide in Berlin mit. Sollten Sie entlang der Havel und Spree ein Exemplar der exotischen und mittlerweile sehr seltenen Art finden, dann sagen Sie uns Bescheid. Wir freuen uns über jeden Fundhinweis.

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August 2012: Das Sumpf-Herzblatt

August 2012: Das Sumpf-Herzblatt

Das Sumpf-Herzblatt (Parnassia palustris L.)

Auch Pflanzen können tricksen und täuschen. Das Sumpf-Herzblatt zählt zu den sogenannten Fliegentäuschblumen. Ihre gelben Köpfchen auf den Nektarschuppen sehen Nektartröpfchen täuschend ähnlich.

Doch die Besucher der hübschen Pflanze suchen hier weniger Nahrung in Form von Nektar. Denn der wird nur wenige Tage am Grunde der Nektarschuppen abgesondert. Insekten fliegen die Blüten des Sumpf-Herzblatts vor allem auch deshalb an, um an kalten Tagen Wärme zu tanken. Die weißen, parabolspiegelartigen Blätter sammeln und fokussieren das Sonnenlicht auf die Blütenmitte, die hierdurch Wärme freigibt und damit zahlreiche Insekten anlockt. Diese sorgen dann während des Besuchs der Blüten gleichzeitig für ihre Bestäubung.  

Das Sumpf-Herzblatt fühlt sich, wie der  Name sagt, in sumpfigen Gebieten, wie Mooren oder Feuchtwiesen, zu Hause. Doch gerade diese Lebensräume sind in Berlin durch Entwässerung und Nährstoffeintrag aus der Luft stark gefährdet. Hinzu kommt ein weit verbreitetes Brachfallen von Feuchtwiesen. Die niedrigwüchsige, konkurrenzschwache Art hat dann oft das Nachsehen und wird schnell von Seggen, Gräsern, Hochstauden und aufkommenden Gehölzen überwuchert. Als Lichtkeimer ist das Sumpf-Herzblatt auf lückige Stellen in der Grasnarbe angewiesen, um neue Standorte besiedeln zu können.

Die geschützte Pflanze wurde in Berlin seit 1990 an wenigen Fundorten nachgewiesen, von denen in den letzten Jahren jedoch nur noch zwei im Bezirk Reinickendorf bestätigt werden konnten. Falls Sie bei einem Spaziergang in die Nähe von Moorgebieten und sumpfigen Wiesen kommen sollten, halten Sie Ausschau nach dieser Art, die auch außerhalb der Blütezeit durch ihre hübschen, herzförmigen Blätter gut zu erkennen ist. Wir freuen uns über jeden Fundhinweis. Helfen Sie mit und tragen Sie so zum Erhalt der Pflanzenvielfalt in Berlin bei.

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Juli 2012: Das Zierliche Tausendgüldenkraut

Juli 2012: Das Zierliche Tausendgüldenkraut

Das Zierliche Tausendgüldenkraut (Centaurium pulchellum (SW.) DRUCE)

Die Hummeln schwirren durch die Luft, der Wind streift durch die Gräser und eine Bachstelze wippt zwitschernd auf der Wiese in der Nähe eines Weihers umher. Am Rande eines feuchten, sandig-lehmigen Weges zeichnen sich hier und da in der lückigen Vegetation rosa Farbtupfer ab. Es sind die Blüten des zierlichen Tausendgüldenkrauts, einem geschützten Enziangewächs, welches gerade jetzt im Hochsommer üppig blüht und bis in den September flache Ufer und feuchte Sandstellen schmückt.

Die filigranen Pflänzchen keimen und fruchten innerhalb eines Jahres und sterben dann ab. Dennoch ist die Art widerstandsfähiger als gedacht, denn die Samen können mehrere Jahre im Boden überdauern. Die Samen werden durch den Wind verbreitet und dann durch Tiere, die die sonnigen Nassstellen zum Trinken oder zur Nahrungsaufnahme aufsuchen, weitergetragen. So helfen z. B. Schwalben, Schnepfen und Bachstelzen tatkräftig bei der Verbreitung der Art mit.

Nach 1990 wurden in Berlin nur noch wenige Fundorte des Zierlichen Tausendgüldenkrauts verzeichnet. Der starke Rückgang der Art ist vor allem auf den Verlust von konkurrenzarmen, wechselfeuchten Standorten zurückzuführen. Häufig erobern sich beispielsweise Großseggen, Schilf, aber auch Bäume und Sträucher den Lebensraum des Zierlichen Tausendgüldenkrauts zurück. In diesen dicht geschlossenen Vegetationsbeständen ist dann kein Platz mehr für eine Art, die alljährlich offene und lichte Bodenstellen zu ihrer Keimung benötigt. Zum Schutz der Art reichen relativ einfache Maßnahmen aus: eine gelegentliche Beweidung (z.B. durch Pferde), keine Versiegelung von Uferwegen oder die Auflichtung zu dichter Ufergehölze.

Gezielte Maßnahmen zum Erhalt der Art können allerdings nur ergriffen werden, wenn möglichst viele Fundgebiete bekannt sind. Daher freuen wir uns über jeden Fundhinweis. Helfen Sie mit und tragen Sie so zur Erhaltung der Pflanzenvielfalt in Berlin bei.

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Juni 2012: Der Färber-Ginster

Juni 2012: Der Färber-Ginster

Der Färber-Ginster (Genista tinctoria L.)

Gibt es etwas Schöneres als Sommer in der Stadt? In den Straßen pulsiert das Leben, das Gute-Laune-Barometer steigt bis zum Anschlag, und auch die Natur weiß gar nicht wohin mit ihrer Energie. Überall grünt und blüht es, locken Düfte wie in einem Garten Eden die Städter ins Freie. Auch unsere Pflanze des Monats ist ein echter Sommerfreund. Der Färber-Ginster strahlt ab Mai bis September mit der Sonne um die Wette.

Das intensive Gelb der in Trauben stehenden Blüten hat schon die Römer begeistert und wurde als Farbstoff zum Färben von Leinen und Wolle verwendet. Bis eine Jungpflanze uns mit ihrer Blütenpracht verzaubern kann, müssen etwa 2 Jahre vergehen, dann aber bildet der Färber-Ginster über viele Jahre alljährlich Blüten aus. Einige seltene Schmetterlingsarten haben an ganz anderen Teilen der Pflanze Interesse. Ihre Raupen bevorzugen die kleinen lanzettlichen Blätter als Futter. Allein in Brandenburg finden sich 28 Arten, die sich vom Färberginster ernähren, 11 davon stehen auf der Roten Liste. Für den Menschen wäre der Genuss von Genista tinctoria hingegen nicht ganz ungefährlich. Die Pflanzenteile enthalten ein giftiges Alkaloid, was in geringen Mengen in der Volksmedizin für harn- und verdauungsfördernde Präparate verwendet wird.

Für die Bestäubung der Pflanze sorgen Insekten. Sind die Samen ausgebildet, springen die kleinen Kapseln auf und verstreuen die Samen rund um die Mutterpflanze. Was so selbstverständlich klingt, sieht leider in der Realität ganz anders aus. Besonders im Berliner Raum ist ein starker Rückgang des Färberginsters zu verzeichnen, so dass er hier vom Aussterben bedroht ist. Grund hierfür sind die ungünstigen Standortbedingungen. So bildet ein Teil der Pflanzen keine Blüten aus, da sie durch Gehölzaufwuchs und konkurrenzstarke Gräser zu stark beschattet werden. Eine dichte Kraut- und Moosschicht verhindert zudem vielerorts die Etablierung von Keimlingen. Eine wichtige Schutzmaßnahme stellt z. B. die Auflichtung der Wuchsorte vom Besenginster dar. Durch eine Beweidung kann die Art auch gefördert werden, da sie nicht von den Weidetieren gefressen wird. Werden entsprechende Schutzmaßnahmen konsequent umgesetzt, bestehen gute Chancen für die Erhaltung von Genista tinctoria in Berlin.

Sollten Sie auf einem Ihrer nächsten Sommerspaziergänge auf die leuchtgelben Blüten des Färber-Ginsters stoßen, freuen wir uns über Ihren Fundhinweis. 

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Mai 2012: Die Sibirische Schwertlilie

Mai 2012: Die Sibirische Schwertlilie

Die Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica)

Die alten Griechen wussten schon, warum sie die Blumen der Schwertlilien nach der Regenbogengöttin „Iris“ benannten. Die filigranen, von blauvioletten Äderchen durchzogenen Blüten der Sibirischen Schwertlilie sind eine wahre Augenweide. Von Mai bis Juni dauert ihr Farbenschauspiel. Auf einem bis zu 90 cm hohen Pflanzenstängel thronen zwei bis vier Blüten, wobei die drei inneren Blütenblätter etwas dunkler gefärbt sind als die äußeren. Die Blüten selbst duften nicht, nur die Wurzeln enthalten ätherische Öle, die einen veilchenartigen Geruch verbreiten. Weil so viel Grazie begeisterte, wurde unsere Pflanze des Monats über die Jahrhunderte kultiviert. Karl der Große, ein echter Freund der Gartenbaukunst, war so begeistert von dem zarten Frühsommerblüher, dass er sich für seine weite Verbreitung in Schloss- und Klostergärten einsetzte. Diese Begeisterung hält bis heute an. Als beliebte Zierpflanze zaubert die Sibirische Schwertlilie einen Hauch von Glamour in die Blumenbeete vieler Gärten.

Um ihr Wildvorkommen ist es leider nicht so gut bestellt. Im 20. Jahrhundert sind bundesweit zahlreiche Fundorte von Iris sibirica verloren gegangen. In Berlin ist die Art vom Aussterben bedroht. Grund für den dramatischen Rückgang ist der Verlust ihres Lebensraums, u. a. durch die Trockenlegung von Feuchtwiesen, aber auch durch das Brachfallen extensiv genutzter Wiesen. Damit unsere Pflanze des Monats auskeimen kann, braucht sie wechselfeuchte bis nasse Standorte, z. B. in Auenwiesen oder moorigen Wiesen. In Berlin ist es vor allem die Grundwasserabsenkung, die eine Verjüngung der Bestände erschwert. Hier kommt die Sibirische Schwertlilie auch in lichten, nährstoffarmen, ehemals grundwassernahen Eichenwäldern vor. Auch durch die zunehmende Konkurrenz von Hochstauden und Gehölzen sind ihre Bestände bedroht.
Eine erste Maßnahme, um diese schöne Wildpflanze Berlins zu sichern, ist die Auflichtung der Strauch- und Baumschicht sowie die Entfernung standortfremder Gehölzarten und dominanter Stauden.

Halten Sie bei Ihrem nächsten Spaziergang die Augen offen. Wir freuen uns über Ihren Fundhinweis.

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April 2012: Die Wilde Tulpe

April 2012: Die Wilde Tulpe

Die Wilde Tulpe (Tulipa sylvestris)

Es ist geschafft! Die Tage werden wieder länger, die Temperaturen steigen und die gute Laune gleich mit. Längst haben bunte Frühlingsboten die Wiesen, grünen Mittelstreifen und Parkanlagen erobert. Eine Blume unter Ihnen strahlt ganz besonders hell. Die wilde Tulpe mit dem fulminanten lateinischen Namen Tulipa sylvestris trägt ab April bis Mai stolz ihre sonnengelben Blüten zur Schau und lockt in dieser Zeit Bienen und andere Insektenarten an. Auf der Suche nach dem heißgeliebten Nektar bestäuben sie so die einzelnen Pflanzen. Den Winter überdauert die wilde Tulpe als Zwiebel im Erdboden.
Einst der Liebling Barocker Gartenkunst, ist die kleine Schönheit aus der Familie der Liliengewächse heute immer noch ein echter Hingucker in einigen wenigen Berliner Parkanlagen. Ursprünglich in Südeuropa beheimatet, fand Sie im 16. Jahrhundert ihren Weg nach Mitteleuropa und ist heute die einzige in Deutschland wild vorkommende Tulpenart mit hohem Seltenheitswert. Die Blume des Jahres 1983 ist global bedroht und steht in Deutschland auf der Roten Liste. Grund hierfür sind Standortzerstörungen durch die Bebauung und Neugestaltung von Grünflächen. Aber auch die Anwendung von Herbiziden und die Neueinsaat von Rasenflächen gefährden den Bestand von Tulipa sylvestris. Schutzmaßnahmen können hier vor allem vom Pflegepersonal von Park- und Grünanlagen umgesetzt werden.
Die wilde Tulpe ist ein echter Sonnenanbeter. Abends und bei mangelndem Licht, schließen sich ihre Blüten. Erst wenn die Sonne scheint, breitet sie ihre Blütenblätter sternenartig aus. Wenn Sie den kleinen Frühlingsboten in seiner ganzen Pracht genießen wollen, sollten Sie einen Spaziergang in den Schlosspark Buch in Pankow unternehmen. Mit ein bisschen Glück können Sie hier auf der Wiese der Parkanlage die kleinen strahlend gelben Köpfchen entdecken.
Wenn Sie die wilde Tulpe an anderen Orten der Stadt entdecken, freuen wir uns über Ihren Fundhinweis.

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März 2012: Der Frühe Ehrenpreis

März 2012: Der Frühe Ehrenpreis

Der Frühe Ehrenpreis – Veronica praecox ALL.

Sonne satt, ein Himmel mit Blau bis zum Horizont und ganz viel gute Laune. Der Frühling steht in den Startlöchern. Bräuchte die Stadt in diesen Tagen einen Soundtrack – „Veronika, der Lenz ist da!“ würde durch alle Straßen dudeln. Den Namen „Veronika“ teilt sich der Hit der Comedian Harmonists mit unserer Pflanze des Monats, und nicht nur das. Veronica praecox, auch bezeichnet als Früher Ehrenpreis, kündigt wahrhaftig den Frühling an. Ab März zaubert das kurzlebige Pflänzchen mit seinen azurblauen Blüten erste kleine Farbtupfer in die Landschaft. Nachdem ihre Blüten bestäubt wurden, werden von April bis Mai Samenkapseln ausgebildet und die Samen durch Wind, Wasser und Ameisen verteilt. Bis zum Frühsommer vergeht die Pflanze, den trockenen Sommer überdauern nur die Samen im Boden, bis dann im Herbst bei günstiger Witterung eine neue Generation keimt.

Der kleine Frühlingsbote ist leider nur noch an wenigen Stellen zu bestaunen, denn sein Bestand ist deutschlandweit bedroht. In Berlin ist nur noch eine einzige Population am Teltowkanal in Neukölln bekannt. Hier entdeckte Anfang der 1970er Jahre der Botaniker Walter Stricker das seltene Frühlingsgewächs an einer Uferböschung. Bis zu seinem Tode 1992 beobachtete er das Vorkommen und schnitt dort als Schutzmaßnahme regelmäßig Gehölzaufwuchs zurück. Denn der Frühe Ehrenpreis ist sonnenverwöhnt. Überwuchern andere Gewächse seinen Standort, fehlt ihm das Licht zum Wachsen. Seit den 1990er Jahren werden Teile der Böschung nur noch gelegentlich im Rahmen der Gewässerunterhaltung von Gehölzen befreit. Der Bestand des Frühen Ehrenpreises ist seitdem stark zurückgegangen.
Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig das Aus von Veronica praecox, denn selbst wenn die Art mehrere Jahre nicht auftritt, können die im Boden überdauernden Samen nach mehr als 10 Jahren wieder keimen. Durch gezielte Pflegemaßnahmen am Teltowkanal können die Samen wieder aktiviert werden. Die Stiftung Naturschutz Berlin wird noch in diesem Jahr die erforderlichen Abstimmungen durchführen, damit entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden können.

Halten Sie bei Ihren nächsten Spaziergängen die Augen offen, vielleicht finden Sie ja den Frühen Ehrenpreis oder einen seiner Verwandten. Wir freuen uns über jeden Fundhinweis.
 
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Februar 2012: Das Kleine Nixenkraut

Februar 2012: Das Kleine Nixenkraut

Das Kleine Nixenkraut (Najas minor)

Die Geschichte vom Kleinen Nixenkraut ist eine echte Erfolgsstory. Noch im 19. Jahrhundert in mehreren Berliner Gewässern registriert, galt die Wasserpflanze seit 1900 in der Hauptstadt als ausgestorben. 2007 wurde sie dann überraschend wiederentdeckt. Aktuelle Tauchuntersuchungen zeigen, dass sich die Art zerstreut am Nord- und Nordwestrand des Tegeler Sees angesiedelt hat. Dieser Fund gibt Anlass zur Hoffnung, dass das Kleine Nixenkraut auch an anderen Stellen in die Berliner Gewässer zurückkehrt. 
 
Der Tegeler See ist eines der saubersten Berliner Oberflächengewässer und bietet der Unterwasserflora optimale Wachstumsbedingungen. Denn bei der Wasserqualität ist unsere Pflanze des Monats anspruchsvoll. Wird ihr Standort verschmutzt, stirbt sie ab. Ihr biologischer Gattungsname „Najas“ leitet sich von dem griechischen Wort Najaden ab und bezeichnet Nymphen, die über Seen, Flüsse und Quellen wachen. Trocknet ein Gewässer aus, so die Mythologie, stirbt die Nymphe. Das Vorkommen von Najas minor ist so gesehen ein Indikator für die Qualität unserer Berliner Gewässer. 
 
Das Kleine Nixenkraut gehört zu den wenigen Arten, bei denen die Bestäubung unterhalb der Wasseroberfläche stattfindet. Selbst bei Wasserpflanzen ist das etwas Besonderes, denn in den meisten Fällen treiben die Blüten über der Oberfläche und werden dort von Insekten bestäubt. Die Samen des Nixenkrauts werden gern von Wasservögeln gefressen und so über große Strecken verbreitet. Zusätzlich reißen Teile der Pflanze ab, werden durch die Strömung verdriftet und wachsen an anderer Stelle wieder an. 

Sollten Sie Pflanzenteile des Kleinen Nixenkrautes auf einem Ihrer Spaziergänge am Tegeler See und den umliegenden Gewässern entdecken, würden wir uns freuen, wenn Sie uns den Fund zur Bestimmung zusenden. 

Kontakt: 
Stiftung Naturschutz Berlin
Florenschutz 
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Januar 2012: Der Sumpfporst

Januar 2012: Der Sumpfporst

Der Sumpfporst (Rhododendron tomentosum)

Während der trüben Wintermonate scheint das Moor ein unwirtlicher Ort zu sein. Nebel kriecht über den Boden. Der schwache Schein der Januarsonne taucht alles in ein aschfahles Licht. Bei jedem Schritt gluckst und schmatzt es unter den Füßen. Auch in so manchem Krimi sorgt die Sumpflandschaft als Kulisse für den Extra-Grusel. Moore sind jedoch keineswegs so lebensfeindlich, wie unsere Fantasie es uns ausmalt. Ganz im Gegenteil. Dieser besondere Lebensraum weist eine sehr spezielle Artenvielfalt auf. Pflanzen, die hier wachsen wollen, müssen echte Spezialisten sein. Im sauren Torfmoosmoor etwa stellen die ganzjährig hohen Wasserstände und die Nährstoffarmut extreme Bedingungen dar. 

Der Sumpfporst, ein immergrüner Strauch, der dem Rhododendron sehr ähnlich sieht, hat sich in dieses Ökosystem perfekt eingepasst. Er liebt nasse, kalkfreie Torfböden, wie sie in Torfmoosmooren vorkommen. Seine ledernen, lanzettartigen Blätter sind wohl die Folge dauerhafter Nährstoffarmut. Sie schützen in baumfreien Mooren bei ungehinderter Sonneneinstrahlung oder beim Wuchs auf im Sommer abtrocknenden Bulten aber auch gut vor zu starker Verdunstung. 

Nicht nur der Sumpfporst ist hier beheimatet. Hochspezialisierte Tierarten können sich nur von den hier wachsenden Pflanzen ernähren. Der Sumpfporst-Blütenspanner z.B., eine seltene Schmetterlingsart, frisst im Raupenstadium die lederartigen Laubblätter, die der Strauch das ganze Jahr über behält. Von Mai bis Juni trägt der Sumpfporst weiße Blüten, die einen betörenden Duft ausströmen. Schon die Wikinger wussten um die speziellen Eigenschaften dieser Pflanze. Ihr Sumpfporstbier hatte eine berauschende Wirkung und ist sprichwörtlich verantwortlich für die „Berserkerwut“ der Wikinger. Die Blätter enthalten zudem ätherische Öle und wurden als Mittel gegen Motten und Wanzen sowie im medizinischen Bereich verwendet.  

Mit dem Rückgang der Moore durch künstliche Grundwasserabsenkung und Nährstoffanreicherung ist unsere Pflanze des Monats leider sehr selten geworden. Geringe Bestände gibt es nur noch in Nord- und Ostdeutschland. Hier steht der Sumpfporst auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten. In Berlin ist er sogar vom Aussterben bedroht.