2011: Pflanze des Monats

Dezember 2011: Das Kleine Wintergrün

Dezember 2011: Das Kleine Wintergrün

Das kleine Wintergrün (Pyrola minor L.) 


Wer in diesen Tagen in den Berliner Waldgebieten unterwegs ist, kann mit viel Glück und gutem Auge vielleicht unsere Pflanze des Monats , das Kleine Wintergrün, entdecken. Wie schon ihr Name verrät, ist die zur Familie der Heidekrautgewächse zählende Pflanze mit ihren ledrigen, rosettig angeordneten Blättern gerade zu dieser Jahreszeit als grüner Tupfer vor allem in nährstoff- und kalkarmen Kiefernwäldern anzutreffen. 

Ihre weißen bis ins Rötliche gehenden filigranen Glockenblüten, die an einem bis zu 25 cm hohen Stängel aufgereiht sind, besitzt das Kleine Wintergrün nur in der Blütezeit von Juni bis Juli. Die Blüten werden von Käfern und Fliegen bestäubt und bilden dann eine Vielzahl winziger Samen aus, die als sogenannte „Ballonflieger“ vom Wind verweht werden. Daneben kann sich das Kleine Wintergrün aber auch durch Ausläufer weiterverbreiten. Unsere Pflanze des Monats ist aber nicht nur eine Zierde der vielfach monoton wirkenden Kiefernwälder, sondern kommt mit ihren Inhaltsstoffen auch in der Naturheilkunde bei der Behandlung von Blasenleiden zum Einsatz.

Das Kleine Wintergrün ist in den Nadelwäldern der Nordhalbkugel weltweit verbreitet, geht in seinem europäischen Areal jedoch zunehmend zurück. In Deutschland gilt die Art in den meisten Bundesländern inzwischen als gefährdet, in Berlin ist sie sogar vom Aussterben bedroht. Hauptgrund für den dramatischen Bestandsrückgang ist vor allem die zunehmende Nährstoffanreicherung in den Wäldern, durch die konkurrenzstärkere Pflanzenarten gefördert werden. Darüber hinaus wirken sich die Versauerung der Böden und eine Verschattung der Standorte durch Busch- und Baumaufwuchs negativ auf den Bestand aus. Eine wichtige Rolle spielt auch, dass das Kleine Wintergrün in Symbiose mit speziellen Wurzelpilzen lebt, die sehr sensibel auf Veränderungen im Boden reagieren. Verschwinden diese Pilze, ist auch das Schicksal des Kleinen Wintergrüns besiegelt, da dessen Samen dann nicht mehr keimen können.

Seit 1990 sind in Berlin nur noch vier Fundorte vom Kleinen Wintergrün in den Bezirken Reinickendorf und Köpenick bekannt. Zu seinem Schutz und zum Schutz vieler weiterer bedrohter Arten sollten in den Berliner Wäldern einheimische Baumarten gefördert und lichte Bestandsstrukturen erhalten werden.

Sollten Sie das Kleine Wintergrün auf einem Ihrer Spaziergänge entdecken, würden wir uns freuen, wenn Sie uns den Fund mit einem Fotobeleg mitteilen, damit wir weitere Maßnahmen zum Schutz dieser Art ergreifen können.

November 2011: Die Sand-Grasnelke

November 2011: Die Sand-Grasnelke

Die Sand-Grasnelke (Armeria maritima subsp. elongata (HOFFM.) BONNIER)

Bienen, Hummeln und Schmetterlingen mögen sie gerne, weil sie ihnen bis in den November hinein Nektar liefert. Vielen Menschen ist die Sand-Grasnelke, wenn überhaupt, aus der Naturheilkunde bekannt. Das getrocknete Kraut der Pflanze, diente früher als Heilmittel gegen Epilepsie und wird heute zur Entwässerung des Körpers eingesetzt. 
Doch sie hätte durchaus mehr Beachtung verdient, denn ihre rosafarbenen, kugeligen Blütenköpfchen, die einzeln auf kahlen, blattlosen Stängeln stehen, wirken sehr anziehend. 

Die Sand-Grasnelke gehört zur Familie der Bleiwurzgewächse, die in Deutschland mit nur wenigen Arten vertreten ist. Wir ihr Name andeutet, bevorzugt die Sand-Grasnelke trockene nährstoffarme und sandige Böden. In Berlin kommt die Art vorwiegend auf Sandtrockenrasen, trockenen Wiesen und extensiv gepflegten Rasen vor. Aber auch an offenen Waldwegen und -säumen, an Bahndämmen, an Straßenrändern sowie in Grünanlagen ist sie zu finden. 
In den letzten Jahren allerdings immer weniger. Schuld daran sind die intensivere Nutzung und Pflege von Wiesen und Rasen und Baumaßnahmen sowie Strukturveränderungen in den Wäldern. In der Roten Liste der gefährdeten Arten in Berlin wird die Sand-Grasnelke bisher zwar noch nicht geführt, doch aufgrund des Lebensraumverlustes und der damit einhergehenden Isolierung der Vorkommen ist sie zunehmend bedroht. Aus diesen Gründen würde sie auch von den Berliner Naturschützern als Zielart des Biotopverbunds und Florenschutzes ausgewählt. 

Helfen Sie mit, unsere Pflanze des Monats zu schützen. Sollten Sie ein Exemplar der Art entdecken, lassen Sie es bitte stehen und melden Sie den Fund – am besten mit Fotobeleg – an die Stiftung Naturschutz Berlin. Vielen Dank!

Oktober 2011: Das Echte Federgras

Oktober 2011: Das Echte Federgras

Das Echte Federgras (Stipa pennata)

Wie vom Winde verweht – so wirkt das Echte Federgras auf den Betrachter. Der Grund sind die vielen, bis zu 50 cm langen, federig behaarten Grannen der Deckspelzen. Die langen „Federn“ dienen der Ausbreitung der Samen durch den Wind, bleiben aber auch im Fell von Tieren hängen und sorgen so für einen Transport über weite Strecken. Die Samen zeigen noch eine weitere interessante Ausbreitungsstrategie: Bei ihnen handelt es sich nämlich um sogenannte Bohrfrüchte, die sich bei Benetzung mit Wasser durch eine Drehbewegung der Granne in den Boden drehen. 

Das Echte Federgras ist in den Steppen Osteuropas und Asiens heimisch. In Mitteleuropa hat es sich während der nacheiszeitlichen Vorwärmzeit verbreitet. Hier ist es vorzugsweise auf Steppen- und Trockenrasen bzw. an sonnigen Felshängen anzutreffen. Zumeist ist es ein Relikt historischer Nutzungsformen, wie z. B. der Schafweide, die seine Ausbreitung begünstigte und eine Bewaldung verhinderte. 

In Berlin kommt das Echte Federgras auch in lichten Kieferwäldern vor. Durch die Aufforstung von Trockenrasen und die Ausbreitung der Robinie, durch Nährstoffeintrag und zunehmende Ausdunkelung der Wälder ist die Art allerdings stark gefährdet. Derzeit gibt es nur noch einen Nachweis im Bezirk Treptow-Köpenick. Sollten Sie ein Exemplar des Echten Federgrases entdecken, lassen Sie es bitte stehen und melden Sie den Fund – am besten mit Fotobeleg – an die Stiftung Naturschutz Berlin. Vielen Dank!

September 2011: Das Echte Eisenkraut

September 2011: Das Echte Eisenkraut

Das Echte Eisenkraut (Verbena officinalis L.)

Das Echte Eisenkraut ist eine seit dem Altertum bekannte, äußerst vielseitig eingesetzte Heilpflanze. Sie galt als bestes Heilmittel gegen Verletzungen durch eiserne Waffen. Zudem wird ihr nachgesagt, dass demjenigen, der sich mit der Pflanze salbe, alle Wünsche in Erfüllung gingen, dass sie Fieber vertreibe, verschiedene Krankheiten heile und Freundschaft erwecke. Heute wissen wir, dass sie natürlich keine Wunder vollbringen kann, aber die enthaltenen Bitter- und Gerbstoffe helfen auch heute noch. Beispielsweise bei leichten Magenbeschwerden, Durchfall und Appetitlosigkeit. 

Das Echte Eisenkraut wächst als sommergrüne krautige Pflanze. Es kann eine Wuchshöhe von 20 bis 75 cm erreichen. Von Juli bis September bildet es lang ausgezogene, markante Blütenstände aus, deren Spitzen in mehreren blasslilafarbenen Blüten enden. 

Bei uns ist das Echte Eisenkraut der einzige wildwachsende Vertreter der Gattung der Eisenkrautgewächse und eine typische Pflanze dörflicher „Unkraut- und Ruderalfluren“, welche sich in Europa als Kulturfolger verbreitet hat. Die Art kann man vereinzelt an Wegen, Mauern, Zäunen und auf Schuttplätzen finden. Diese Lebensräume werden allerdings immer weiter zurückgedrängt und daher sind die Vorkommen dieser Art in den letzten Jahrzehnten in Berlin stark zurückgegangen. Seit 1990 gab es gerade mal zehn Nachweise im gesamten Berliner Stadtgebiet. Falls Sie ein Exemplar der Art entdecken sollten, lassen Sie es bitte stehen und melden Sie den Fund – am besten mit Fotobeleg – an die Stiftung Naturschutz Berlin. Vielen Dank!

August 2011: Das Echte Springkraut

August 2011: Das Echte Springkraut

Das Echte Springkraut (Impatiens noli-tangere L.)

Das als „Rühr-mich-nicht-an“ bekannte Echte Springkraut zeichnet sich durch einen besonderen Schleudermechanismus zur Verbreitung seiner Samen aus. Bei Berührung der keulenförmigen Kapseln werden die Samen explosionsartig bis zu 7 Meter weit katapultiert. Zum Vergleich: Der Weltrekord der Damen im Weitsprung liegt nur einen halben Meter darüber – eine erstaunliche Leistung wenn man bedenkt, dass das „Rühr-mich-nicht-an“ keinen monatelangen Muskelaufbau betreiben kann. Als einzige Art aus der Gattung der Springkräuter, die weltweit 500-600 Arten umfasst, ist das Echte Springkraut ursprünglich in Mitteleuropa zu Hause. Neben dieser heimischen Art haben sich in Berlin seit Mitte des 19. Jahrhunderts weitere Springkräuter angesiedelt, die als Zierpflanzen eingeführt wurden und verwilderten, wie beispielsweise das Kleine Springkraut aus Mittelasien und das Drüsige Springkraut aus Ostasien.

Das einjährige Echte Springkraut erreicht eine Wuchshöhe von bis zu einem Meter, entfaltet seine ganze Größe und Pracht allerdings erst im Juli. Von Juli bis August sind die auffallenden, kräftig gelben Blüten zu beobachten. Das untere Kronenblatt stellt einen idealen Insektenlandeplatz dar, auf dem die für die Bestäubung wichtigen Hummeln gut landen können.

Bis in das 19. Jahrhundert hinein wurde das Kraut zur Auswaschung von Wunden verwendet, was aufgrund eines antimikrobiellen Inhaltsstoffs möglicherweise sogar Wirkung zeigte. Auch heute finden Extrakte der Pflanze in Kosmetikartikeln Verwendung. Kraut und Blüten dienten zudem zum Färben von Wolle, und Jäger sollen mithilfe des Krauts Haselhühner angelockt und gefangen haben.

Feuchte bis nasse Laubwälder, Waldränder und Waldbäche stellen den Lebensraum des Echten Springkrauts dar. In Berlin kommt das Echte Springkraut im Bereich von Bruch- und Sumpfwäldern vor. Aktuell sind beständige Vorkommen der Art nur noch im Norden von Berlin im Bezirk Pankow bekannt. Vereinzelt wurde sie früher auch in anderen Teilen Berlins als unbeständige Vorkommen nachgewiesen. Falls Sie ein Exemplar in Berlin finden sollten, bitten wir Sie herzlich, dem Namen der Pflanze entsprechend zu handeln. Rühren Sie das Echte Springkraut bitte nicht an und melden Sie uns den Fund. Vielen Dank!

Juli 2011: Das Moor-Greiskraut

Juli 2011: Das Moor-Greiskraut

Das Moor-Greiskraut (Tephroseris palustris (L.) FOURR.)

Das auf der Nordhalbkugel verbreitete Moor-Greiskraut hält einige interessante Entdeckungen bereit. Ein besonderes haptisches Erlebnis bieten die Blätter dieses Kornblütengewächs, die oberseitig eine kahle und glatte Struktur aufweisen, an der Unterseite aber wollig filzig sind. Zudem hat die Art einen dicken, klebrig-drüsigen, zottigen sowie dicht beblätterten Stängel, der die gesamte Erscheinung der Pflanze dominiert. Die Größe dieser Art kann – je nach Nährstoffaufkommen –  sehr stark variieren, von nur 15 cm bis zu  stattlichen 1,5 m. Ein echter Blickfang des Moor-Greiskrauts sind seine leuchtend gelben Blüten. Oftmals hat diese Art über 15 Blütenköpfe. Damit ist das Moor-Greiskraut an seinen bevorzugen Standorten – an Ufern von Seen, Teichen, Altwässern und Gräben  – oftmals kaum zu übersehen. 

Das Moor-Greiskraut ist eine zweijährige Art. Sie bildet im ersten Jahr eine Blattrosette aus und blüht im zweiten Jahr von Juni bis Juli. Danach werden – ähnlich wie beim bekannten Löwenzahn – viele hundert gefiederte Samen gebildet. Verbreitet werden diese durch den Wind sowie durch Ameisen und andere Tiere, an deren Fell die Samen festhaften.

Das Vorkommen des Moor-Greiskrauts ist allerdings durch dauerhafte Melioration und die künstliche Befestigung von Ufern sehr stark gefährdet und in den letzten Jahrzehnten in Ostdeutschland selten geworden. In Berlin sind von einstmals über 20 Fundorten nach 1990 nur noch vier Vorkommen in den Bezirken Reinickendorf, Spandau, Mahrzahn-Hellersdorf und Pankow bekannt. Falls Sie ein Exemplar des Moor-Greiskrauts entdecken sollten, lassen Sie es bitte stehen und melden Sie den Fund – am besten mit Fotobeleg – an die Stiftung Naturschutz Berlin. Vielen Dank!

Juni 2011: Das Rote Waldvögelein

Juni 2011: Das Rote Waldvögelein

Rotes Waldvögelein (Cephalanthera rubra (L.) RICH.)


Auch wenn man das Rote Waldvögelein zuerst in den Baumkronen vermuten könnte – es ist ein am Boden lichter Laub- und Mischwälder beheimatetes Orchideengewächs. Ihre rotvioletten Blüten machen die Pflanze zu einer auffälligen Schönheit. Doch das Rote Waldvögelein ist ebenso wie fast alle einheimischen wild wachsenden Orchideenarten in Nordostdeutschland stark gefährdet.

Der reizvolle Name der Orchideenart leitet sich von den beiden weit abspreizenden äußeren Blütenhüllblättern ab, die eine gewisse Ähnlichkeit mit einem roten Vogel assoziieren. Am Stängel der maximal 60 cm hohen Pflanze können bis zu 15 dieser schönen Einzelblüten verteilt sein. Die Reifezeit der Früchte beginnt ab Oktober, dann springen die Fruchtkapseln auf und die Samen werden durch den Wind verteilt.

Das Verbreitungsgebiet des Roten Waldvögeleins erstreckt sich vom nördlichen Afrika über Mitteleuropa bis Vorderasien. In Deutschland ist sie vorzugsweise im Mittelgebirge und Alpenvorland anzutreffen.

Das letzte bekannte Vorkommen in Berlin lag in einem Waldsaum entlang einer Bahnstrecke im Bezirk Treptow-Köpenick. Dieses konnte allerdings bei einer Überprüfung im Jahr 2010 nicht mehr nachgewiesen werden, seitdem gilt die Art im Stadtgebiet als verschollen. Sollten Sie dennoch ein Exemplar entdecken, lassen Sie es bitte stehen und melden Sie den Fund – am besten mit Fotobeleg – an die Stiftung Naturschutz Berlin. Vielen Dank!

Mai 2011: Der Zweigrifflige Weißdorn

Mai 2011: Der Zweigrifflige Weißdorn

Zweigriffliger Weißdorn (Crataegus laevigata (POIR.) DC. s.str.)


Schon zu Urväterzeiten wurde dem Weißdorn, auch als Hagedorn bekannt, vielerlei mythische und rituelle Bedeutung zugesprochen. Zum Beispiel die Kraft, böse Geister abzuwehren oder vor Verhexungen zu schützen. Der dornenbewehrte Strauch oder kleine Baum wurde gerne zur Abgrenzung von Grundstücken, Feldern und Wiesen verwandt. Noch heute wird der Weißdorn als Heilpflanze zur Herzstärkung eingesetzt.

Weniger bekannt ist, dass sich hinter dem deutschen Namen Weißdorn mehrere Arten verbergen, die sich zudem untereinander kreuzen (Hybridbildung). Am bekanntesten sind der Eingrifflige Weißdorn und die angepflanzte Kultursorte Rotdorn, die aus einer Kreuzung zwischen Eingriffligem und Zweigriffligem Weißdorn hervorgegangen ist. Der Zweigrifflige Weißdorn ist eine seltene einheimische Art, die in jeder Blüte zwei Griffel aufweist. Die Bestimmung dieses Merkmals wird am besten zur Blütezeit im Mai vorgenommen. Daneben bilden auch die Blätter einen Anhaltspunkt für die Artbestimmung: sie sind beim Zweigriffligen Weißdorn fast ungeteilt bis schwach gelappt und an den Rändern fein gesägt. 

Der Zweigrifflige Weißdorn ist in Europa heimisch und in Mitteleuropa in frischen Laubwäldern, an Waldrändern, in Gebüschen und Hecken anzutreffen. In Brandenburg kommt die Art jedoch nur zerstreut vor, in Berlin ist sogar nur ein einziges gesichertes Vorkommen im Bezirk Reinickendorf bekannt.

Helfen Sie dabei, die Pflanze im Berliner Raum zu schützen. Halten Sie Ausschau nach ihr. Sollten Sie einen Zweigriffligen Weißdorn entdecken, melden Sie den Fund mit genauer Ortsangabe – und am besten mit Fotobeleg – der Stiftung Naturschutz Berlin. Vielen Dank!

April 2011: Der Schöne Blaustern

April 2011: Der Schöne Blaustern

Schöner Blaustern (Scilla amoena) 


Einst Ende des 16. Jahrhunderts aus der Türkei in Europa eingeführt, um das Auge von Schloss- und Burgherren zu erfreuen, ist der Schöne Blaustern heute an seinen wenigen Fundorten ein Zeugnis alter Gartenkultur. Damit gehört er zu den sogenannten Stinzenpflanzen - früher beliebten, heute etwas aus der Mode gekommenen Zierpflanzen, die an ihren Standorten (z. B. Schlossparks, Burgwälle, Friedhöfe) auch ohne intensive gärtnerische Pflege überlebten, sich vermehrten und dauerhaft einbürgerten.

Das Besondere dabei: Der Schöne Blaustern war in seiner Heimat Vorderasien bereits verschollen, bevor seine genaue Herkunft geklärt werden konnte. Er gehört somit zu den wenigen Pflanzen, die ausschließlich in menschlicher Obhut – in diesem Fall in Parkanlagen und Gärten Europas – überdauert haben. Damit trägt Deutschland und auch Berlin eine besondere Verantwortung für die Erhaltung dieser Art.

Den Winter überdauert der Schöne Blaustern als Zwiebel im Erdboden. Im Frühjahr zeigen sich zunächst seine hellgrünen, länglichen Grundblätter, aus denen ein bis drei Blütenstängel emporwachsen. Seine Blütezeit reicht gewöhnlich von Mitte April bis Mai. Damit blüht er deutlich später, als der in Berlin häufige, z. T. massenhaft auftretende Sibirische Blaustern, der dann bereits verblüht ist. Mit seinen hellblauen filigranen Blüten, die blaue, abstehende Staubblätter enthalten, macht der Schöne Blaustern seinem Namen alle Ehre. 

In Berlin gibt es aktuell nur ein gesichertes Vorkommen im Bezirk Neukölln. Helfen Sie dabei, die Pflanze im Berliner Raum zu schützen. Halten Sie Ausschau nach ihr. Sollten Sie Exemplare entdecken, lassen Sie diese bitte stehen und melden Sie den Fund – am Besten mit Fotobeleg – der Stiftung Naturschutz Berlin! Wir können Ihnen im Zweifelsfall auch bei der Bestimmung behilflich sein. Vielen Dank!

März 2011: Das Wechselblättrige Milzkraut

März 2011: Das Wechselblättrige Milzkraut

Das Wechselblättrige Milzkraut (Chrysosplenium alternifolium L.)

Das Wechselblättrige Milzkraut ist schon etwas Besonderes. Nicht nur, dass es – wie alle Pflanzen – das Wasser zum Überleben braucht, auch für seine Verbreitung ist es auf das Nass angewiesen. Denn das Wechselblättrige Milzkraut ist ein sogenannter Regenschleuderer. Als solche bezeichnet man Pflanzen die beim Auftreffen von Regentropfen auf die Hochblätter ihre Samen aus den schalenartigen Kapselfrüchten schleudern und sich auf diese Art verbreiten.

Aufgrund ihrer milzähnlichen Form wurde die Pflanze im Mittelalter auch zur Heilung bei Erkrankungen der Milz verwendet. Heute hat die Art als Heilpflanze aber keine Bedeutung mehr.

Das Wechselblättrige Milzkraut ist eine ausdauernde krautige Pflanze. Sie erreicht eine Wuchshöhe von 15-20 Zentimetern. Ihren gekerbten und kräftig gelb gefärbten Hochblättern verdankt sie ihren wissenschaftlichen Namen, in dessen deutscher Übersetzung sich die Wörter Gold und Milz verbinden. Dank ihrer unterirdischen Ausläufer bildet sie lockere Kolonien. Blütezeit ist von April bis Juni. Die wenigen grün-gelblichen Blüten werden nur etwa 5 Millimeter groß und durch Fliegen oder Käfer bestäubt. 

Der Frühblüher ist auf feuchte und nährstoffreiche Böden angewiesen. Zu finden ist er vor allem in schattigen Schlucht- und Auenwäldern, in Quellfluren und an Bachrändern. Die kühlen Laubwälder der nördlichen Hemisphäre im Allgemeinen und West- und Mitteleuropas im Besonderen zählen zu den Hauptverbreitungsgebieten. In Deutschland kommt das Wechselblättrige Milzkraut von der See bis in die Alpen vor. Der Bestand geht jedoch aufgrund der Seltenheit und Gefährdung seiner Wuchsorte in vielen Regionen zurück.

Heute ist das Wechselblättrige Milzkraut in Berlin vom Aussterben bedroht. Es kommt nur noch an fünf Stellen vor, die überwiegend im Norden der Stadt (Pankow und Reinickendorf) liegen. Helfen Sie dabei, die Pflanze im Berliner Raum zu schützen. Halten Sie Ausschau nach ihr. Sollten Sie ein Exemplar entdecken, lassen Sie es bitte stehen und melden Sie den Fund – am Besten mit Fotobeleg – an die Stiftung Naturschutz Berlin! Vielen Dank!

Februar 2011: Die Zwergwasserlinse

Februar 2011: Die Zwergwasserlinse

Die Zwergwasserlinse (Wolffia arrhiza (L.) Horkel ex Wimm.)

Wenn die Schlittschuhläufer im Winter ihre Runden drehen, ahnen sie wohl kaum, welch kleine Überlebenskünstlerin unter der Eisdecke so mancher Seen auf den Frühling wartet. Mit dem Anbruch der kalten Jahreszeit sinken die Dauerknospen der Zwergwasserlinse auf den Grund der Gewässer und überwintern dort im Schlamm. Erst bei günstigeren Temperaturen steigen sie wieder an die Wasseroberfläche.

Kleiner als ein Stecknadelkopf, gilt die Zwergwasserlinse als kleinste Blütenpflanze der Welt. Eiförmig, ohne Wurzel und zwischen 0,5 und 1,5 Millimetern lang, erinnert sie in ihrer granulatartigen Beschaffenheit jedoch nur wenig an eine Blütenpflanze, zumal sie in hiesigen Gefilden fast nie blüht.

Die Zwergwasserlinse ist in vielen Teilen der Erde zu Hause. Sie wird über die gemäßigten, subtropischen und tropischen Breitengrade immer wieder durch Zugvögel verbreitet. In Deutschland ist sie eher selten und vor allem im Einzugsgebiet größerer Flüsse im Norden und Nordosten des Landes zu finden – bei ihrer Größe natürlich nur, sofern man gute Augen hat.

In Berlin ist die Zwergwasserlinse vom Aussterben bedroht und kommt nur noch in Gewässern der Gosener Wiesen im Bezirk Treptow-Köpenick vor. Um ihren Bestand und den anderer seltener Wasserpflanzen nicht zu gefährden, sollten Wasserpflanzen oder ‑tiere, die in Aquarien oder Gartenteichen gehalten werden, grundsätzlich nicht in die freie Natur entlassen werden. Derartige Ausbringungen können die gesamte Lebensgemeinschaft in Gewässern bedrohen.

Januar 2011: Der Gemeine Wacholder

Januar 2011: Der Gemeine Wacholder

Der Gemeiner Wacholder (Juniperus communis L. s. l.)


Feuerbaum, Wachandel, Kranewitt - so weit verbreitet der Gemeine Wacholder ist, so vielfältig sind auch seine Namen in zahlreichen Dialekten. Die Bezeichnung Wacholder selbst entstammt dem Althochdeutschen und bedeutet Lebensfrischer oder Immergrüner.

Einst als Zweig zur Weihnachtszeit über die Stalltür gehangen, um Hexen und böse Geister fernzuhalten, findet er heute vor allem in Gestalt seiner bläulichen Beeren in der Küche und als Hausmittel Verwendung.

Auf Grund seiner anspruchslosen Art, konnte sich der Gemeine Wacholder über weite Teile der nördlichen Hemisphäre verbreiten. Nährstoffarme und trockene Böden genügen ihm, um bis zu 600 Jahre alt zu werden.

Dennoch musste der Wacholder in den letzten Jahrzehnten in vielen Regionen Deutschlands einen deutlichen Rückgang hinnehmen. Wiederbewaldung und zunehmende Beschattung gefährden die lichten Standorte, wie Heiden und Kiefernwälder, an denen er sich wohlfühlt. In Berlin und Brandenburg sind vom Verschwinden des Wacholders auch mindestens 14 Schmetterlingsarten betroffen, deren Raupen ihn als Futterpflanze benötigen.

In Berlin konzentrieren sich die wenigen Vorkommen der Wildform des Gemeinen Wacholder, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, auf den Südosten. Im Stadtgebiet ist die Wildform vom Aussterben bedroht. Daher unsere Bitte an Sie: Die Pflanzen sollten weder beschädigt noch ausgegraben werden. Zuchtformen die der Gartenhandel reichlich anbietet, sollten Sie auf keinen Fall auswildern.