Pflanze des Monats Oktober 2017

Verwandter Frauenmantel – Alchemilla propinqua H. Lindb. ex Juz.

Berlin ist ein Eldorado für Fashionistas und Modedesigner/innen. Der „Verwandte Frauenmantel“ kommt zwar in Berlin vor, ist aber dennoch kein Must-have der neuesten Herbstkollektion. Vielmehr handelt es sich um ein kleines Pflänzchen, das versteckt in Wiesen und lichten Wäldern lebt. 

Der Name „Frauenmantel“ leitet sich von den fächerförmigen Blättern ab. Die Ähnlichkeit zu dem schweren, faltenreichen Kleid der Jungfrau Maria in mittelalterlichen Darstellungen brachte ihm diesen Namen ein. Er weist zudem auf eine bis zu den Germanen zurückreichende Tradition als Heilpflanze für Frauenleiden hin. Pflanzen dieser Gattung wurden beispielsweise zur Linderung von Unterleibskrämpfen, zur Stillung von Blutungen und zur Behandlung von Wunden und Geschwüren genutzt. Auch als Zauberpflanzen waren die Frauenmantelarten sehr begehrt. Bei Nacht oder hoher Luftfeuchtigkeit sondert die Pflanze Wassertropfen an den Blatträndern ab. In der Mitte der trichterförmigen Blätter sammeln sich zusätzlich Tau und Regenwasser. Dieses „Himmelswasser“ wurde früher für rituelle Waschungen und für Experimente zur Goldherstellung genutzt, was sich im wissenschaftlichen Gattungsnamen „Alchemilla“ –  „kleine Alchemistin“ – widerspiegelt.

So spektakulär die frühere Verwendung, so selten und wenig bekannt sind die heute noch in Berlin wildlebenden Frauenmantel-Arten. Am stärksten gefährdet ist der Verwandte Frauenmantel, eine nordische Art, deren Verbreitungsgebiet von Mitteleuropa bis in den Norden Skandinaviens und in den Nordwesten Russlands reicht. In Berlin konnte sie bisher nur mit einem einzigen Vorkommen im Naturschutzgebiet Wilhelmshagen-Woltersdorfer Dünenzug (Bezirk Treptow-Köpenick) nachgewiesen werden. Dieser Bestand hier bei uns im Flachland stellt eine große Rarität dar, denn er gehört zu einem Vorposten, der über 150 Kilometer von den übrigen Vorkommen nahe der Ostseeküste und in den ostdeutschen Mittelgebirgen entfernt ist. 

Das einzige Berliner Vorkommen des Verwandten Frauenmantels existiert auf einer Wegschneise in einem lichten Kiefernforst. 1998 zählte es noch mehr als 250 Pflanzen, 2017 waren es weniger als 30, von denen nur noch wenige blühten. Der stetige Rückgang und das Ausbleiben der Blüte sind auf eine zunehmende Nährstoffanreicherung und Beschattung der Wegränder, insbesondere durch das illegale Abladen von Gartenabfällen, zurückzuführen. Hierdurch gelangen auch Zierpflanzen in die Natur, die in wenigen Jahren dichte Bestände ausbilden können. Die Liste der nicht-einheimischen Arten (Neophyten) an diesem Standort ist bereits jetzt erschreckend: Pfeifenstrauch, Kleines Immergrün, Kleinblütiges Springkraut, Efeu, Mahonie, Spätblühende Traubenkirsche, Eschen-Ahorn – mit fatalen Folgen für den Verwandten Frauenmantel und viele weitere lichtliebende einheimische Arten. 

Bitte werfen Sie keine Gartenabfälle in die Landschaft! Sie können Gartenabfälle auf ihrem eigenen Komposthaufen oder über die BSR entsorgen.

Zum Schutz des Verwandten Frauenmantels in Berlin wurden 2017 durch die Koordinierungsstelle Florenschutz einige Pflanzen vom Fundort entnommen und in den Botanischen Garten Potsdam gebracht. Hier werden sie in einer Erhaltungskultur vermehrt. Mit neu herangezogenen Jungpflanzen können dann in Zukunft an geeigneten Standorten neue Populationen begründet werden.

Auch Sie können uns beim Schutz des Verwandten Frauenmantels und vieler weiterer Zielarten unterstützen. Senden Sie uns Fundhinweise zu wilden Frauenmantelarten in Berlins Wiesen und Wäldern. Daneben freuen wir uns jederzeit über tatkräftige Mithilfe bei ehrenamtlichen Pflegeeinsätzen. 

Stiftung Naturschutz Berlin
Koordinierungsstelle Florenschutz
Potsdamer Straße 68
10785 Berlin
Tel: 030 26394 -188