Pflanze des Monats Dezember 2017

Ruprechtsfarn – Gymnocarpium robertianum (HOFFM.) NEWMAN

Warum der Ruprechtsfarn den Namen des berühmten Knechts vom St. Nikolaus trägt, ist nicht bekannt. Der Name Ruprecht aber leitet sich vom Althochdeutschen hruod ab, was man mit Ruhm und Glanz übersetzen kann. Durchaus passend, hatte sich der Farn in Berlin im 19. Jahrhundert an einer Mauer des Charlottenburger Schlossgartens angesiedelt. Auch im restlichen Berlin siedelt die eigentlich auf Felsen und Gestein angewiesene Pflanze fast ausschließlich an kalkhaltigen Mauern und in deren Fugen. Außerdem bevorzugt er eine hohe Luftfeuchtigkeit und nordexponierte, feuchte Standorte. Geeignete Stellen findet der Ruprechtsfarn vor allem an historischen Bauten oder auf alten Friedhöfen. 

Da der Ruprechtsfarn auf kalkhaltige Gesteine angewiesen ist, weist sein Vorkommen auf einen basenhaltigen Untergrund hin. Sein Verbreitungsschwerpunkt befindet sich in Gebirgen und im Bergland. Auf der Nordhalbkugel ist er rund um den Erdball vertreten. Von seinen südlichsten Vorposten in Gebirgen im Mittelmeerraum reicht sein Areal in Europa bis zu seinen nördlichsten Fundorten in Norwegen. In Mitteleuropa ist er vorrangig in den Kalkgebieten der Alpen und der Mittelgebirge zu finden. Nördlich der deutschen Mittelgebirge kommt der Ruprechtsfarn nur vereinzelt vor, v. a. in Brandenburg. 

Der ausdauernde, sommergrüne Ruprechtsfarn ist ein typischer Vertreter der Schuttflurvegetation. Als solcher ist er darauf spezialisiert, Felsen, Geröll und Schuttwälder zu besiedeln. Zu diesem Zweck bildet der 15-60 cm hohe Farn ein lang kriechendes Rhizom aus, mit dem er Nischen mit Feinerde im Gestein erreichen kann. Dieses Rhizom ist verhältnismäßig dick und nur gering verzweigt, um die Scherkräfte etwaiger Geröllrutsche zu überstehen. 

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts sind die Bestände des Ruprechtsfarnes im gesamten deutschen Raum rückläufig. Dieser Negativtrend hat sich seit den 1980er Jahren leider noch verstärkt. In Berlin sind die auf historische Gebäude und Mauern angewiesenen Bestände insbesondere durch Sanierungs- oder Abrissarbeiten akut vom Aussterben bedroht. Alte Gebäude werden neu gedämmt, verputzt oder gar abgerissen, alte Mauerwerke gereinigt und neuverfugt. Einer seiner letzten bestätigten Fundorte in Berlin befindet sich an der Spreemauer in der Nähe des S-Bahnhofs Friedrichstraße. Diesen durchaus populären Standort teilt er sich mit weiteren Mauerfarnen, die ebenfalls gefährdet sind. 

Finden sich Vorkommen des Ruprechtsfarnes oder anderer seltener Mauerpflanzen auf zu sanierenden Mauern und Gebäudeteilen, so sollten diese nicht beseitigt werden. Die bewachsenen Stellen können einfach von Reinigung und Sanierung ausgespart werden. Komplette Neuverfugungen gilt es in diesem Falle unbedingt zu vermeiden. Bei Abrissarbeiten bleibt jedoch nur die Umsiedelung der Pflanzen an einen geeigneten geschützten Ort als letzte Alternative. Es sollten möglichst große Mauerteile mitsamt den Farnbeständen umgesiedelt werden. Wir beraten Sie in solchen Fällen gerne.

Halten Sie die Augen offen, vielleicht erblicken Sie den Ruprechtsfarn beim nächsten Spaziergang durch die Stadt oder sogar in Ihrem Hinterhof. Melden Sie uns bitte Ihren Fund – am besten mit Fotobeleg! Vielen Dank!

Stiftung Naturschutz Berlin
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