Pflanze des Monats Januar 2017

Sumpf-Wolfsmilch – Euphorbia palustris L.

Wer sie einmal in voller Blüte gesehen hat, vergisst den Anblick nicht! Die Sumpf-Wolfsmilch ist mit einer Höhe von bis zu 1,50 m der Gigant unter den einheimischen Wolfsmilchgewächsen. Zur Blütezeit von Mai bis Juni entfalten sich an den Stängelspitzen üppige, leuchtend gelbe Blütenstände, die in periodisch überfluteten Süßgrasröhrichten, Feuchtwiesen und an Grabenränden wie Leuchttürme die Blicke auf sich ziehen. Aber auch im Herbst ist die Sumpf-Wolfsmilch mit ihren sich rötlich färbenden Stängeln und Blättern unverwechselbar.

Der Name der in Europa und Asien heimischen Sumpf-Wolfsmilch leitet sich vom giftigen, scharf schmeckenden Milchsaft her, der allen Vertretern der Gattung Euphorbia eigen ist. Er tritt bei Verletzungen der Pflanze zu Tage und wehrt sehr wirkungsvoll Fraßfeinde wie z.B. Weidevieh, Schnecken und Insekten ab. Die Sumpf-Wolfsmilch verträgt daher eine extensive Beweidung ihres Wuchsortes gut und wird durch das Abweiden konkurrierender Arten sogar gefördert.

Das reiche, zuckerhaltige Nektarangebot der leicht zugänglichen Blüten der Sumpf-Wolfsmilch lockt hingegen eine ganze Armada von Insekten an. Die Liste der Bestäuber ist lang und umfasst Fliegen, Schwebfliegen, Käfer, Solitärwespen, Ameisen und Bienen. Die Sumpf-Wolfsmilch setzt hierbei alles auf die Karte der Fremdbestäubung und bildet nur Samen aus, wenn Pollen zwischen verschiedenen Blütenständen übertragen werden. Für die durch Überschwemmungen geförderte und verbreitete Stromtalpflanze erwuchs daraus mit zunehmender Isolierung und Verkleinerung der Vorkommen durch Eindeichung, Uferverbau, Nutzungswandel und Gehölzaufwuchs in Feuchtwiesen ein großes Problem. Wenn die Bestäuber die Pflanze in hohem Gebüsch nämlich nicht finden oder die Distanzen zwischen verschiedenen Exemplaren nicht überwinden können, so bleiben Samen und Jungpflanzen aus. Das Aussterben der sich nur selten vegetativ vermehrenden Sumpf-Wolfsmilch rückt an diesen Standorten damit Schritt für Schritt näher. Die Langlebigkeit erwachsener Pflanzen kann dieses Schicksal jedoch über Jahrzehnte maskieren, so dass die Bedrohung der Art in weiten Teilen Mitteleuropas erst sehr spät erkannt wurde.

Die Sumpf-Wolfsmilch wurde in den 1980er Jahren von ihren letzten Berliner Standorten in die Erhaltungskultur des Botanischen Gartens Berlin-Dahlem übernommen, dort vermehrt und 1990-1992 am Ufer der Havel, im Spandauer Forst und am Tegeler Fließ ausgebracht. Zwei Populationen haben bis heute überlebt, hinzu kam 2010 ein Neufund in der Botanischen Anlage Blankenfelde (Pankow), dessen Herkunft aber noch geklärt werden muss. Um die Sumpf-Wolfsmilch in Berlin zu erhalten, sind Auflichtungen von Ufergehölzen und weitere Ansiedlungen von Pflanzen aus der Erhaltungskultur in extensiv genutzten Feuchtwiesen der Havel und in großflächig beweideten Feuchtgebieten sinnvoll.

Möchten Sie die Sumpf-Wolfsmilch bei ihrer Wiederausbreitung in Berlin unterstützen? Halten Sie entlang der Havel und des Tegeler Fließes nach der Art Ausschau und melden Sie uns ihre Funde, am besten mit einem Fotobeleg. Daneben ist ihre Mithilfe als ehrenamtlicher Florenschutzpate bei Pflege- und Ausbringungsmaßnahmen für Zielarten des Florenschutzes jederzeit herzlich willkommen. Sprechen Sie uns an!

Stiftung Naturschutz Berlin
Koordinierungsstelle Florenschutz
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