Pflanze des Monats Mai 2016

Kriech-Günsel – Ajuga reptans L.

Viele denken sich nichts Böses dabei, wenn sie Gartenabfälle in die Natur schütten – aber es handelt sich hierbei nicht um eine umweltfreundliche Entsorgung, sondern um illegale Abfallbeseitigung. Für viele heimische Pflanzenarten werden diese nämlich zu einem großen Problem. Ihre Wuchsorte werden überschüttet, durch Nährstoffe eutrophiert und die mit entsorgten Zierpflanzen nutzen die Gelegenheit, um sich als Konkurrenten in Parks, auf Friedhöfen und in Wäldern auszubreiten. Besonders gefährdet sind hierbei Wildpflanzen wie der Kriech-Günsel, bei denen es zum Pollenaustausch zwischen der Wildform und verwilderten Zierformen kommt. Hierdurch entstehen genetisch veränderte Hybriden, die nicht dieselben Anpassungen an herrschende Umwelteinflüsse, wie Klima, Boden und Krankheiten besitzen wie die Wildpflanzen. Indigene Vorkommen können dadurch erlöschen, und ihre besondere genetische Ausstattung geht für immer verloren.

Heute wird der Kriech-Günsel vor allem wegen seiner Schönheit vom Menschen geschätzt. Doch er enthält auch antibakterielle, schmerzstillende und entzündungshemmende Wirkstoffe, die als Tee oder Tinktur zur Linderung vieler Beschwerden angewandt werden können. Daneben ist die Art eine wichtige Nektarpflanze für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge.

Der wilde Kriech-Günsel ist eine 10-30 cm hohe, ausdauernde Pflanze, die sich durch oberirdische Ausläufer verbreitet. Sie bildet von Mai bis August längliche Blütenstände mit einer Fülle blauer (selten auch weißer oder rosa) Blüten aus. Manchmal sind zudem die oberen Blätter des Blütenstandes, doch nie die Grundblätter, rotviolett überlaufen. Hierdurch unterscheidet sich die Wildpflanze von der in Berlin häufig verwilderten Zielform Ajuga reptans `Atropurpurea`, die schwach bis kräftig weinrot gefärbte Blätter besitzt.

Der Kriech-Günsel ist in Europa und Westasien heimisch und hier an feuchte bis frische Standorte wie Wiesen, Gebüsche, Wälder und ihre Säume gebunden. Während die Art in West- und Süddeutschland häufig ist, kommt sie im trockeneren, kontinentaleren Nordosten deutlich seltener vor. In Berlin ist sie vom Aussterben bedroht, denn ihre klimatisch begünstigten Standorte sind durch die Nutzungsaufgabe von extensivem Feuchtgrünland, die Ausbreitung konkurrenzstarker Gehölze, das Befahren von Wegrändern sowie die Ablagerung von Holz und Gartenabfällen stark beeinträchtigt. Seit 2010 konnte der wilde Kriech-Günsel nur noch im NSG Gosener Wiesen, nahe dem Fredersdorfer Mühlenfließ und in den Müggelbergen bestätigt werden. Frühere Funde sind aus Pankow, Reinickendorf und Spandau bekannt, Reliktbestände könnten dort heute noch vorkommen.

Tragen Sie zum Erhalt des wilden Kriech-Günsels in Berlin bei. Kompostieren Sie bitte ihre Gartenabfälle oder entsorgen Sie diese über Biogut-Tonnen und die Laubsäcke der BSR. Gartenabfälle niemals in der Natur ablagern! Verzichten Sie bitte auch auf Zierformen der Art in ihrem Garten. Vielleicht haben sie ja Glück und entdecken den wilden Kriech-Günsel bei einem Spaziergang am Wald- und Wiesenrand? Über eine Fundmeldung – am besten mit Fotobeleg – würden wir uns sehr freuen. Vielen Dank!

Stiftung Naturschutz Berlin
Koordinierungsstelle Florenschutz
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