Nachruf auf
Michael Spielmann

Michael Spielmann ✝, Mitglied des Vorstandes

Michael Spielmann
(1960-2014)
Mitglied des Vorstandes

"Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entfachen" (Augustinus von Hippo)

Die Stiftung Naturschutz Berlin trauert um ihr Vorstandsmitglied Michael Spielmann. Er verstarb am 26. August 2014 im Alter von nur 54 Jahren. Jeder, dem Michael Spielmann begegnete und der ihn kennenlernte, merkte sofort, dass in diesem agilen, eloquenten, klugen und manchmal ungeduldigen Mann ein heißes Feuer brannte - ein Feuer, das mitriss ohne zu verbrennen, das ihn selbst und alle, die mit ihm zusammenarbeiteten, antrieb und dazu brachte, das Beste zu geben.

Michael Spielmann brannte für den Natur- und Umweltschutz, nicht unbedingt "by training", aber "by heart". Lange Jahre war der studierte Politologe als Geschäftsführer für den BUND und die Heinz-Sielmann-Stiftung tätig und erst im Herbst 2012 wurde er Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe. Insbesondere die Verbindung von Ökologie und Ökonomie fand er spannend und sein besonderes Talent im Umgang mit Menschen und unterschiedlichsten Interessensgruppen prädestinierten ihn geradezu für eine derartige Schnittstellenposition. Wenn einer den Spagat zwischen wirtschaftlichen und ökologischen Interessen meistern konnte, dann Michael Spielmann. Und als sei dieser Job nicht anspruchsvoll genug, fand er auch noch Zeit, sich ehrenamtlich zu betätigen und nicht nur global, sondern auch lokal zu wirken. Und zwar in Berlin, in der Stadt, in der er zuletzt arbeitete. Seit 2013 war Michael Spielmann Mitglied unseres neuen Vorstands und er hat trotz der kurzen Zeit, die er wirkte, viel bewegt und angestoßen. Ich kannte ihn vor unserer gemeinsamen Vorstandsarbeit nicht persönlich, aber eine gute Freundin, die lange Zeit mit ihm zusammen gearbeitet hatte, hatte mich vorbereitet. "Freu dich", sagte sie, "ihr werdet eine Menge Spaß zusammen haben. Er ist ein unheimlich schneller Denker, kann Menschen und ihre Absichten lesen, ist eloquent, tolerant, und vermittelnd. Und er hat deinen schwarzen Humor. Aber Achtung, er läuft sehr hochtourig und ist schnell unterzuckert. Dann kann er ungeduldig werden und ich rate dir, immer einen Schokoriegel dabei zu haben, den du ihm zustecken kannst".

Wie Recht sie hatte, in jeder Hinsicht, denn Michael Spielmann brannte auch für gutes Essen. Wer einmal das Pech hatte, bei einer Veranstaltung oder einer Preisverleihung zwischen Michael Spielmann und das Buffet zu geraten, erfuhr am eigenen Leib, welche Energie und Durchsetzungskraft in diesem immer schlanken Mann steckte. Er schaffte es, mit bloßer Willenskraft eine ganze Gruppe von Gesprächspartnern Richtung Nahrungsquelle zu bewegen und konnte ungeduldig werden, wenn ihm die Trägheit der Masse nicht folgte oder ihn aufhielt. Mit dem ihm eigenen Charme und einem Augenzwinkern führte er dabei stets seine zahlreiche Schwesternschar als Grund für seine Angst vor dem Verhungern an. Ich erinnere mich auch noch an eine der ersten, sehr langen Vorstandssitzungen, bei der wir zur Mittagszeit Pizza bestellten. Michael Spielmann hatte sich etwas verspätet und wir wiesen ihn darauf hin, dass er seine Bestellung noch tätigen müsse. Doch er lächelte nur und sagte, es sei selbstverständlich zuerst in die Küche gegangen und dann erst ins Konferenzzimmer und habe seine Pizza bereits bestellt. Dieser Mann wusste Prioritäten zu setzen, und es ist von geradezu tragischer Ironie, dass ihm ausgerechnet dieses Organsystem, das eigentlich so gut trainiert war, so früh den Dienst versagte.

Michael Spielmann war uns nicht nur in der gemeinsamen Arbeit und in seinem leidenschaftlichen Streiten für den Umwelt- und Naturschutz ein Vorbild, sondern auch in der Art, wie er seine Krankheit und sein Leiden annahm. Er kämpfte hart, solange sich der Kampf lohnte, und er nahm sein Schicksal an, als es unabwendbar wurde. Jeder Tag, den er sich abrang, wurde bewusst gelebt und mit der Familie und den Freunden verbracht, und er hat sogar seinen eigenen Tod mit vorbereitet. "Ich bin auch schon in der Nachspielzeit" sagte er während der Fußball-Weltmeisterschaft und wir alle haben uns so sehr gewünscht, dass es vielleicht doch noch zur Verlängerung oder sogar zum Elfmeterschießen käme und er das Spiel vielleicht noch drehen könnte. Es sollte nicht sein. Wenige Tage nach seinem 54. Geburtstag ist sein helles Feuer verloschen, es hatte sich verzehrt. Wir sind unendlich traurig und fühlen mit den Angehörigen. Und wir werden versuchen, diese Stiftung, die ihm trotz der kurzen Zeit so sehr ans Herz gewachsen war, in seinem Sinne weiter zu führen.

Dr. Sylvia Ortmann
für Vorstand, Geschäftsführung und Mitarbeiter/innen der Stiftung Naturschutz Berlin