Nachruf auf
Horst Walligora

Horst Walligora ✝, Öffentlichkeitsarbeit

Horst Walligora (1935-2014)
Öffentlichkeitsarbeit

Er war mehr als ein Mitarbeiter - er war eine Institution.
Beinahe jede Veröffentlichung der Stiftung Naturschutz Berlin ging über seinen Schreibtisch und erhielt bei ihm den letzten Schliff - wenn er sie nicht sowieso selbst verfasst hatte. Horst Walligora verstand es, die heikle Aufgabe des Redigierens mit Sachverstand und Herz wahrzunehmen. Er erläuterte seine Verbesserungen, die er „Vorschläge“ nannte und erklärte geduldig auch schwierigste Rechtschreibregeln. Auf charmante und manches Mal fröhliche Weise lernte man so nebenbei stets etwas dazu. 

„Frag Horst“ war ein geflügeltes Wort in der Stiftung, wenn jemand in sprachlicher Hinsicht nicht weiter wusste. Horst Walligora war Redakteur aus Leidenschaft und konnte meisterhaft mit unserer Sprache umgehen. Der Wirtschaftswissenschaftler und Journalist kam 1991 zur Stiftung und unterstützte zunächst zehn Jahre lang die Redaktion des Umweltmagazins GRÜNSTIFT. Nach der Einstellung des Magazins profitierte der Bereich Öffentlichkeitsarbeit von seinem Engagement.
Als dann der wohlverdiente Ruhestand für ihn näher rückte, fragten wir uns, wer im Team seine Aufgaben übernehmen könnte. Wie ersetzt man jemanden, der beinahe jede Art von Text vorzüglich zu schreiben vermag? Der sowohl politische als auch fachliche Hintergründe schnell erfasst und entsprechend berücksichtigt? Texte verfassen - das können viele. Zum Schreiben gehört jedoch mehr als das Beherrschen der Sprache und das folgerichtige Aneinanderreihen von Sätzen. Es braucht Talent, Einfühlungsvermögen, Erfahrung und natürlich Enthusiasmus für die Sache. Horst Walligora vereinte alle diese Eigenschaften in sich.
Er war einfach unersetzlich und wir daher etwas ratlos. Doch zu unserer Überraschung und zum Glück für die Stiftung, hatte er gar nicht vor, sich schon zur Ruhe zu setzen. Sein Rentnerdasein beschränkte er anfangs auf ein verlängertes Wochenende. Vier Tage in der Woche engagierte er sich weiterhin bei uns. Und das viele Jahre lang. Er gehörte nach wie vor fest zum Team, gab sein Wissen ohne zu bevormunden gern an die Jüngeren weiter. Als herzlicher und hilfsbereiter Kollege wurde er außerordentlich gemocht und geschätzt. In dem kleinen Büro unseres „elder statesman“ herrschte immer eine positive Arbeitsatmosphäre. Nicht nur, weil im Hintergrund leise klassische Musik lief, die ihn inspirierte. Er sah auch jedem heiter entgegen, der ihn dort aufsuchte, hatte für jeden ein freundliches Wort. Nur manchmal, wenn wir ihm arg viel Arbeit auf den Schreibtisch luden, ließ er uns - mal mehr, mal weniger deutlich - wissen, dass es jetzt aber genug sei. Auf die ihm eigene, charmante Art natürlich.
Horst Walligora war aber nicht nur ein Meister des Schreibens, er war auch ein überaus gebildeter Mensch. Wer mit ihm ins Gespräch kam, konnte nur profitieren. Er war kluger Ratgeber, geduldiger Zuhörer, liebenswürdiger Kollege und väterlicher Freund. Horst war Mitte siebzig, als er erkrankte. Doch trotz Schmerzen und Chemotherapien kam er weiterhin regelmäßig zum Arbeiten in die Stiftung. Er wollte nicht, dass die Krankheit sein Leben beherrschte, wollte sich ein Stück Normalität bewahren. Mehrere Jahre gelang ihm dies. Doch schwanden seine Kräfte nach und nach immer mehr. Trotzdem unterstützte er - der selbst Hilfe benötigte - unsere Arbeit bis jetzt. Bis zu seinem 79. Lebensjahr. Horst wusste, dass er in der Stiftung gebraucht wurde. Er war ein großer Naturfreund und es blieb ihm wichtig, seinen Beitrag zu leisten.

Mit ihm geht nach 23 Jahren eine Ära in der Stiftung Naturschutz Berlin zu Ende. Wir werden - auch ihm zu Ehren - alles geben, um weiterhin möglichst Fehlerfreies und nur sprachlich Gelungenes zu veröffentlichen. Wir bitten um Nachsicht, sollte uns dies nicht immer gelingen. Uns fehlt jetzt eine ganze Institution. Uns fehlt Horst Walligora.