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Im Portrait

Im Portrait: Gudrun Kramp

Projektassistentin Verwaltung FÖJ

Gudrun Kramp, Projektassistentin Verwaltung FÖJ

Gudrun Kramp
Projektassistentin Verwaltung
FÖJ

„In meiner Grundschule wurden vier Klassenstufen in einem Raum unterrichtet“, sagt sie und lacht, „das war richtig toll.“  Man mag es Gudrun Kramp kaum glauben, dass sie eine Dorfschule besuchte und ihre Kindheit und Jugend in einem kleinen Ort in der Lüneburger Heide verbrachte. Allein der leichte norddeutsche Akzent weist auf ihre eigentliche Heimat hin. Im Alter von 26 Jahren verabschiedete sie sich aus der Lüneburger Heide und von ihrem Arbeitsplatz als Verwaltungsbeamtin in Winsen an der Luhe, um etwas Neues zu machen, neue Herausforderungen zu suchen. „Als Kind fand ich es schön, auf dem Land zu wohnen, doch als Teenager und junge Erwachsene hatte ich große Sehnsucht nach einem Leben außerhalb des Dorfes. Ich hatte das Gefühl, das „wirkliche Leben” findet woanders statt.“ Also ist sie auf und davon – allerdings nicht nach Berlin, obwohl ihre Schwester sie drängt, ihr dorthin zu folgen. Ein Leben in der Mauerstadt kann sie sich nicht vorstellen.

Stattdessen zieht sie nach München. Auch beruflich wechselt sie in ein neues Metier. Beim Bertelsmann-Verlag erhält sie die Chance, in ein völlig neues Aufgabengebiet zu wechseln. Sie beginnt als Assistentin für Vertrieb/Marketing und Werbung, wohnt am Stadtrand von München. „Sommers wie winters bin ich in die Berge gefahren“, erzählt sie, „das war wunderschön. Gleichzeitig konnte ich aber sehen, was der Wintersport in den Bergen anrichtet. Die Hänge sehen im Sommer erschreckend aus. Die Schäden werden immer schlimmer.“ Um mitzuhelfen, die Bergwelt zu erhalten, wird sie Mitglied im Deutschen Alpenverein, den sie auch heute noch unterstützt.

Dass sie 1997 doch noch Berlinerin wird, liegt zunächst weniger am Reiz, den die Hauptstadt auf sie ausübt, als an der Liebe zu einem Berliner. Es dauert nicht lang, bis eine Liebe zu Berlin daraus wird. „Berlin ist so lebendig, so kreativ und offen. Wenn ich hier im Park tanze, dann starrt mich keiner merkwürdig an. Man erfährt eher freundliches Interesse.“
Beruflich bleibt sie zunächst  im Verlagswesen, verstärkt den Ullstein-Verlag als Assistentin der Geschäftsleitung. Sie lebt in Neukölln, mitten im Kiez, in einer Wohnung mit Ofenheizung und begrüntem Innenhof. Ihre Schwester wohnt ein Stockwerk über ihr. „Das ist für mich das wirkliche Berlin“, sagt sie und man spürt, dass sie sich hier längst heimisch fühlt.
„In Berlin ist einfach viel los, und die Stadt ist unglaublich grün, hat viele schöne Parks, Wälder und Seen.“ Am liebsten ist Gudrun Kramp sowieso draußen – am Wannsee oder im Wald, den sie auch abseits der Wege erforscht. Dann werden auch Kindheitserinnerungen wach an das idyllische Landleben in der Lüneburger Heide. Jetzt freut sie sich auf jeden Besuch bei den Eltern und darauf, den großen Garten und die Natur zu genießen.

Beruflich wagt Gudrun Kramp 2004 noch einmal einen Wechsel – sie wird Mitarbeiterin im FÖJ-Team der Stiftung Naturschutz Berlin.
„Die Arbeit ist wunderbar abwechslungsreich, die Kollegen sind prima“, so fasst sie die bislang zwei Jahre für sich zusammen. „Zudem ist es wirklich spannend, die jungen Leute ein Jahr lang auf ihrem Weg zu begleiten. Es macht Spaß, sie zu beraten und ihnen bei ihrer ersten beruflichen Tätigkeit zur Seite zu stehen.“

Die Achtsamkeit gegenüber der Natur ist ihr auch privat sehr wichtig, und sie versucht, so viel wie möglich im eigenen Leben umzusetzen. Strom bezieht sie bei Greenpeace, Lebensmittel im Bioladen. In dieser Hinsicht hält sie das Engagement der Hauptstädter für ausbaufähig. „Berlin sieht an vielen Stellen dreckig aus. Das könnte anders sein, wenn sich die Menschen verantwortlicher fühlen würden, und es würde die Stadt noch attraktiver machen.“

Ihren Beitrag möchte sie dazu weiterhin leisten – beruflich beim FÖJ und privat in ihrem Kiez. Und wenn sie „Kiez“ sagt, dann spürt man, dass sie mehr meint als Straßen und Plätze. In ihrer alten Heimat sagt man dazu „Tu huus“.

Autorin: Heidrun Grüttner, November 2006