Aufgaben des Vorstandes
Die Aufgaben des Vorstandes sind in § 5 des Gesetzes über die Stiftung Naturschutz Berlin geregelt. Der Vorstand wird auf Vorschlag des Stiftungsrates und des Senats von Berlin bestellt. Dem Gremium gehören vier Personen an. Der Vorstand ist für die laufenden Geschäfte der Stiftung Naturschutz Berlin verantwortlich und vertritt sie nach außen. Die Mitglieder des Vorstands werden für die Dauer der Wahlperiode des Abgeordnetenhauses von Berlin bestellt und sind ehrenamtlich tätig.

Prof. Dr. Martin Jänicke
Mitglied des Vorstands
Seine 1998 erfolgte Auszeichnung mit dem Victor-Wendland-Ehrenring war ein Novum in der Geschichte des größten Berliner Naturschutzpreises. Zum ersten Mal wurde mit Prof. Dr. Martin Jänicke ein Politikwissenschaftler geehrt. Eine außergewöhnliche Würdigung für einen außergewöhnlichen Politologen, der sich seit mehr als drei Jahrzehnten initiativ und innovativ für den Erhalt der Natur, für die Zusammenführung von Wissenschaft, Politik und Umweltschutz engagiert.
Der 1937 in Buckow bei Beeskow geborene Sohn des Gemeindepfarrers lernt schon früh, dass es gefährlich sein kann, für seine Überzeugungen einzutreten. Als der Vater Mitglied der Bekennenden Kirche wird und Widerstand gegen das NS Regime leistet, kommen harte Zeiten auf die Familie zu. Die stark zusammenhaltende Gemeinde hilft, wo es möglich ist. Der Zusammenhalt und die zwischenmenschliche Harmonie beeindrucken Martin Jänicke. Die Trennung von seinem Heimatort und der Umzug nach Berlin 1949 fällt ihm daher besonders schwer, nicht zuletzt, weil er die Natur vermisst, das wunderschöne Dorf und die Linden auf dem Dorfplatz. Seine Mutter ist es, die ihm schon früh die Liebe zur Natur vermittelt, die sie als "Manifestation von etwas Größerem" beschreibt. Bedingt durch die Vita des Vaters, der trotz aller Widrigkeiten an seinen Grundüberzeugungen festhält, lernt auch Martin Jänicke schnell, eigene Positionen zu entwickeln und an Werten festzuhalten, die er als richtig erkennt.
Nach dem Abitur studiert Martin Jänicke Soziologie, Volkswirtschaft und Politikwissenschaften. Er erhält eine Assistentenstelle im Fachbereich Politische Wissenschaft, mit der seine wissenschaftliche Karriere ihren Anfang nimmt. 1970, im Alter von 32 Jahren, wird er Professor am Fachbereich Politische Wissenschaft der FU Berlin. Mit der Stellenbezeichnung „Vergleichende Politikwissenschaft“ kommt er von der Krisenforschung zur Umweltpolitikanalyse. 1986 gründet er die "Forschungsstelle für Umweltpolitik" an der FU. Er ist von Beginn an ihr Leiter und maßgeblich daran beteiligt, dass die Forschungsstelle weit über Berlin hinaus bekannt wird. Heute ist sie ein Institut mit etwa 30 Mitarbeitern und eines der Aushängeschilder der FU.
Auch parteipolitisch ist Martin Jänicke schon in jungen Jahren aktiv. 1957 tritt er in die SPD ein. Elf Jahre später gehört er zum Wahlkampfteam von Willy Brandt, in dem er sich vor allem dem Thema "Demokratisierung der Gesellschaft“ widmet. Von 1974 bis 1976 ist er externer Berater der Planungsabteilung im Bundeskanzleramt. Enttäuscht über den Verlauf und Ausgang der Debatte über die Nachrüstung und das fehlende Interesse der SPD an einer effektiven Umweltpolitik, verlässt er 1979 die Partei. In Berlin ist er aktiv an der Gründung der Grünen beteiligt. Auf Vorschlag von Bürgerinitiativen kandidiert er als Parteiloser für die Alternative Liste und vertritt diese von 1981 bis 1983 als Mitglied im Abgeordnetenhaus von Berlin. Besonders die Berliner Bau und Stadtentwicklungspolitik ist für ihn in dieser Zeit Ansatzpunkt heftiger Kritik am damals amtierenden Senat. "Was vom Krieg nicht vernichtet worden war, das zerstörte die Berliner Baupolitik", so sein Resümee. Seine Tätigkeit als Abgeordneter ist für ihn zugleich eine Zeit privater Risiken. Er erhält wegen seines Engagements in der Baupolitik und der Hausbesetzungen sogar Morddrohungen. Dabei hat er als AL Politiker stets deutlich gemacht, dass er Gewalt in jeder Form ablehnt. Die Umweltpolitik ist auch in seiner Zeit als Politiker eines seiner Hauptanliegen, wofür er mit Beharrlichkeit und Vehemenz eintritt. Themen sind vor allem die Autobahn Tegel und das Kraftwerk Reuter.
Doch das wissenschaftliche und politische Arbeiten für den Umwelt- und Naturschutz genügt ihm nicht, sein Engagement reicht weiter. So ist er Mitbegründer der Zeitschrift "NATUR" und des "Institutes für Ökologische Wirtschaftsforschung“ (IÖW), meldet sich mit kritischen und fachkundigen Beiträgen zu Wort. Er schreibt in der "ZEIT", den "Frankfurter Heften", der "Politischen Ökologie", der "Politik und Zeitgeschichte" und vielen anderen Publikationen zu dem Thema, dass ihm besonders am Herzen liegt - der Umweltpolitik. Seit 1999 ist er Mitglied des Sachverständigenrates für Umweltfragen, des zentralen Beratungsgremiums der Bundesregierung zu diesem Thema.
Sein 1986 erschienenes Buch "Staatsversagen Die Ohnmacht der Politik in der Industriegesellschaft" gehört zu den Klassikern der umweltpolitischen Literatur und wurde in drei Sprachen übersetzt. „Notwendige Änderungen“, so stellt er in „Staatsversagen“ fest, „sind nach meinen eigenen Erfahrungen ohne Politik von unten nur schwer denkbar. Dazu ist das Innovationspensum zu gewaltig. Es gibt keine Instanz, die dem Bürger diese Aufgabe abnimmt. Was wir nicht selbst verhindern, wird nicht verhindert. Was wir nicht selbst unter Veränderungsdruck setzen, bleibt unverändert.“
Und weil er selbst weiterhin innovativ sein und Veränderungsdruck erzeugen möchte, hat er mit seiner Berufung in den Vorstand der Stiftung Naturschutz ein weiteres Ehrenamt übernommen. Er möchte sich vor allem für konkrete Projekte in der Stadt engagieren. Zum Beispiel für ein Anliegen, das ihn seit langem bewegt: Berlin zu einem Naturerlebnis für Touristen zu machen. Die Stadt verfüge über ein gewaltiges grünes Potenzial, sagt Martin Jänicke. Ein Potenzial, das erlebens- und schützenswert gleichermaßen sei, das man aber auch ins Bewusstsein rücken müsse. Und genau hierbei könnte die Stiftung eine wichtige, mobilisierende Rolle spielen.
Autorin: Heidrun Grüttner, Februar 2006
