
Marianne Weno

Marianne Weno
Mitglied des Vorstandes von 2000-2005
Viele kennen sie seit Jahren und Jahrzehnten, und auch den häufigen Besuchern unserer Website ist ihr Name mittlerweile altvertraut. Verständlich, denn seit langem hat Marianne Weno auf der Stiftungshomepage ihren festen Platz. Ihre Handschrift trägt die monatliche Kolumne, in der sie sich kompetent und leidenschaftlich mit aktuellen Umweltfragen auseinandersetzt.
Schreiben ist für Marianne Weno Teil ihres Umweltengagements. Sie greift zur Feder, um sich Luft zu machen, um ihre Empfindungen, ihre Vorstellungen und Bedenken zu Papier zu bringen und um anderen verständlich mitzuteilen, was sie in der Umweltpolitik bewegt. Sie ist zugleich aber auch eine Frau der Tat, eine streitbare Umweltschützerin, die sich seit vielen Jahren vor Ort gemeinsam mit Gleichgesinnten der Naturzerstörung in ihrer Heimatstadt entgegenstellt und die so erheblichen Anteil am Entstehen einer breit gefächerten Berliner Umweltbewegung hat.
In die Wiege gelegt war der ihr diese Entwicklung freilich nicht. Zwar habe sie, wie selbst sagt, schon als Schulkind während eines zweijährigen Aufenthalts in einem brandenburgischen Dorf die Natur für sich entdeckt und seitdem als unverzichtbaren Teil ihres Lebens betrachtet, dann aber eine berufliche Entwicklung eingeschlagen, die mit Natur und Umwelt im Grunde wenig zu tun hat. Nach dem Abitur studierte sie zunächst Humanmedizin an der Freien Universität, wechselte nach dem Physikum zur Philosophischen Fakultät und arbeitete als freie Mitarbeiterin der Dramaturgie an einem Berliner Theater, für einen Schulbuchverlag und als freie Journalistin und Übersetzerin. In den 60er Jahren machte sie sich mit einem eigenen Theaterverlag selbstständig. Schwerpunkt ihrer Arbeit war die skandinavische Dramatik.
Den Anstoß, sich aktiv und intensiv dem Thema Umwelt zuzuwenden, gab das 1980 erschienene Buch "Energiewende", in dem das Freiburger Öko-Institut Wege zu einer Energieversorgung ohne Atomkraft und mit weniger fossilen Brennstoffen aufzeigte. "Erst jetzt", so sagt Marianne Weno, "wurde den meisten von uns bewusst, dass es nicht nur notwendig, sondern auch möglich ist, sich erfolgreich gegen die Zerstörung von Lebensräumen, gegen den schleichenden Tod der Natur zur Wehr zu setzen." 1982 trat sie dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) bei und zwei Jahre später dem Redaktionsstab der von der Berliner Aktionsgemeinschaft gegen das Waldsterben herausgegebenen "Berliner Luft-Zeitung", deren Ausgaben sie mit ökologischem Sachverstand und journalistischem Talent entscheidend prägte. "Meine besten Artikel", so gesteht sie im Rückblick, "waren die, die ich mit größter Wut geschrieben habe."
Begleitet wurde ihre journalistische Arbeit durch eine Vielzahl weiterer ehrenamtlicher Aktivitäten im Umfeld ihres Wohngebietes Zehlendorf. Sie gehörte zu den Mitinitiatoren der 1986 gestarteten Kampagne für eine autofreie Havelchaussee, engagierte sich für den Naturschutz auf der stillgelegten Mülldeponie in Wannsee und kämpfte für den Erhalt der durch Autobahnanschluss, Gewerbegebiet und Wohnsiedlungen bedrohten Parforceheide im Südwesten Berlins. Gemeinsam mit anderen Naturschützern gründete sie das Bündnis gegen den Havelausbau und den "Energiepolitischen Ratschlag", in dem mehrere Verbände und Initiativen über Jahre für eine andere Energiepolitik zusammenarbeiteten.
1997 wurde Marianne Weno für ihre besonderen Verdienste um den Umwelt- und Naturschutz in der Hauptstadt der Victor-Wendland-Ehrenring, der größte Naturschutzpreis Berlins, verliehen. Seit 2000 ist sie Mitglied des Vorstandes der Stiftung Naturschutz. Beides, die Ehrung wie das Ehrenamt, betrachtet sie als Verpflichtung und Ansporn, auch im vorgerückten Alter weiterzumachen. "Ich will mir nicht vorwerfen, nicht genug getan zu haben", sagt sie und verweist auf die nach wie vor großen ökologischen Defizite im Erscheinungsbild der Stadt - auf die fortschreitende "Verdichtung" der Innenbezirke, auf die zunehmende Verdrängung des städtischen Grüns und das Fehlen vernünftiger Konzepte gegen den wachsenden Autoverkehr und die damit verbundene Verschmutzung der Luft.
Deshalb, so meint sie, dürfe man nicht nachlassen, auf diese Defizite hinzuweisen; und deshalb müsse das Ringen um eine bessere Umweltpolitik eine ständige Herausforderung für alle sein, die um das Wohl der Stadt besorgt sind. In besonderer Weise natürlich für die, die sich als aktive Naturschützer verstehen. An deren Zusammenarbeit zu appellieren wird Marianne Weno nicht müde. Sie ist, wie in der Laudatio zur Wendland-Preisverleihung hervorgehoben wurde, eine "Frau der Bündnisse", eine Person des Ausgleichs, der das noch immer vorhandene Konkurrenzdenken mancher Verbände und Initiativen Kummer bereitet, weil es die nicht eben starke Lobby der Umweltschützer schwächt. "Würden alle, die sich im Umweltschutz engagieren, an einem Strang ziehen, dann könnten sie ganz kräftig Druck machen", sagte sie einmal in einem Interview - eine Aussage, die bei allem Vorbehalt doch eine Menge Zuversicht ausstrahlt.
Was nicht verwundert; denn auf eine Feststellung legt Marianne Weno Wert: Sie ist keine Öko-Pessimistin. Sie glaubt daran, dass jeder lern- und überzeugungsfähig ist, auch was den Natur- und Umweltschutz betrifft. Wie anders ließe sich erklären, dass sie immer wieder neu versucht, die Menschen aufzuklären, sie nachdenklich zu machen und zu motivieren. Auch mit der Kolumne, die sie jeden Monat auf der Stiftungshomepage publiziert.
Autor: Horst Walligora, Januar 2005
