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Marion Platta, MdA
Fraktion Die Linke des Abgeordnetenhauses von Berlin
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Marion Platta, MdA
Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Naturschutz Berlin
Schon in ihrer Jugend träumte sie davon, Häuser zu bauen. Häuser mit Wohnungen, in denen sich Familien wohlfühlen, in denen Nachbarschaft gelebt werden kann, deren Miete für alle erschwinglich ist. Mit 16 beginnt sie deshalb in Berlin eine Ausbildung zur Betonwerkerin mit Abitur und lernt, wie die Platten produziert werden, aus denen dann später Neubaumaßnahmen in Friedrichshain, Lichtenberg und an vielen anderen Orten Berlins realisiert werden.
„Es war spannend“, sagt sie, „diese riesigen Bauteile zu fertigen, sie aus einzelnen Schichten entstehen zu lassen. Und es ist toll, wenn man abends sieht, was man erreicht hat.“ Doch das Fertigen der Bauteile genügt ihr nicht, sie will stärker mitgestalten, mehr Verantwortung übernehmen. Sie studiert „Technologie der Bauproduktion“ und beginnt im Alter von 24 Jahren als Ingenieurin in einem Büro für Architektur und Entwurf mit der Projektierung eigener Vorhaben im Wohnungsbaukombinat, Bereich „Innerstädtischer Wohnungsbau“. Sie ist ihrem Traum ein ganzes Stück nähergekommen. Unter ihrer Betreuung entstehen u. a. Gebäude im südlichen Teil der Frankfurter Allee in Friedrichshain.
Dass es nicht genügt, Häuser zu bauen, um ihren Traum wahr werden zu lassen, ist ihr bewusst. „Nachbarschaftliches Engagement, Kiezverbundenheit und soziales Engagement kommen nicht immer von allein. Dazu braucht es Unterstützung, Vorbilder, Anschub.“
Marion Platta engagiert sich daher frühzeitig in einem Wohnbezirksausschuss in Lichtenberg und später als dessen Vorsitzende organisiert sie Einsätze für Putzaktionen im Wohngebiet und den Vorgärten, setzt sich für die Sekundärrohstoffsammlung im Bezirk ein und arbeitet in der Kommission „Naherholung“ der Stadtbezirksversammlung mit, die für die Kleingartenarbeit, Grünflächen und Parkanlagen verantwortlich ist. Es geht ihr um ein gutes Zusammenleben innerhalb des Wohnbezirks, das positive Zusammenwirken der Kräfte. Um einen Ausgleich zwischen Freiräumen und Wohnräumen, um eine positive Stadtentwicklung. Und sie ist überzeugt, dass es funktioniert hat. „Niemand wurde allein gelassen, der Zusammenhalt stimmte. Das war anders als heute.“
Die politische Wende, die Öffnung der Mauer, wird für sie zu einer großen Herausforderung. Am Freitag, dem 10. November 1989, einen Tag nach der Öffnung der Grenzen, geht sie ganz normal zur Arbeit auf die Baustelle. Die für diesen Tag anberaumte Besprechung muss jedoch ausfallen – die meisten Arbeiter sind nicht erschienen, weil sie noch nachts in den Westen gefahren sind. Es dauert allerdings eine Weile, bis Marion Platta sich zu einem Besuch in den Weststeil ihrer Heimatstadt aufmacht. Und obwohl sie innerlich vorbereitet war auf das, was sie erwarten würde, ist sie von den ersten Eindrücken überrascht. „Einerseits war da unglaublich viel Glanz und Glamour – auch offensichtlicher Reichtum. Gleichzeitig haben uns die Obdachlosen auf dem Bahnsteig angesprochen und gebettelt. Diese krassen Widersprüche musste ich erst einmal verarbeiten.“ Ihrem politischen Engagement bleibt sie treu. Sie engagiert sich weiterhin auf bezirklicher Ebene. 1990 wird sie in die BVV Lichtenberg gewählt.
2004 geht das Architekturbüro, bei dem sie arbeitet, in die Insolvenz. Marion Platta nutzt die Zeit, um ein Zusatzstudium zu beginnen. Gebäudeschutz und -sanierung, vor allem aber auch Fragen der Wärmedämmung und Energiesparmaßnahmen an Gebäuden sind Themen, die sie interessieren. „Jede Wärmedämmmaßnahme ist ein echter Beitrag zum Klimaschutz“, stellt sie fest, „und hier gibt es noch ein riesiges Potenzial allein im öffentlichen Bereich: Schulgebäude, Kitas, Krankenhäuser, Rathäuser – hier kann der Staat einen nicht unbeträchtlichen Anteil zum Klima- und Ressourcenschutz leisten.“
Das Thema liegt ihr so am Herzen, dass sie nach Abschluss des Zusatzstudiums freiberuflich in der Gebäudeenergieberatung und der Sanierungsplanung tätig wird. Zeitgleich mit dem Beginn ihrer neuen beruflichen Tätigkeit wird sie von ihrer Partei, der Linkspartei.PDS, gebeten, bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus 2006 zu kandidieren. Für Marion Platta keine einfache Entscheidung, denn sie muss sich nicht nur beruflich umorientieren. Auch privat wartet eine neue Herausforderung auf sie – die 45Jährige wird zum zweiten Mal Mutter. Ihre Tochter Miriam wird am 10. Mai 2006 geboren, vier Monate vor der Wahl. Dennoch besteht für sie kein Zweifel, dass sie antreten möchte. „Ich wusste, dass ich meine Familie an meiner Seite habe, mich auf sie verlassen kann. Sonst hätte ich nicht kandidieren können.“
Als umweltpolitische Sprecherin ihrer Fraktion möchte sie Stadtentwicklungsthemen, wie die Verbindung des Konzeptes der sozialen Stadt mit den Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung, auf den Weg bringen, die Arbeit des Liegenschaftsfonds zur schnelleren Verwertung von Immobilien und Grundstücken konkretisieren, die Grundlagen für Zwischennutzungen von Brachen voranbringen. Auch Umweltthemen, wie die Kontrolle der Auswirkungen der neuen Baumschutzverordnung, liegen ihr am Herzen. Besonders aber das Aufspüren von Einsparpotenzialen und der Ausbau des Einsatzes erneuerbarer Energien sind Themen, die sie beschäftigen.
Auch für ihr neues Amt als Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Naturschutz Berlin hat sie sich einige Ziele gesetzt. „Die Stiftung muss zuallererst finanziell abgesichert werden. Zudem sollte sie ihre wichtige Rolle in der Umweltbildung weiter ausbauen. Hier sehe ich eine der wesentlichsten umweltpolitischen Aufgaben der Zukunft. Die Stiftung ist auf diesem Gebiet bereits sehr gut aufgestellt. Dies gilt es zu sichern und auszubauen.“
Und ihr alter Traum? Sie lächelt. „Es ist auch eine schöne Aufgabe, Häuser im Energiebereich auf den neuesten Stand zu bringen.“ Sie wäre schon froh, wenn nicht noch mehr der Plattenbauten zum Abriss freigegeben würden. „Es tut weh zu sehen, dass viele der Wohnhäuser abgerissen werden, statt sie den geänderten Wünschen und Bedürfnissen anzupassen.“ Und nicht ohne Stolz fügt sie hinzu: „Meine Projekte stehen allerdings alle noch.“
Autorin: Heidrun Grüttner, Dezember 2007
