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Kontakt

Manfred Schubert

Manfred Schubert


Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz e.V. (BLN)
Potsdamer Str. 68
10785 Berlin

Tel: (030) 26 55 08 64
Fax: (030) 26 55 12 63
Email: manfred.schubert(at)bln-berlin.de

 

Manfred Schubert

Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Naturschutz Berlin

Großstadtkinder haben es gewöhnlich schwer, ein Gefühl für Natur zu entwickeln. Auch Manfred Schubert brauchte seine Zeit. Gut 15 Jahre war der junge Kreuzberger alt, als er seine Liebe zu dem entdeckte, was seinen Lebensweg bestimmen sollte. Als Gymnasiast hatte er an einer Exkursion seiner Kirchengemeinde ins Hamburger Umland teilgenommen, zu einem Projekt der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, an dem mitzuwirken sich die Gruppe vorgenommen hatte. Die Arbeit im Grünen faszinierte ihn. Sie ließ ihn Dinge entdecken, die er zuvor nicht wahrgenommen hatte, die seine Wissbegierde weckten und den Wunsch, sich intensiv mit der Natur, ihrem Werden und Wachsen zu beschäftigen.

Dass Biologie zu seinem schulischen Lieblingsfach wurde, ist, so gesehen, nur folgerichtig. Ebenso wie die - durch seine Lehrerin mitmotivierte - Entscheidung, Biologie als Studienfach an der Freien Universität Berlin zu wählen. Für ihn persönlich, sagt er, war dabei vor allem eines wichtig: Sein Studium sollte praxisorientiert und umweltbezogen sein; es sollte eine unmittelbare Beziehung zur Natur besitzen.

Seinen Wunsch erfüllte sich Manfred Schubert mit der Spezialisierung auf die Bereiche Ökologie und Limnologie, zwei Fachgebiete, die nicht nur das Thema seiner 1978 geschriebenen Diplomarbeit bestimmten - „Die saisonale und vertikale Verteilung der Cyclopiden im Pelagial des Heiligensees“ -, sondern auch seine spätere Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter im TU-Fachbereich Landschaftsentwicklung. In engem Kontakt mit Manfred Krauß, dem Träger des Wendland-Ringes 2004, arbeitete er u. a. an einem Gutachten über die Wiederansiedlung von Röhricht an den Berliner Havel- und Seeufern. Er untersuchte den Zustand von rund 40 zu Naturdenkmalen erklärten Kleingewässern,
gab Empfehlungen zu Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen und war an einer Reihe von Gewässersanierungsprojekten, so u. a. im Tegeler See und im Flughafensee, beteiligt.

Eine starke Ausweitung erfuhr sein Betätigungsfeld mit der Wende in der DDR. Gefördert vor allem durch seinen damaligen Fachgebietsleiter Prof. Dr. Wilhelm Ripl, intensivierten sich die Kontakte zur Berliner Humboldt-Universität. Vereinbart wurde u. a., Gewässeruntersuchungen im Ostteil der Stadt und im Brandenburger Umland gemeinsam in Angriff zu nehmen – für Manfred Schubert, dem die logistische Sicherstellung der Arbeiten übertragen wurde, eine Herausforderung besonderer Art. „Rund 200 Schatztruhen“, so sagt er, „wurden in dieser Zeit von uns geöffnet, darunter so große Gewässer wie der Müggel- und der Wolziger See, wie der Parsteiner See und ein Teil der Gewässer im Ruppiner Land.“

Unter dem Aspekt des Naturschutzes sind für Manfred Schubert vor allem jene Projekte erwähnenswert, die er während seiner TU-Zeit im Rahmen des Studiums für Landschaftsplaner betreute und die allesamt ein Ziel erfolgten: die Auswirkungen von Bauvorhaben auf die Landschaft zu untersuchen. Die Projekte betrafen zum Teil hochsensible Regionen, wie den Spreewald und das Schlaubetal, die heute den offiziellen Status von Großschutzgebieten besitzen. In allen Fällen wurden nicht nur gründliche Analysen der Naturausstattung vorgenommen, sondern auch konkrete Vorschläge unterbreitet, um die negativen Auswirkungen der Bauvorhaben in Grenzen zu halten.

1992 ging für Manfred Schubert das befristete Anstellungsverhältnis an der TU zu Ende. Es folgten einige Monate Arbeitslosigkeit, ehe sich eine neue berufliche Chance eröffnete. Im GRÜNSTIFT, dem Umweltmagazin der Stiftung Naturschutz, war die Stelle eines Geschäftsführers der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz (BLN), des Dachverbandes von 15 Natur- und Umweltschutzverbänden, ausgeschrieben worden – eine Tätigkeit, für die der naturverbundene, fachlich qualifizierte und organisatorisch erfahrene Diplombiologe beste Voraussetzungen mitbrachte.

Seit dem 1. September 1993 ist Manfred Schubert in dieser Funktion tätig, koordiniert er die Arbeit der Berliner Naturschutzvereine untereinander und gegenüber den Behörden. In seinen Aufgabenbereich fallen Stellungnahmen zu Landschaftsplan-Entwürfen, zum Flächennutzungsplan, zum Landschafts- und Artenschutzprogramm, zu Plangenehmigungs- und -feststellungsverfahren, zu Bauplänen und Eingriffen in Natur und Landschaft. Eine breite Palette, die nicht nur ein immenses Arbeitspensum einschließt, sondern auch Ergebnisse recht unterschiedlicher Art mit sich bringt - Erfolgserlebnisse genauso wie Enttäuschungen. Zu den glücklichen Momenten seiner Arbeit zählt Manfred Schubert den erst kürzlich erfolgten vorläufigen Baustopp für die geplante Trasse der Altstadtumfahrung Köpenick oder die Rücknahme der Fällgenehmigung für ein Naturdenkmal in der Georgenkirchstraße (Friedrichshain) – Erfolge, die zwar Rückschläge wie den Bau des Tiergartentunnels nicht aufwiegen mögen, ihm aber dennoch eine Bestätigung dafür sind, dass seine Arbeit nicht umsonst und seine Zuversicht nicht unbegründet ist.

Im Moment besitzt für Manfred Schubert vor allem ein Anliegen hohe Priorität: die Novellierung des Berliner Naturschutzgesetzes. Gemeinsam mit den Verantwortlichen in den Verbänden setzt er sich dafür ein, dass der Gesetzentwurf, in dem viele Forderungen der Naturschützer berücksichtigt wurden, unverändert durchs Parlament gebracht wird. Sein zweiter großer Wunsch ist gleichzeitig ein ganz persönlicher: Es geht ihm darum, bei der vorgesehenen Aufstellung des Friedhofsentwicklungplanes den Belangen des Naturschutzes in möglichst hohem Maße Rechnung zu tragen. „Friedhöfe“, so sagt er, „sind wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Und das sollen sie bleiben, auch wenn einige von ihnen künftig nicht mehr als Begräbnisstätten dienen.“

Was bleibt einem Menschen, der sich, wie Manfred Schubert, so ganz dem Naturschutz verschrieben hat, der ihn nicht nur beruflich vorantreibt, sondern auch in vielen ehrenamtlichen Funktionen – u. a. als Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Naturschutz – aktiv mitgestaltet, als Ausgleich im privaten Leben? Die Antwort fällt nicht schwer: Natürlich vor allem die Freude an der Natur! Neben Tanzen, so sagt der heute 53-Jährige , sei Gartenarbeit sein liebstes Hobby. Hier finde er Ruhe, Freude und Entspannung. Hier finde er nicht zuletzt aber auch jenen direkten Kontakt zur lebendigen Natur, der ihn als jungen Gymnasiasten so zukunftprägend faszinierte und den er heute im Berufsalltag doch manchmal ein bisschen vermisst.

Autor: Horst Walligora, April 2005