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Lothar Stock

Lothar Stock

 
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt
- III A -
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 10179 Berlin
 
 Tel: (030) 90 25 - 24 00 
 Fax: (030) 90 25 - 25 10 
 E-Mail: lothar.stock(at)senguv.berlin.de

Lothar Stock

Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Naturschutz Berlin

Lothar Stock ist Frühaufsteher. Am Wochenende, wenn sich Frau und Tochter noch einmal in ihre Decken kuscheln, verlässt er leise, den Golfschläger im Gepäck, das Haus. Gegen 7.00 Uhr steht er bereits auf dem menschenleeren Golfplatz. Allein ist er dort allerdings nicht. „Gerade um diese Zeit sind viele Tiere unterwegs“, schwärmt er, „und manchmal begleitet mich ein Fuchs“. Man spürt, dass ihm diese Naturerlebnisse viel bedeuten.

Dabei hat der Berliner Junge, der 1955 geboren wird und in Neukölln aufwächst, seine Liebe zur Natur erst spät entdeckt.  Als Kind einer Arbeiterfamilie beschäftigen ihn vor allem soziale Fragen. Als der Vater arbeitslos wird und die Familie noch sparsamer leben muss, spürt er, dass eben nicht alle die gleichen Chancen haben. Das erträumte Studium der Politik-wissenschaften rückt trotz guter Schulnoten in weite Ferne. Mit 16 Jahren - er besucht zu dieser Zeit die Fritz-Karsen-Gesamtschule -  tritt er in die SPD ein. Es dauert jedoch nicht lange, bis er mit seiner Partei in Konflikt gerät. Hintergrund ist deren Beschluss, sich von Mitgliedern, die mit Kommunisten zusammenarbeiten, zu trennen. Für ihn als Landesschulsprecher eine schwerwiegende Entscheidung, denn in den Schülerparlamenten sind die Mitglieder der Freien Deutschen Jugend West-Berlins zahlreich vertreten. Er müsste sein Amt niederlegen, um den Beschluss einzuhalten. Das aber tut er nicht. Die Partei reagiert hart. Sie schließt das junge Mitglied 1973 aus. Auch wenn Ilse Reichel, damals Senatorin für Familie, Jugend und Sport, dafür sorgt, dass er wieder in die SPD zurückkehren kann, ist es mit seinem Parteienthusiasmus erst einmal vorbei. Um sich selbst und seiner Herkunft treu zu bleiben, wird er 2001 wegen der Wirtschafts- und Sozialpolitik Gerhard Schröders sein Parteibuch von sich aus zurückgeben. Zunächst aber muss er sich sowieso aufs Abitur konzentrieren, auch und vor allem auf die ungeliebten Fächer. „Mathematik und Physik waren Horror für mich“, bekennt er. Damals ahnt er noch nicht, wie sehr der Umgang mit Zahlen sein weiteres Leben prägen wird. Biologie war auch nicht seine Stärke. Dass er dennoch in Biologie sehr gut abschneidet, liegt nicht zuletzt an seinem Lehrer, der, wie er sagt, in der Lage war, gut zu erklären. Der Bio-Lehrer drückt ihm auch den Bericht des Club of Rome über die Grenzen des Wachstums in die Hand. Ein Buch, das prägend für sein späteres Engagement ist. Seinem Lehrer wird er später wieder begegnen. In der Stiftung Naturschutz Berlin sogar regelmäßig; denn Dr. Landsberg-Becher ist ihr Vorstandsvorsitzender.

Weil der Vater arbeitslos ist, muss Lothar Stock nach der Schule zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. So studiert er an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege. Hier bekommt er als „Beamter auf Probe“ ein Gehalt. Mit dem Diplom als Verwaltungswirt in der Tasche beginnt für ihn 1979 das Berufsleben als Sachbearbeiter bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft und Verkehr. Politik wird woanders gemacht – ohne ihn. Das schmerzt. Deshalb bewirbt er sich vier Jahre später als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus – und bekommt den Job. Nun ist er zuständig für eine Vielzahl von Ausschüssen, darunter auch die für Stadtentwicklung und Umweltschutz, für Wirtschaft  sowie für Bau- und Wohnungswesen. Wenn man ihn fragt, ob er die Erfahrungen aus der Verwaltungsarbeit in diesen Job irgendwie einbringen konnte, lächelt er verschmitzt. „Den Abgeordneten wird vonseiten der Verwaltung gern gesagt, was nicht geht. Ich konnte ganz gut einschätzen, wo nur geblockt wurde.“

Umweltpolitischer Sprecher der Fraktion ist zu dieser Zeit Dr. Norbert Meisner. Die Zusammenarbeit mit ihm verläuft nicht nur sehr erfolgreich, sie ist auch durch ein besonderes Vertrauensverhältnis gekennzeichnet. Als Meisner 1989 in der rot-grünen Koalition Senator für Finanzen wird, macht er Stock zum Leiter des Senatorenbüros. Eine besondere Herausforderung für einen Mann, dem die Liebe zu Zahlenwerken nicht in die Wiege gelegt worden ist. „Haushaltsrecht war anfangs schrecklich“, gibt er zu, „aber ich habe mich reingefuchst“. Früh aufstehen lohnte sich auch in diesem Fall. Auf seine weitere Karriere wird diese Zeit große Auswirkungen haben. Die Themen Haushaltsrecht und Haushaltswirtschaft werden ihn nicht mehr loslassen. Zunächst nutzt ihm das neue Wissen, als Meisner 1990 Senator für Wirtschaft und Technologie wird und ihn erneut zu seinem Büroleiter macht. Es ist für beide ein neues Themengebiet. Wieder liegt eine intensive Einarbeitungszeit vor dem Duo, dessen Wege beruflich noch drei Jahre eng verbunden bleiben. „Ich habe immer gesagt, dass ich nicht länger als vier Jahre ein Senatorenbüro leiten möchte“, sagt Stock. Und weil er jemand ist, der auch meint, was er sagt, sucht er 1993 nach neuen Herausforderungen. Es zieht ihn zurück in die Verwaltung und zu einem Themengebiet, dass er seit seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter der SPD-Fraktion nie aus den Augen verloren hat – die Ökologie.
Zunächst wird er Leiter des Referats Ökologische Wirtschaftspolitik in der Senatsverwaltung für Wirtschaft und Technologie. 1996 wechselt er erneut – diesmal zur Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Hier übernimmt er ein Referat, das heute der Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz zugeordnet ist. Nunmehr ist er zuständig für Umweltpolitik, Umweltförderung, EU- und überregionale Angelegenheiten. Und auch hier kann er seine haushalterischen Kenntnisse bestens gebrauchen. Zu seinem Job gehört es, EU-Gelder zur Umweltförderung einzuwerben und vorrangig an Betriebe zur Ökologisierung ihrer Produktion zu vergeben. Eine Aufgabe, die ihm unerwartet viel Kreativität abverlangt. Gibt es anfangs Probleme damit, dass die damals zuständige Investitionsbank Berlin die Anträge zu langsam bearbeitet und auf diese Weise Fördergelder verloren gehen, fehlt später den Unternehmern wegen der schlechten Wirtschaftslage der Investitionswille. Doch Stock weiß sich und dem Land zu helfen indem er sich Peter Strieders Maxime „Öffentliches Geld für öffentliches Eigentum“ zu eigen macht. Als er mitbekommt, dass die Berliner Kindergärten marode Heizungen und undichte Dächer haben, setzt er die Mittel kurzerhand für Investitionen in Gründächer und moderne, energiesparende Heizungstechnik ein. So ist allen geholfen: Das Land zahlt weniger, da es nur einen Eigenanteil leisten muss, die Kitas werden saniert und die Fördermittel einem sinnvollen, umweltgerechten Zweck zugeführt. Zeitungen feiern ihn als „Kita-Retter“. Auf die Frage, wann er auf solche Ideen kommt, lächelt er nur. Ach ja – er ist Frühaufsteher.

Autorin: Heidrun Grüttner, Januar 2009