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Gunter Strüven
Die NaturFreunde Berlin e.V
Ringstr. 76 - 77
12205 Berlin
Tel: (030) 833 20 13
Fax: (030) 83 20 39 11

Gunter Strüven
Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Naturschutz Berlin
„Nur wenn ich die Natur erlebe, kann ich sie lieben, und nur wenn ich sie liebe, habe ich die Kraft, sie zu schützen.“ Dieses Motiv zieht sich durch Gunter Strüvens Leben wie ein roter Faden. Natur erleben und Natur schützen - wie kann das gleichzeitig gelingen? Ökologisch, ökonomisch und sozialverträglich denken und handeln. Wo gibt es Lösungen, die diesem Prinzip der Nachhaltigkeit dienen?
Der gebürtige Schleswig-Holsteiner, Jahrgang 1960, gehört zu der Generation von Wahlberlinern, die auf der Suche nach lebenswerten Alternativen „hier hängen geblieben“ sind und die Stadt mit ihren vielen Möglichkeiten für kreative und unangepasste Geister nicht mehr missen möchten. „Wenn schon Stadt, dann Berlin!“
Strüven ging an die Technische Universität Berlin, weil es den Studiengang Technischer Umweltschutz nur hier gab. „Die Passion zum Umweltschutz muss wohl in meiner Kindheit entstanden sein“, sagt er. „Auf dem überfluteten Moor nahe unseres Dorfes sind wir im Winter Schlittschuh gelaufen. Und im Sommer habe ich Stichlinge im Bach gefangen.“ Die Moore wurden im Zuge der Flurbereinigung entwässert und der Autobahnbau störte später den weiten Blick zum Horizont.
In Erinnerungen schwelgt der Diplomingenieur, der heute als selbstständiger Energieberater arbeitet, allerdings nicht lange. Gleich ist er wieder im Heute: „Ich bin eher Pragmatiker und immer interessiert an machbaren Lösungen.“ Ihn würde auch heute das Leben in einem Dorf nicht mehr reizen. „Es ist inzwischen nicht mehr viel anders als das Leben in der Stadt, nur ohne deren Vorteile.“ Aber die Notwendigkeit vor allem für Kinder, Natur emotional und mit allen Sinnen zu erleben, steht für ihn außerhalb jeder Diskussion. „Es ist sicher wichtig, Umweltwissen über Kindergarten und Schule zu vermitteln. Aber eine tiefere Einsicht geschieht nur, indem wir unseren Kindern auch emotionale Naturerlebnisse ermöglichen.“ Gesagt, getan. Und so trugen er und seine Frau ihre beiden kleinen Kinder zunächst im Rucksack durch die Gegend, nahmen sie mit ins Kanu und wanderten später mit ihnen geduldig durch die Berge. Jeder umgestürzte Baum, jeder Bach und jeder Felsblock bot Anlass zu längeren Aufenthalten. Ein Lagerfeuer war gelegentlich der krönende Abschluss des Tages.
Kinder sind ihm auch ein vordringliches Anliegen bei den Naturfreunden, deren stellvertretender Vorsitzender er ist. Als begeisterter Kanute, der als Jugendlicher auf der Schlei paddelte und nach der Wende das Berliner Umland auf dem Wasser erkundete, lernte er die Naturfreunde ausgerechnet in den Schweizer Alpen bei einer Kinderskifahrt kennen. Erst nach und nach wurde ihm klar, dass dieser Verein das Thema Naturschutz im Programm hat, sich als politische Bewegung gegen Atomkraft und für Friedenspolitik versteht und viele Aspekte von Nachhaltigkeit bereits seit langem in der Satzung verankert hat.
Strüvens Engagement brachte ihn in die Gremienarbeit des Verbandes. Drei Jahre lang leitete er ehrenamtlich das stadtnahe Naturfreundehaus Hermsdorfer Fließtal, wo derzeit ein Projekt entsteht, das Strüven ebenfalls am Herzen liegt: die interkulturellen Gärten. Gärtnerisch ambitionierte Menschen mit Migrationshintergrund gestalten gemeinsam mit Deutschen und unter Betreuung der Naturfreunde zahlreiche Parzellen nach ihrer „Länderart“. Als Energieberater arbeitet er zudem an der energetischen Sanierung des Naturfreundehauses in Berlin-Lichterfelde: Wärmedämmung und ein Blockheizkraftwerk - betrieben mit Pflanzenöl? Wie verträgt sich der vermehrte Rapsanbau bei uns oder der Palmölanbau in den Tropen mit Kriterien der Nachhaltigkeit? Schon wieder Fragen, in denen sich Naturschutz und Naturnutz erneut gegenüber stehen und die verantwortungsbewusst abgewägt werden müssen.
„Der Mensch kann aus der Natur nicht ausgeschlossen werden, als Teil der Natur wird er sie immer auch beeinflussen, verändern und stören. Wir brauchen beides: Tabubereiche zum Schutz der Natur und geschützte, nicht gestaltete Natur, um sie emotional zu erleben. Da suche ich immer nach Mittelwegen – ohne faule Kompromisse.“
Autorin: Anke Kuckuck, Januar 2007
