
Delia Hinz

Delia Hinz
Mitglied des Stiftungsrates von 1996-2006
Sie schüttelt die Hand, nimmt Platz und ist bereits bei der Sache, freundlich, konzentriert. Später wird sie an der Verleihung des Umweltpreises an einer Oberschule teilnehmen, mit dem Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen ein Gespräch über eine Gesetzesänderung führen und anschließend zu einer Beratung im PDS-Bezirksvorstand Pankow weiterfahren.
Delia Hinz ist umweltpolitische Sprecherin der PDS-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. Sie begleitet eine Vielfalt von Vorhaben, angefangen von der Berliner Agenda 21, die noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet werden soll, über das Abfallwirtschafts konzept bis hin zur Sicherung von Kleingartenanlagen in Flächennutzungsplänen.
Lange davor war da noch die ehrenamtliche Mitarbeit in der Bürgerinitiative U-Bahn-Bau und in der Pankower Kiezinitiative, die sie 1998 ins Leben gerufen hat. Die Erfahrung aus den Initiativen ist die Erdung, die sie für eine bürgernahe Politik im Abgeordnetenhaus braucht.
Wie sie zu alldem gekommen ist? Eigentlich beginnt die Sache mit der Politik mit der Wende. Den Mauerfall hat sie im Fernsehen gesehen und noch gar nicht glauben können, erst einige Tage später fährt sie mit ihrem Sohn in den Westen.
Dann entsteht allmählich das Gefühl, sich nun anders einbringen, Dinge mitgestalten zu können. Lange schon politisch interessiert, aber nicht parteipolitisch aktiv, steht die studierte Chemie-Ingenieurin mit beiden Beinen im Beruf: als Fachfrau, als Abteilungsleiterin für Qualitätsmanagement im Kabelwerk Adlershof, von 1964 bis 1992. Politik ist beruflich gar kein Thema.
Ihr politisches Engagement beginnt im Kiez – als Bezirksverordnete im Wahlkreis Pankow ab 1992. Über die Verkehrspolitik kommt sie zur Stadt entwicklungspolitik, dann zur Flächeninanspruchnahme. 1995 zieht sie für die PDS in das Berliner Abgeordnetenhaus ein, wird Mitglied zweier Enquête-Kommissionen und der Arbeitsgemeinschaften für Umwelt und für Kleingartenwesen in ihrer Fraktion.
Delia Hinz ist Pankowerin. Von hier, sagt sie, würde sie nicht wegziehen wollen. Sie mag ihre Stadt, und sie mag vor allem deren Grünflächen: die Kleingärten, die Naturschutzgebiete ringsherum, die Waldschule Buch. Das Umland, das sie schon als Kind mit ihren Eltern entdeckte, bleibt auch später ihr Ausgleich am Wochenende.
Von daher auch das Interesse am Naturschutz. 1995 wird Delia Hinz von ihrer Fraktion, der PDS, in den Stiftungsrat der Stiftung Naturschutz Berlin entsandt - und ist auch hier engagiert, beharrlich und unprätentiös bei der Sache. Von der Wichtigkeit der Projektförderung und des Freiwilligen Ökologischen Jahres überzeugt, wird sie zur Anwältin der Stiftung im Abgeordneten haus.
Wenn man sie nach ihrem Lebensmotto fragt, lacht sie kurz und überlegt: „Dranbleiben.“ Vielleicht ist es die Kindheit im Osten der Nachkriegszeit, die sie darin geprägt hat – im Dranbleiben, Durchhalten. Diese Eigenschaft ist bestimmend für ihr Leben: 28 Jahre im Kabelwerk, elf Jahre im Abgeordnetenhaus, die Arbeit an der Agenda 21, auch die Arbeit in der Stiftung. Ohne Beharrlichkeit keine Politik. Delia Hinz war es immer wichtig, die Sachen lange zu begleiten. Politik ist für sie eine Bereicherung - die Stadtentwicklung mitzuverfolgen zum Beispiel.
Warum dann also aufhören? Elf Jahre hat sie jetzt Politik gemacht. Jetzt, mit 63 Jahren, möchte sie etwas anderes machen, Zeit für andere Dinge haben. Sich in einem befreundeten Verein für internationale Projekte einbringen, auf Bezirksebene im Themenfeld „Bauen und Wohnen“ wieder aktiver werden, sich vielleicht in die Stiftungsarbeit noch ein wenig mehr einbringen, eine aktive Großmutter sein – sie lacht. Dranbleiben eben.
Autorin: Marianne Henkel, August 2006
