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Christian Muhs

Mitglied des Stiftungsrates von 1996-2009

„Es ist ein ungeheures Glück, wenn man sich beruflich für etwas so Positives einsetzen kann“, sagt Christian Muhs, Leiter der obersten Naturschutzbehörde in der Hauptstadt. Für ihn ist die Arbeit eben mehr als ein Job – auch heute noch – nach über 36 Jahren. Wird man gelassener nach all der Zeit? „Ich bin nicht der Wird-schon-werden-Typ“, räumt er ein, „eher schon der vorausschauende, gewissenhafte Planer.“

Vielleicht ist dies einer der Gründe, warum er 1972 damit beauftragt wurde, eine Friedhofsleitstelle bei der damaligen Senatsbauverwaltung aufzubauen. Muhs sollte einen Missstand beheben, der bereits Demonstrationen wütender Bürgerinnen und Bürger ausgelöst hatte: In sehr kalten Wintern, in denen die Böden besonders tief durchgefroren waren, kam es zumindest im Westteil des geteilten Berlins immer wieder zum Beerdigungsstau. Sogar in
U-Bahn-Schächten wurden die  Särge mit den Toten zwischengelagert, bis es wieder möglich wurde, das Erdreich auszuheben. Für Christian Muhs die Chance, sein planerisches Talent unter Beweis zu stellen. Er arbeitet statistische Daten auf und erfasst die bezirklichen Bestattungskapazitäten, um den Bedarf an Friedhofsflächen für die Stadt zu erstellen. Es ist der Anfang einer erfolgreichen Karriere, eines beruflichen Werdeganges, der zugleich die Geschichte des behördlichen Naturschutzes in Berlin widerspiegelt:

1976 erhält er den Auftrag, ein Naturschutzgesetz zu entwerfen, dass das alte, als Landesrecht geltende Reichsnaturschutzgesetz von 1935 ablösen soll. Drei Jahre später bekommt der Westteil der geteilten Stadt ein modernes Naturschutzgesetz, dessen Geltungsbereich nicht nur Wälder, Grünflächen und „freie Natur“, sondern flächendeckend das gesamte Stadtgebiet umfasst. Der behördliche Naturschutz nimmt seine weitere Entwicklung. Christian Muhs ist einer von drei Mitarbeitern, die sich um den Aufbau dieses neuen Verwaltungsgebietes bemühen. 1981 wird der Naturschutz Teil einer eigenständigen Umweltbehörde mit einem für dieses Gebiet zuständigen Senator. Zunächst ist es Dr. Volker Hassemer, der für zwei Jahre die Geschicke dieser noch jungen Behörde lenkt. Es folgen Horst Vetter, Jürgen Starnick, Michaele Schreyer, Norbert Meisner, Peter Strieder und Ingeborg Junge-Reyer.
Christian Muhs hat mit allen zusammengearbeitet -  gern, wie er betont.  Hervorheben möchte er niemanden. Das liegt ihm nicht.

Ebenfalls 1981 – alle politischen Parteien haben das Thema Umwelt- und Naturschutz für sich entdeckt – wird die Gründung einer Stiftung diskutiert. Wieder ist es Christian Muhs, der sich der Sache annimmt und die Stiftung Naturschutz Berlin mit einem Gesetzentwurf zum Leben erweckt. Es ist ein besonderes Gesetz, denn jeder anerkannte Umwelt- und Naturschutzverband erhält einen Sitz und eine Stimme im obersten Gremium, dem Stiftungsrat. Muhs wird zunächst Mitglied des Vorstandes, später Ratsmitglied und verfolgt mittlerweile 24 Jahre die Geschicke der Stiftung - von der Ein-Mann-Institution bis zur heute etablierten Landesstiftung. „Es ist ein bisschen, als würde man einem Kind bei der Entwicklung zusehen“, sagt er und schmunzelt dabei. „Ich bin froh, dass es so gut geklappt hat. Die Stiftung ist ein Erfolgsmodell, ein fester Bestandteil des Stadtnaturschutzes.“

Christian Muhs ist waschechter Berliner. 1942 in Charlottenburg geboren -  zu einer Zeit, in der die Stadt gerade in Schutt und Asche gelegt wird. Doch die schweren Jahre der Kindheit in den Nachkriegswirren bleiben ihm weniger im Gedächtnis als die zwei Jahre, die er in Australien verbringt. 1952 bricht die Familie zu diesem Abenteuer auf. „Man konnte nicht einfach in einen Flieger steigen. Wir waren fünf Wochen mit dem Passagierdampfer unterwegs.“ Die ersten Tage in der Schule waren abenteuerlich, denn er spricht kein Wort Englisch. Das ändert sich schnell, und der Zehnjährige genießt die Zeit an den riesigen Stränden, das „Übermaß an Landschaft“ und Weihnachten an der See.

Dennoch bleibt er nach der Rückkehr seiner Heimat Berlin treu. Seine Arbeit ist immer nah dran am aktuellen Stadtgeschehen. „Selbst bei der Reichstagsverhüllung war der Naturschutz gefragt“, berichtet er, „denn das Gebäude stellte sich als ein beliebter Brutfelsen heraus.“ Bevor es zur Verhüllung kommen konnte, musste der Reichstag für die nächste Brutsaison unbrauchbar gemacht werden.

Wird er seine Arbeit vermissen, wenn er nächstes Jahr in den Ruhestand geht?
„Gewiss“, antwortet er, „dennoch ist es gut, die Verantwortung auf andere Schultern legen zu können.“ Aber weil er die aktiven Naturschützer – ob amtlich oder ehrenamtlich –  vermissen würde, und weil ihm Berlins Grün viel zu sehr ans Herz gewachsen ist, als dass er einfach so aufhören könnte, möchte er sich weiterhin engagieren. Wo genau, das weiß er noch nicht – aber er möchte nicht wieder zurück an irgendeinen Schreibtisch. „ Ich möchte mehr an der frischen Luft sein und das, was ich schütze, intensiv und hautnah erleben.“ Wo er sich in Berlin einbringen wird, ist noch offen. Sicher ist jedoch, dass er sein Engagement in Gorleben weiterführen wird, wo er eine  Ferienwohnung besitzt und mit seiner Familie viel Freizeit  verbringt. „Ich bin gegen das Endlager in Gorleben. Das habe ich in der Vergangenheit deutlich gemacht, und das wird auch so bleiben.“

Was gibt er seinem Amtsnachfolger mit auf den Weg?
„Es ist ein ungeheures Glück, wenn man sich beruflich für etwas so Positives einsetzen kann. Das sollte man niemals vergessen."

Autorin: Heidrun Grüttner, Oktober 2006