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Dr. Ulrich Grasser
Landesjagdverband Berlin e.V.
Sundgauer Str. 41
14169 Berlin
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Fax: (030) 811 40 22

Dr. Ulrich Grasser
Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Naturschutz Berlin
Seit 1996 gehört Dr. Ulrich Grasser dem Stiftungsrat der Stiftung Naturschutz als Vertreter des Landesjagdverbandes Berlin an, seit kurzem zudem in einer neuen, herausragenden Funktion: Am 11. April dieses Jahres wurde der promovierte Politologe von der Jahreshauptversammlung zum Präsidenten dieses anerkannten Naturschutzverbandes gewählt – eine Entscheidung, mit der die Delegierten, wie er glaubt, nicht nur für die Person Ulrich Grasser votierten, sondern auch ihre Zustimmung zu der von ihm geforderten Verstärkung der Naturschutzkompetenz des Jagdverbandes signalisierten.
Der Natur verbunden ist der heute 61-Jährige seit frühester Kindheit. Noch heute erinnert er sich mit Dankbarkeit an die sorgenfreien Tage, die er nach dem Kriege, nach der Flucht seiner Familie aus der Geburtsstadt Prag im schweizerischen Engadin verbrachte. Hier, wo seine Urgroßmutter inmitten von Bergen und Wäldern ein Haus bewohnte, wo sie jeden Winter Hirsch und Reh mit Futter zu versorgen pflegte, wurde ihm die Liebe zur Natur gewissermaßen eingeimpft. Damals, so bekennt der Präsident des Landesjagdverbandes, waren Jäger ihm ein Graus, waren sie geborene Feinde der Geschöpfe, denen seine Liebe galt. Erst später sei ihm bewusst geworden, dass verantwortungsvoll betriebene Jagd ihre Berechtigung hat, dass sie notwendig ist, um den Wildbestand im Interesse der Natur zu regulieren.
Das allerdings, so fügt er hinzu, bedeute nicht, dass er selbst an jeder Art des Jagens mitzuwirken bereit sei – an einer Treibjagd auf Hasen beispielsweise, die er selbst einmal als junger Jagdhelfer miterlebte und die er seitdem in nicht eben guter Erinnerung hat. Damals, so sagte er, habe er sich vorgenommen, niemals auf einen Feldhasen zu schießen, und diesem Vorsatz sei er bis heute treu geblieben.
Mit dem Eintritt ins Schulalter endet für Ulrich Grasser die Idylle in den Schweizer Bergen. Bedingt durch die häufigen, beruflich bedingten Wohnsitzwechsel seiner Eltern, besucht er mehrere Grundschulen und Gymnasien im In- und Ausland, ehe er 1965 ein Politologiestudium an der Freien Universität Berlin aufnimmt. Dem Erwerb des akademischen Grades „Diplom-Politologe“ folgt 1976 am FU-Fachbereich Politische Wissenschaften die Promotion zum Doktor der Philosophie.
Wichtige Stationen prägen in der Folgezeit den beruflichen Werdegang von Ulrich Grasser. Zu ihnen zählen die Tätigkeit als Alleiniger Geschäftsführer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes (DPW), Landesverband Berlin e. V., des Bevollmächtigten des Berliner Kriegsopferverbandes (VdK) und des Leiters des Berliner Vorbereitungsbüros für die 24. Weltkonferenz des International Council on Social Welfare (ICSW).
Das Jahr 1990 markiert den Beginn seiner Lehrtätigkeit an wissenschaftlichen Hochschulen. Er wird zunächst Lehrbeauftragter, später Dozent für das Fach Politikwissenschaft am Fachbereich 1 der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege (FHVR) in Berlin, übernimmt 1991 eine Reihe von Lehrveranstaltungen am Fachbereich Sozialwissenschaften der Universität Potsdam und, ab 1992, zusätzliche Lehraufträge an den FHVR-Fachbereichen Steuerverwaltungsdienst und Polizeivollzugsdienst. Zeitgleich arbeitet er in einer Reihe akademischer Gremien mit, so u. a. als Mitglied des akademischen Senats der FHVR.
Die Dozententätigkeit endet im Oktober 2003 mit dem vorzeitigen Abschied vom aktiven Dienst – eine Folge der Sparpolitik des Berliner Senats, die keine Immatrikulation von Erstsemestern in dem von ihm betreuten Studiengang „Polizeivollzugsdienst“ mehr zulässt. Derzeit unterrichtet Ulrich Grasser noch gelegentlich an der Verwaltungsschule/Verwaltungsakademie, nutzt dafür aber noch intensiver die Möglichkeit, ehrenamtlich in den unterschiedlichsten Gremien aktiv zu werden. Neben seiner derzeit wichtigsten Funktion als Präsident des Landesjagdverbandes, dem er 1989 beitrat, ist er u. a. als Prüfer bei den Jägerprüfungen des Landes Berlin tätig, wirkt er als stellvertretender Vorsitzender des Jagdbeirates beim Senator für Stadtentwicklung und in der gleichen Funktion bei „Aegintha“ - Bund der Vogelfreunde e.V., Berlins ältestem Vogelliebhaberverein.
Dem Stiftungsrat der Stiftung Naturschutz gehört Ulrich Grasser seit nunmehr fast einem Jahrzehnt an, länger als die meisten Vertreter anderer Gremien. Seine Mitgliedschaft verdankt er seiner damaligen, 1997 mit 43 Jahren frühverstorbenen Lebensgefährtin Annette Frohnecke, die ihn nicht nur überredete, ehrenamtlich im Vorstand des Landesjagdverbandes mitzuarbeiten, sondern ihn auch davon überzeugte, ihre Nachfolge im Stiftungsrat zu übernehmen. Deshalb sei für ihn die Arbeit in diesem Gremium - ebenso wie das Bemühen um eine naturbezogene Jagd in Berlin - mehr als nur ein persönliches Anliegen. Sie sei auch eine Art „kleines Vermächtnis“, das ihm Annette Frohnecke ein Jahr vor ihrem Tode hinterlassen hat.
Zu den Anliegen, die dem „oberstem Jäger“ der Hauptstadt besonders am Herzen liegen, zählt die ökologische Profilierung seines Verbandes. Die Tätigkeit der Jäger als Naturschützer und die Naturschutzkompetenz des LJV müssten stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden, fordert er. Deshalb bemüht er sich seit Jahren, den Landesjagdverband nicht nur im Stiftungsrat der Stiftung Naturschutz zu repräsentieren, sondern auch die Vorbehalte auszuräumen, die von einigen Umwelt- und Naturschutzverbänden auf Landesebene gegen eine Mitgliedschaft des LJV in der Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz (BLN) erhoben werden. Dem
u. a. vom NABU vorgetragenen Argument, sein Verband würde keine rein altruistischen Ziele verfolgen, hält Ulrich Grasser die Gemeinsamkeit der Interessen entgegen, die seinen Verband mit anderen Naturschutzorganisationen besonders in stadtökologischen Fragen verbindet. Es gebe mehr Übereinstimmung, mehr gemeinsame Anliegen als Differenzen, sagt er. Auch wenn man Letztere nicht ignorieren dürfe – entscheidend sei, dass man Klischees auf beiden Seiten aus der Welt schaffe, dass man zum sachlichen Diskurs finde und Toleranz zum Prinzip seiner Auseinandersetzungen mache.
Im Übrigen, so fügt er hinzu, sei Natur etwas zu Kostbares, als dass man sich darüber zerstreiten sollte. Er selbst habe die Schönheit der Natur als Großstädter lange Zeit nur unvollkommen wahrnehmen können. Er habe viele Jahre seines Lebens unter Naturferne gelitten und sich erst Mitte der 80er Jahre mit einem Grundstück im Spandauer Eiskeller seinen Traum von einem Leben im Grünen erfüllen können. Dass er hier und heute den größten Teil seiner Zeit verbringt, wer wollte es ihm verdenken. Hier findet er Entspannung und Muße, findet er aber auch die Kraft, die er dringend braucht und die ihm noch heute in vielen Ehrenämtern abgefordert wird.
Autor: Horst Walligora, Mai 2005
