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Dr. Holger Thärichen, MdA
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Dr. Holger Thärichen
Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Naturschutz Berlin
Als Jugendlicher angelt er gern. Allein – wohlgemerkt. Auf den Fang kommt es ihm dabei nicht so sehr an. Aber warum steht er dann zu nachtschlafender Zeit auf, um zum See zu gehen, wenn sich seine Mitschüler noch wohlig im Bett räkeln?
„Die Ruhe und Stimmung am See war faszinierend“, erklärt er, „ich konnte dort einfach gut nachdenken.“
Und es gibt vieles, über das er nachdenken möchte – vor allem über politische Fragen. Das erste politische Buch, das ihn prägen wird, trägt den Titel „Welthandel und Welthunger“ von Asit Datta. Es erscheint 1984 und beginnt mit dem Satz: „Alle zwei Sekunden stirbt irgendwo auf der Welt ein Kind an Hunger.“ Als es erscheint, ist Holger Thärichen sechzehn Jahre alt. „Dieses Buch hat mich politisch wachgerüttelt“, sagt er „weil es auch deutlich macht, wie hoch der Anteil der Industrieländer an der sogenannten Unterentwicklung ist.“ Das Thema der Nord-Süd-Gerechtigkeit wird ihn von da an nicht mehr loslassen. Es kommen weitere Themen hinzu: der saure Regen, die Nutzung der Atomkraft, der Nato-Doppelbeschluss. Eine kurze, oberflächliche Art der Auseinandersetzung genügt ihm nicht. Er ist ein rationaler Typ –nicht aus dem Bauch heraus handelnd, bemüht um Faktenwissen
Im Sozialistischen Schülerbund findet er Gleichgesinnte – junge Menschen, die nicht nur das Leben genießen, sondern die Welt auch gerechter machen möchten. Thärichen arbeitet an einer sozialistischen Schülerzeitung mit, die an vielen Berliner Schulen verteilt wird, und wird Mitglied der SPD. Im Alter von 19 Jahren wird er zum Landesvorsitzenden des Sozialistischen SchülerInnenbundes gewählt. Als er auf der Internationalen Tourismus Börse (ITB) aus Protest gegen die Politik der Apartheid an der Blockade des Messestandes von Südafrika teilnimmt, wird er festgenommen. Seine Eltern, die sein politisches Engagement bis dahin eher positiv aufgenommen haben, machen sich Sorgen um seine Zukunft. Sie würden ihren Sohn lieber mit seinen Geschwistern über die Felder reiten sehen als im Polizeigewahrsam. Das Verfahren gegen Holger Thärichen wird jedoch gegen Auflage eingestellt.
Nach dem Abitur nimmt er das Jura-Studium auf, obwohl auch Politologie, Geschichte und Philosophie ganz oben auf seiner Favoritenliste stehen. Doch Jura ist breitgefächert, bietet ihm die Möglichkeit zu politischer Auseinandersetzung und gleichzeitig auch eine berufliche Perspektive. „Ein guter Jurist ist niemals unpolitisch“, sagt er und es wundert ihn daher nicht, dass er viele seiner Weggefährten an diesem Fachbereich wieder trifft. Doch anders als die meisten interessiert ihn besonders das Umweltrecht.
Nach dem zweiten Staatsexamen führt ihn sein beruflicher Weg vom Umweltbundesamt, wo er als wissenschaftlicher Angestellter arbeitet, in eine Rechtsanwaltskanzlei und schließlich zur BSR. Dort ist er als Fachjurist im Stabsbereich Grundsatzfragen/Recht tätig. Nebenbei promoviert er im Abfallrecht, ist Mitautor eines Praxiskommentars zur Gewerbeabfallverordnung sowie zahlreicher umweltrechtlicher Aufsätze. Seiner politischen Tätigkeit bleibt er ebenfalls treu. Er wird Abteilungsvorsitzender der SPD in Nikolassee/Schlachtensee/Wannsee und 2006 wird er ins Abgeordnetenhaus von Berlin gewählt. Dort wird er Mitglied des Hauptausschusses. „Es ist mir wichtig, den Umwelt- und Naturschutzgedanken auch in dem Ausschuss zum Tragen kommen zu lassen, der die finanziellen Weichenstellungen für die Stadt erarbeitet.“ Aber auch der fächerübergreifende Charakter dieses Gremiums reizt ihn. „Im Hauptausschuss läuft alles, was politisch in Berlin geschieht, zusammen. Das ist spannend und spiegelt die vielfältigen Funktionen der Hauptstadt und die unterschiedlichsten Interessen wider. Es gilt, immer das Beste für die Stadt insgesamt zu erreichen.“
Als er die Funktion des Abgeordneten übernimmt, sucht er nach einem zweiten beruflichen Standbein, das zudem unabhängig vom öffentlichen Dienst ist. Er will nicht, wie manche der Kollegen, um jeden Preis an seinem Mandat kleben, weil es ihm die soziale Existenz sichert. Da kommt das Angebot der Kanzlei Gaßner, Groth, Siederer und Coll. Er greift zu. Die anwaltliche Tätigkeit ist relativ gut einteilbar und macht ihn unabhängiger. „Natürlich sind zwei Jobs anstrengender als einer“, gibt er zu, „aber ich fordere mich damit. Ein Schritt mehr geht immer noch. Man muss auch mal an seine Grenzen gehen.“
Dieses Motto gilt für ihn auch beim Sport. Er hält sich mit Jogging für alle Herausforderungen fit. Wenn andere morgens aufstehen, macht er sich auf den Weg um Schlachtensee und Rehwiese. Auch dies macht er am liebsten allein. „Ich kann dabei so gut nachdenken“, betont er.
Seit dem 16. Mai 2007 ist Dr. Thärichen Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Naturschutz Berlin als Nachfolger von Dr. Norbert Meisner.
„Ich möchte auch in der Stiftung an die erfolgreiche Arbeit meines Vorgängers anknüpfen“, fasst er seine Ziele zusammen, „aber ich möchte mich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. Es gilt auch hier, dass immer noch ein bisschen mehr geht. Die Entwicklung dieser Einrichtung muss sich weiterhin dynamisch gestalten. Man kann das Erreichte genießen, ohne dabei stehen zu bleiben. Vor allem muss es gelingen, die Stiftung finanziell für die Zukunft abzusichern. Dies wird ein Schwerpunkt meiner Arbeit sein.“
Bleibt bei soviel beruflichem und ehrenamtlichem Engagement noch Zeit für anderes, für ein Hobby? Er lacht. „Kaum – ich bin schon froh, wenn ich halbwegs regelmäßig Sport machen kann.“
Und wenn eine Zeitfee ihm täglich ein paar zusätzliche Stunden zaubern könnte?
„Dann ginge ich zum See angeln – dann allerdings nicht allein, sondern mit meiner Lebensgefährtin, die dann die Fische ausnimmt. Noch sträubt sie sich allerdings gegen diese Vorstellung, aber wer weiß ....“
Autor: Heidrun Grüttner, Oktober 2007
