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Carsten Wilke, MdA
CDU-Fraktion des Abgeordnetenhauses von Berlin
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10111 Berlin
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Carsten Wilke
Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Naturschutz Berlin
Von seinem Kinderzimmer aus kann er direkt auf die Mauer sehen. Je älter er wird, desto unnatürlicher findet er es, dass seine Welt genau an dieser Mauer zu Ende ist. Seine Eltern halten vom dem System, dass sie einsperrt und die Familie getrennt hat, wenig. Carsten Wilke kann sich nicht erinnern, dass bei ihm zu Hause jemals etwas anderes als „Westsender“ gehört oder gesehen wurden. 1983 - er ist gerade 11 Jahre alt - werden seine Eltern deshalb in die Schule zitiert. Der Vorwurf: Ihr Sohn spreche eine andere Sprache, verwende zu viele „Westbegriffe“. Die Eltern raten ihm, etwas vorsichtiger zu sein. Das ist nicht immer leicht für einen jungen Mann, der davon träumt, eines Tages aus der DDR auszureisen und die Welt hinter der Mauer kennenzulernen. Aber er passt sich irgendwie an, geht wie seine Schulkameraden zur FDJ. 1989 wird er in ein „Wehrlager“ geschickt. Er lernt nicht nur, wie man Handgranaten wirft und mit Luftgewehren umgeht, er wird auch massiv gedrängt, Mitglied der Gesellschaft für Sport und Technik zu werden. Mehrere Stunden redet ein Partei-Funktionär auf ihn ein – allerdings ohne Erfolg. Es ist das erste Mal, dass er konsequent „nein“ sagt zu diesem System, das er ablehnt. Der Fall der Mauer erspart ihm weitere Konfliktsituationen. Die Begriffe Freiheit und Unabhängigkeit haben seitdem für ihn eine ganz besondere Bedeutung. Auch heute noch – als Mitglied des Abgeordnetenhauses – achtet er darauf, unabhängig zu bleiben. Um von seinem Mandat nicht wirtschaftlich abhängig zu sein, ist er als Unternehmer tätig, realisiert als Projektentwickler mit seiner Firma den Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern sowie kleineren Hotels.
Im März 1990 beginnt seine politische Karriere mit dem Eintritt in die Junge Union, wo er sofort Schatzmeister im Kreisverband Treptow wird. Eine Aufgabe, die er dreizehn Jahre lang wahrnimmt. „In die alte Blockpartei CDU wollte ich damals nicht“, erklärt er, „ich habe erst abgewartet, bis es eine gesamtdeutsche CDU gab“. Im Oktober 1990 - unmittelbar nach dem Vereinigungsparteitag von Ost- und West-CDU - wird er Mitglied und schon vier Jahre später Bezirksverordneter in Treptow. Dieses Mandat legt er jedoch nieder, als er 1995 zum Wehrdienst einberufen wird. Nach dieser Zeit, die er bei der Luftwaffe verbringt, kandidiert er erneut und wird wieder Bezirksverordneter. Von 1999 bis 2001 ist er auch Vorsitzender seiner Fraktion. 2003 wird Carsten Wilke Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin. Nach den Wahlen 2006 – kurz zuvor hat er sein Studium der Betriebswirtschaft an der Fachhochschule Wildau abgeschlossen – übernimmt er die Funktion des umweltpolitischen Sprechers seiner Fraktion.
Erste Erfahrungen im Umwelt- und Naturschutz sammelte er bereits als Mitglied des Umweltausschusses in Treptow, wo die Realisierung von Bauvorhaben Baumbestände und Grünflächen bedrohte. Er setzte sich hier für Lösungen ein, die beide Interessen berücksichtigen. „Es gibt fast immer einen vernünftigen Kompromiss, wenn alle Beteiligten dies auch wirklich wollen“, betont er und leistet für dieses Ziel auch gern Überzeugungsarbeit – bei den Unternehmern, aber zuweilen auch in der eigenen Partei. Auch beim Klimaschutz setzt er auf die Kraft der Überzeugung, die langfristige Bewusstseinsänderung.
„Mit Verboten allein retten wir das Klima nicht. Neben die Verbote gehören unbedingt gute Anreizsysteme, um zum Beispiel die CO2-Emissionen kontinuierlich zu senken“, sagt er und lässt sich auch durch den Hinweis auf die kurze Zeit, die dafür noch bleibt, nicht von seiner Meinung abbringen.
„Mit Panikmache erreicht man gar nichts“, steht für ihn fest, „das verunsichert die Menschen nur. Es kommt viel mehr darauf an, Begeisterung für die Ziele des Klimaschutzes zu schaffen.“ Von den Unternehmen erwartet er deutlich mehr als nur Lippenbekenntnisse. „Wer auf Dauer erfolgreich sein will, muss jetzt dem Klimaschutz bei der Produktion und der Produktentwicklung besondere Aufmerksamkeit widmen“, stellt er fest. Setzt er ausschließlich auf die Regelung durch den Markt? „Das natürlich nicht“, wehrt er ab, „selbstverständlich bedarf es auch rechtlicher Regelungen. Aber die Verbraucher haben mehr Freiheit und Macht, als sie glauben.“ Vattenfall sei hierfür ein gutes Beispiel. „Das Verhalten des Unternehmens nach den Störfällen war inakzeptabel“, sagt er und man spürt den Ärger hinter der sachlichen Kritik. „Viele Verbraucher haben reagiert und wechseln den Stromanbieter. Ich selbst werde meinen Stromvertrag mit Vattenfall zum nächstmöglichen Zeitpunkt kündigen und in diesem Zuge auch gleich auf Ökostrom umstellen. Wer eine solche Unternehmenskommunikation pflegt, provoziert geradewegs den Weggang seiner Kunden.“
Seit Mai 2007 ist Carsten Wilke Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Naturschutz Berlin, ein Ehrenamt mit dem er - wie er selbst sagt – sehr ambitionierte Ziele verbindet. „Es wird Zeit, dass die Stiftung endlich unabhängig von der institutionellen Zuwendung durch das Land Berlin wird. Wenn die Politik mehr Eigenengagement von den Bürgern erwartet, muss sie auch die Rahmenbedingungen dafür schaffen. Die Stiftung Naturschutz Berlin leistet mit der Freiwilligenarbeit und der Projektförderung auf diesem Gebiet sehr viel. Damit sie unbürokratisch und bürgernah handeln kann, darf sie nicht am Tropf des Landes hängen. Wir sollten in dieser Legislaturperiode die Weichen dafür stellen, dass das Stiftungskapital aufgestockt wird. Unabhängigkeit ist eine wichtige Voraussetzung für eine gute Entwicklung. Das gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für Institutionen.“
Ist dieses Ziel realistisch?
„Es gibt immer eine Welt hinter Mauern und Hürden“, antwortet er lächelnd, „auch hinter denen, die nicht aus Stein und Beton sind.“
Autorin: Heidrun Grüttner, November 2007
