Kontakt
Bernd Machatzi
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt
Landesbeauftragter für Naturschutz
Am Köllnischen Park 3
10179 Berlin
Tel: (030) 90 25 - 10 30
Fax: (030) 90 25 - 10 57
E-Mail: Bernd.Machatzi(at)senstadt.berlin.de

Bernd Machatzi
Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Naturschutz Berlin
An den Wänden seines Büros hängen kleine Hölzchen, an denen weiße Schildchen befestigt sind. Für den Laien sind es Stöckchen, für die Praktikanten ist es Übungsmaterial für Gehölzbestimmungen. Daneben zahlreiche Abbildungen von Pflanzen und Tieren. Die Regale sind voll mit Studienarbeiten, wissenschaftlichen Abhandlungen, Dias und Literatur. Bernd Machatzi, das wird schnell klar, lebt seinen Beruf. Das sieht man an seinem Arbeitsplatz, das spürt man, wenn man ihm gegenüber sitzt. Er ist Mitarbeiter des Landesbeauftragten für Naturschutz und berät alle, die sich beraten lassen wollen. Er ist u.a. mitverantwortlich für die fachliche und wissenschaftliche Beratung der Naturschutzbehörden und der Berliner Forsten sowie die Durchführung von Grundlagenarbeiten, wie Biotopkartierungen und die Erstellung der „Roten Listen“.
Gut also, dass Bernd Machatzi schon als Kind ganz genau hinschaut, mit wem er so alles seinen kleinen Hausgarten im Neuköllner Hinterhof teilt. Und er freundet sich mit den Pflanzen, Heuschrecken, Grillen und Käfer an – obwohl ihm ihre Namen noch nicht vertraut sind. Später – da ist er gerade fünf Jahre alt – sind auch angrenzende unbebaute Grundstücke vor seinem Forscherdrang nicht sicher. Eine kundige Nachbarin verrät ihm die Namen von Pflanzen, die er bei diesen ersten Ausflügen entdeckt. Nur folgerichtig, dass Bernd Machatzi später Klassenbester in Biologie wird. Bei Schulausflügen sammelt er Käfer in alte Weckgläser, was ihm den Spitznamen „Maikäfer“ einbringt. Wenn er mal nicht nach Krabbeltieren Ausschau hält, steht er auf dem Fußballplatz und kickt für Tasmania 1900. 1965, im Alter von acht Jahren, entdeckt er seine Fähigkeit als Vorstopper. An ihm kommt so leicht keiner vorbei. Er beteuert noch heute, dass es nicht an seinem Einsatz lag, wenn der Profiverein damals die schlechteste Bilanz der Fußball-Bundesliga aufwies. Schließlich, so führt er augenzwinkernd als Beweis an, gehört er später an der Uni zur TU-Fachbereichs-mannschaft „trakTor Eiskeller“, für die er mehr als 100 Spiele absolviert und die sogar einmal Gesamthochschulmeister wird.
Zunächst jedoch macht er die mittlere Reife und hält nach einem Beruf Ausschau, bei dem er seine Liebe zur Biologie einbringen kann. Biologielaborant - das klingt gut, findet er. Nach einem dreitägigen Bewerbungsmarathon bei Schering ist er Zweitbester, und einer Karriere beim Chemieriesen steht nichts mehr im Weg. Dass es doch noch anders kommt, hat er einem Ausbildungsleiter zu verdanken, der ihm den Rat gibt, lieber das Abitur zu machen. Er lässt tatsächlich den Ausbildungsplatz sausen und drückt noch einmal die Schulbank. Mit Erfolg. 1975 hat er die Allgemeine Hochschulreife in der Tasche. Das Geld fürs Studium der Landschaftsplanung verdient er sich als Friedhofsarbeiter. „Ich war Totengräber und Leichenträger, habe aber auch viele gärtnerische Arbeiten ausgeführt“, umschreibt er seine Arbeit dort. Neben der täglichen Erfahrung, dass die menschliche Existenz endlich ist und man aus seinem Leben etwas machen muss, bevor es zu spät ist, nimmt er eine weitere wichtige Erkenntnis aus dieser Zeit mit: Friedhöfe sind für den Artenreichtum der Stadt von großer Bedeutung als Rückzugsgebiete für eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren. Er gehört daher auch zu den Gründungsmitgliedern des Arbeitskreises „Naturschutz auf Friedhöfen“. In Vorträgen, mit einer Ausstellung und Publikationen, wie der Broschüre „Friedhof natürlich“, deren Mitautor Bernd Machatzi ist, wird das Thema in die Öffentlichkeit und die Verwaltungen getragen.
Nach dem Studium gründet er mit zwei Studienkollegen ein Planungsbüro und arbeitet als selbstständiger Landschaftsplaner. Als ihm sein ehemaliger Hochschullehrer Prof. Dr. Herbert Sukopp 1985 eine erste Chance für eine Vertretung des damaligen Mitarbeites des Naturschutzbeauftragten des Landes Berlin bietet, greift er zu. In diesem Jahr gelingt es ihm, mit Revierleitern der Westberliner Forsten notwendige Pflegemaßnahmen für naturschutzfachlich wertvolle so genannte „Biotopschutzflächen“ abzustimmen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt kennt er in den Berliner Forsten fast jeden naturschutzrelevanten Winkel und ist begeistert von der Artenvielfalt, auf die er dort trifft. Es folgt eine weitere Vertretung 1988, bevor er 1991 gemeinsam mit einer Kollegin die Stelle übernimmt. Die verbleibende Zeit kann er für interessante Kartierungsprojekte außerhalb Berlins nutzen. Doch es genügt ihm nicht, sich nur beruflich dem Naturschutz zu widmen. In seiner Freizeit ist er aktiv im Botanischen Verein Berlin-Brandenburg, dessen stellvertretender Vorsitzender er zurzeit ist. Ein wichtiges Projekt, an dem er seit Jahren ehrenamtlich mitarbeitet, ist die floristische Kartierung Berlins. Und auch hier entgeht ihm keine interessante wildwachsende Pflanzenart, kein Süß- oder Sauergras und schon gar kein Mauerfarn. Um den Druck dieses Werkes mit zahlreichen Verbreitungskarten zu ermöglichen, sucht der Verein derzeit einen Sponsor. „Es wäre schade, wenn diese umfangreiche und wissenschaftlich fundierte Arbeit nur wenigen Insidern zur Verfügung stehen würde“, sagt Machatzi.
Um nicht nur mit gesenktem Blick die Natur zu durchstreifen und alle seine Sinne einzusetzen, wurde er so ganz nebenbei auch zum Experten für Heuschreckenkunde und entdeckte für sich die Ornithologie als neues Interessengebiet.
Und der Sport? „Dafür bleibt leider wenig Zeit“, sagt er, „Fußballspielen geht nicht mehr – zu viele Verletzungen.“
Was ist mit joggen? „Das habe ich probiert“, sagt er und lacht, „aber ich komme ja nicht von der Stelle. Ständig entdecke ich irgendetwas. Mal einen Vogel, dann interessante Pflanzen.“
Einfach vorbeilaufen – das kann er eben nicht.
Autorin: Heidrun Grüttner, Dezember 2006
