Kontakt
Antje Solmsdorf
Baumschutzgemeinschaft
Berlin e.V.
Windscheidstraße 40
10627 Berlin
Tel: (030) 313 96 45
Email: asolmsdorf(at)yahoo.de

Antje Solmsdorf
Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Naturschutz Berlin
Sie kommt gerade von der italienischen Insel Stromboli, wo die Erde ihr Innerstes nach Außen kehrt, wo sich die vier Elemente begegnen, wo der aktive Vulkan die Lavamassen über eine Feuerrutsche ins Meer schickt, eine Dampfwolke im Wind hinterlässt. Dort, wo es nachts rumort und Funken sprühen und Gedanken aufkommen: „Wie klein und unwichtig der Mensch doch ist...“ Antje Solmsdorf ist schnell bei den Themen, die ihr wichtig sind: Natur, Musik und alles, was lebt! Seit einem Jahr ist sie Vorsitzende der Baumschutzgemeinschaft Berlin.
Dass Bäume ein lebendiges Wesen haben, steht für die Garten- und Landschaftsgestalterin außer Frage. „Jeder Baum hat seine Eigenart und ist wunderschön. Die Linde betört durch ihren Duft, die Kastanie durch ihre Blüte, die Pappel durch ihren schlanken Wuchs, der Walnussbaum durch seine Poesie. Ich könnte mich nicht für einen Lieblingsbaum entscheiden“, sagt die dreifache Mutter lächelnd. „Das wäre, als sollte ich mich zwischen einem meiner Kinder entscheiden.“ Und das ist ihr unvorstellbar, auch gerade, weil jedes so verschieden ist. Ein Sohn ist Computerfachmann, der andere studiert Soziologie, und die Tochter ist Künstlerin. Sie selbst stammt aus einer Musikerfamilie. Ein wunderschöner Flügel inmitten ihrer Altberliner Wohnung zeugt davon.
Die Liebe zu den Bäumen wuchs im Laufe ihres Lebens. „Ich habe große Ehrfurcht vor der Schöpfung. Und die habe ich auch den Bäumen zu verdanken. Einen Baum zu fällen dauert maximal zwei Stunden, ihn zu ersetzen braucht Lebenszeit!“
Sie geht mit ihrem Baum-Wissen großzügig um, verteilt es an Menschen, die nicht selten fassungslos und weinend anrufen, weil vor ihnen unvorbereitet ein Baum gefällt wurde, der sie viele Jahre lang begleitet hatte. „ Wir lernen die Bäume ja oftmals erst zu schätzen, wenn sie nicht mehr da sind,“ Antje Solmsdorf erlebt dies seit vielen Jahren. Schon als die gebürtige Rheinländerin nach ihrem Studium an der TU Berlin ihre erste Stelle annahm, war sie zunächst in Schöneberg und danach als technische Leiterin des Grünflächenamtes im Wedding für die Unterhaltung von öffentlichen Grünflächen verantwortlich - und dazu gehörten Straßen- und Parkbäume. Leider ging es dabei – genau wie heute – zu oft nur um die Verkehrssicherungspflicht und um die Frage: Bedroht der Baum den Menschen? Wie viel Spielraum hat ein Entscheidungsträger?
Im Bezirk Wedding hatte sie ein einschneidendes Erlebnis: An der Berliner Mauer wuchs eine schöne Ulme. Als die Mauer fiel, fehlten dieser Ulme offenbar Schutz und Stütze der Mauer, sie fiel während eines Sturms auf ein Auto und erschlug den Fahrer. Niemand konnte ahnen, dass das Wurzelwerk der Ulme nur einseitig gewachsen war und den neuen Winden nicht standhalten konnte. „Ich war erschüttert. Jeder Mensch, der durch einen Baum stirbt, ist ein Mensch zuviel. Und dennoch plädiere ich im Zweifelsfall für den Baumbestand. Denn ein Lebensrestrisiko bleibt immer für jeden von uns. Sonst dürften wir nicht mehr auf die Straße gehen. Niemand verlangt die Abschaffung des Autos, weil es Menschen tötet.“
1985 wechselte sie ins Team der Bundesgartenschau Berlin. „Auf der gesamten Acker- und Wiesenfläche stand damals ein einziger Baum, der mir sehr imponiert hat!“ Zu Buga-Zeiten war er
stets das Vorzeigestück. 1996 wurde sie Amtsleiterin im Grünflächenamt der Stadt Potsdam und war hier neben einem großen Team auch zuständig für die Bundesgartenschau 2001. „Das war eine Chance für die gesamte Stadt, und was dort geleistet wurde, war Epoche machend!“ sagt sie – trotz aller rechtlichen, städtebaulichen und gestalterischen Probleme, die sie 2005 schlussendlich dazu veranlassten, dem „Nervenkrieg zwischen Politikern und Fachleuten“ den Rücken zu kehren.
Nach dieser aufreibenden Tätigkeit glaubte Antje Solmsdorf, sie habe nun viel Zeit für sich, vielleicht für ihre Hobbys Musik und Kunst. Weit gefehlt. Da ist die neue Aufgabe im Stiftungsrat, sind die Seminare und Lehraufträge, die Vereinsarbeit, die Telefon-Baumseelsorge, die Jury-Tätigkeiten und das Projekt „Oder-Neisse-Paradiese“, das sie mit ihrem Mann, dem Diplom-Ingenieur Hartmut Solmsdorf entwickelt. Das trinationale Vorhaben will das wertvolle gartenkunsthistorische Potenzial der Schlösser, Gutshäuser und Parkanlagen beiderseits der Oder-Neisse-Linie im Grenzraum von Deutschland, Polen und Tschechien restaurieren, pflegen sowie der Öffentlichkeit bekannt und zugänglich machen.
Und wenn sie dann zwischen denkmalschützerischen Fragen, Aufklärungs- und Lobbyarbeit über die mikroklimatische, biologische, mystische oder ästhetische Bedeutung der Bäume sinniert, sich über junge Umweltaktivisten freut und ihrer Freundin zusagt, zwischen allen Terminen bei der Gartenarbeit zu helfen - dann strahlt sie über das ganze Gesicht und lacht: „Ich wurde bisher vom Glück bedingungslos verfolgt!“
Autorin: Anke Kuckuck
