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Andreas Jarfe


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Andreas Jarfe

Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Naturschutz Berlin

Es gibt Personen, die – mögen sie auch nur marginal in Erscheinung treten – für den Einzelnen von prägender Bedeutung sind. Personen wie Frau Lindner beispielsweise, jene „tolle“ Biologie-Lehrerin aus dem niedersächsischen Großburgwedel, die den jungen Andreas Jarfe, damals Schüler der 5. und 6. Klasse, nicht nur für das Fach Naturkunde zu begeistern verstand, sondern auch entscheidende Weichen für seine spätere berufliche Entwicklung stellte. Noch heute erinnert sich der inzwischen 39-Jährige an so manche Biostunde, die für ihn Erlebnis und Erkenntnis gleichermaßen war – an jene pflanzenanatomische Demonstration beispielsweise, bei der die Klasse eine Tulpe komplett auseinander nahm, um so herauszufinden, was sich hinter der äußeren Schönheit der Blume, der Pracht ihrer Blüten und Blätter verbirgt. Damals, so Andreas Jarfe, habe er nicht nur entdeckt, wie spannend und erfinderisch das Leben um uns sein kann, sondern auch den Entschluss gefasst, seine berufliche Zukunft mit der Natur zu verbinden.

Zwei Jahre nach Abschluss des Gymnasiums (dem zunächst ein Zivildienst und ein Sprachaufenthalt in New York folgen) absolviert er ein einjähriges landwirtschaftliches Praktikum, um danach, im Oktober 1989, ein Studium am Fachbereich Agrarwirtschaft der Universität Kassel in Witzenhausen aufzunehmen. Schon hier erweist sich, wo die Präferenzen des angehenden Diplom-Agraringenieurs liegen. Sowohl seine Projekt- als auch seine Diplomarbeit behandeln Fragen des Natur- und Umweltschutzes. Auch das Aufbaustudium Ökologische Umweltsicherung, das er von 1994 bis 1996 an der Kasseler Universität absolviert und als Diplom-Ingenieur abschließt, unterstreicht seinen Wunsch, sich in einem vom „integrierten“ Anbau dominierten Umfeld für eine naturnah ausgerichtete Landwirtschaft zu engagieren.

Gelegenheit, seine Kenntnisse und Vorstellungen in die berufliche Praxis umzusetzen, bietet ihm das Müncheberger Leibniz-Zentrum für Agrarlandforschung (ZALF), wo er im September 1996 eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter antritt. In seinen Zuständigkeitsbereich fällt u. a. die Koordination des Projektes „Naturschutz in der Landwirtschaft durch Satellitennavigation“, mit dem im Rahmen eines Verbundprojekts am Beispiel des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin spezifische Aspekte des Naturschutzes in der offenen agrargenutzten Kulturlandschaft untersucht werden. Ziel des Vorhabens ist es, mit Hilfe der Hochtechnologie Umwelt- und Naturschutzanliegen in die landwirtschaftliche Praxis zu integrieren und damit einen Ausgleich zwischen den oft gegenläufigen Interessen von Landwirten und Naturschützern zu erreichen.

Für den Diplom-Ingenieur sind die sieben Jahre, die er beruflich in Müncheberg verbringt, eine, wie er selbst sagt, „spannende Zeit“. Eine Zeit allerdings auch, in der er sich - da die meisten Stellen im ZALF befristet und die Arbeiten sämtlich projektfinanziert sind - immer wieder die Frage stellen muss, ob und wie es weiter geht. Hinzu kommt der Wunsch, sich nach einer Forschungstätigkeit, die sich im Wesentlichen auf Projekte zur Alternativen Landnutzung beschränkte, einer neuen, umfassenderen Aufgabe zu stellen: dem Umwelt- und Naturschutz in seiner ganzen, alle Lebensbereiche umfassenden Breite.

Auf die Chance muss er nicht lange warten. Der Landesverband Berlin des Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) sucht einen stellvertretenden Geschäftsführer. Andreas Jarfe bewirbt sich, und er bekommt die Stelle. Im Juli 2003 tritt er seine Arbeit in der Crellestraße 35 an. Rasch und zielstrebig beginnt er sich in die neue Funktion einzuarbeiten. Bereits eineinhalb Jahr später wird er mit der Leitung der Berliner Geschäftsstelle beauftragt.

Genügend Erfahrung hat er inzwischen gesammelt. Nicht nur in seiner Funktion als stellvertretender Leiter einer Einrichtung, die die Aktivitäten eines großen Berliner Umweltverbandes koordiniert, sondern auch in seiner Tätigkeit im Projektmanagement des Zentrums für Agrarlandforschung. Schon damals, so sagt er, sei ihm zwei Dinge bewusst gewesen: Zum einen, dass man wirksamen Umwelt- und Naturschutz nicht mit Appellen und Protesten betreiben kann, sondern professionelle Arbeit nötig ist, um ihn zum Erfolg zu führen; und zum zweiten, dass angesichts des Widerstandes konservativer Kräfte auch im Naturschutz nichts ohne Kompromisse geht. Er persönlich setze deshalb immer wieder auf Vermittlung, sage aber auch klar, dass seine Kompromissbereitschaft ihre Grenzen hat und diese Grenzen dort bestehen, wo der Natur und Umwelt Schaden droht.

Seine Hauptaufgabe sieht der Geschäftsführer des BUND-Landesverbandes, der seit Dezember 2003 auch dem Stiftungsrat der Stiftung Naturschutz angehört, darin, dem Umwelt- und Naturschutz in Berlin mehr Geltung zu verschaffen. Es reiche nicht aus, weitere Bürgerinnen und Bürger für Aktionen zu mobilisieren. Wichtig und nötig sei auch, den politischen Rang des Umwelt- und Naturschutzes in der Stadt zu erhöhen, ihn aus der zweiten Reihe herauszuführen und zu einer gesellschaftlichen Größe zu machen, die den Parteien, Gewerkschaften und Wirtschaftsverbänden vergleichbar ist.

Dass auf dem Weg dahin noch manches Hindernis zu überwinden ist, wer wollte es bestreiten. „Hohe Ziele“, sagt Andreas Jarfe, „brauchen einen langen Atem und erfordern Kraft.“ Kraft, die er daheim auf seinem Falkenseer Grundstück findet, aber auch auf seinen vielen Freizeitexkursionen, den Fahrradtouren und den Wasserwanderungen, die er mit Frau und Kajak vorzugsweise auf den Flüssen Frankreichs unternimmt. Hier, fernab vom Alltagsstress, empfindet er sich weniger als Streiter der Natur. Hier lässt er sich von ihr verwöhnen. Hier genießt er sie.

Autor: Horst Walligora, Dezember 2005