Laudatio 2011

Die Laudatio hielt Prof. Dr. Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen-Forschungsinstitutes Niedersachsen (KFN).

Download

Wir danken

folgenden Firmen und Institutionen für ihre Unterstützung:

Der Berliner Naturschutzpreis 2011

Margret Rasfeld

Margret Rasfeld

„Von einer, die auszog, das Schulwesen zu revolutionieren“

Die Stiftung Naturschutz Berlin hat am 10. Mai 2011 den Berliner Naturschutzpreis an Margret Rasfeld, seit Gründung 2007 Leiterin der Evangelischen Schule Berlin Zentrum, verliehen. Der Stiftungsrat würdigt mit dieser Auszeichnung das herausragende Engagement Rasfelds in der praktischen Naturschutzarbeit, der Jugendumweltbildung sowie der Entwicklung und Umsetzung eines neuen Schulkonzeptes.
Impressionen der Verleihung

Die Preisträgerin

An ihrer Schule ist die klassische Unterteilung in Fächer abgeschafft, ebenso ausgedient hat der Frontalunterricht. Stattdessen wird jahrgangsübergreifend in „Lernbüros“ gearbeitet, in denen der Lehrer als Tutor fungiert. Und die Schüler entscheiden selbst, welchen Lehrinhalten sie sich zu welchem Zeitpunkt widmen wollen und wann sie ihr Wissen testen lassen. Aber es gibt noch mehr Ungewöhnliches: „Verantwortung übernehmen“ ist ein reguläres Schulfach. Ein anderes heißt „Herausforderung“.

Kein Wunder also, dass die Themen Umwelt- und Naturschutz eine große Rolle spielen und dass die Agenda 21 die Leitlinie für das Handeln ist. Aufgebaut wird die Evangelische Schule Berlin Zentrum seit ihrer Gründung 2007 von der Leiterin Margret Rasfeld mit ihrem engagierten Team. Gemeinsam mit ihren Schülern wirkt sie unter anderem an der weltweiten Aktion „plant for the planet“ mit und koordiniert das Projekt für Berlin. Im Oktober 2008 gab ihre Schule das „100.000 Versprechen“ ab: Berliner Schüler/innen versprachen, 100.000 Bäume zu pflanzen. Bis jetzt sind es schon 89.000.

„Im Leben lernen“ – so lautet das Prinzip der Schule, deren Schüler seit Schulgründung vor vier Jahren durch Erstaunliches auf sich aufmerksam machen: Zwölfjährige halten wie selbstverständlich Reden auf Tagungen, Teenager bilden selbstständig Schulleiter und Lehrer aus der ganzen Republik fort oder bilden Grundschüler zu Klimabotschaftern aus. Und es handelt sich hierbei nicht um eine Eliteschule. Die Evangelische Schule Berlin Zentrum steht als Gemeinschaftsschule allen Kindern offen. Heterogenität ist ausdrücklich gewollt und wird als Reichtum erlebt und geschätzt. „Kinder können unglaublich viel“, so Margret Rasfeld, „man muss ihnen nur vertrauen.“ Und sie fügt hinzu: „Wir brauchen kein künstliches Lernen mehr. Dafür sind die Probleme unseres Planeten zu groß. Lernen braucht Ernstcharakter. Schluss mit dem ‚Als-Ob-Lernen‘. Man muss Zutrauen in die Kreativität, die Verantwortungsbereitschaft und das Können der Kinder haben.“

Um ihre Schüler gleich von der ersten Minute an zu motivieren, erhalten diese zu Beginn ihrer Schulzeit eine „Mutkarte“ für die Hosentasche, die sogar im Dunkeln leuchten kann. Das kleine Kärtchen soll den Kindern Mut machen. Denn, so Rasfeld, „den braucht man für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung.“
Rasfeld weiß, wovon sie spricht, denn sie ist seit über 20 Jahren in der Schulreform tätig. Ihre erste Schule gründete sie schon 1996 in Essen. Auch dazu brauchte es Mut. Vor vier Jahren nun ist sie von Essen nach Berlin gezogen. Berlin findet sie großartig, „genau der richtige Ort für eine der innovativsten Schulen Deutschlands“. Dass es keine Einrichtung für die High Society ist, sieht man dem Gebäude auch von außen an. Der alte Plattenbau ist hässlich, nur in Teilen saniert. Erst nach und nach wird renoviert, verschönert, ausgebaut. Es kommt nicht auf das Äußere an“, findet die Schulleiterin, „sondern auf den Geist im Inneren.“

Die Schulen, die Rasfeld gründete, haben schon viele Preise bekommen. So ist die Evangelische Schule Berlin Zentrum 2011 auch „Energiesparmeister“ geworden. Erstaunlich, dass die Frau, die sie konzipiert, die der Idee Leben eingehaucht hat und sie mit ungeheurer Energie in die Tat umsetzte, bislang nur einen einzigen Preis erhielt – den Bundesgesundheitspreis vor 22 Jahren. Höchste Zeit also für eine weitere Auszeichnung, entschieden die Gremien der Stiftung Naturschutz Berlin und verleihen Margret Rasfeld am 10. Mai den Berliner Naturschutzpreis 2011 in der Kategorie „Ehrenpreis“.

Kurz-Vita Margret Rasfeld
• Geboren 1951 in Gladbeck
• Studium der Biologie und Chemie
• 1976-1992 Tätigkeit Lehrerin in Nordrhein-Westfalen
• 1992-1997 Aufbau der Gesamtschule Borbeck in Essen als didaktische Leiterin
• Gründung und Leitung der Evangelischen Gesamtschule Holsterhausen,
   bundesweilt profiliert als AGENDA-Schule
• Seit 2007 Leiterin der Evangelischen Schule Berlin Zentrum, ebenfalls AGENDA-Schule