Der Berliner Naturschutzpreis 2008

Eine ausgezeichnete Gesellschaft

Fernsehhelden, Paradiesgärtner, Volkszähler und Kleingarten-Visionäre

Am Montag, dem 05. Mai 2008 hat die Stiftung Naturschutz Berlin im Rahmen eines Festaktes den Berliner Naturschutzpreis verliehen. In diesem Jahr wurde erstmals neben dem „Ehrenpreis“ auch ein „Projektpreis“ vergeben. Ausgezeichnet wurden drei Projektideen, die geeignet sind, den Natur- und Umweltschutz in der Stadt voranzubringen.

Preisträger des Ehrenpreises

Der mit 3.000 Euro dotierte „Ehrenpreis“ der Stiftung Naturschutz ging in diesem Jahr an das rbb-Fernsehmagazin OZON. Die 1989 in der DDR ins Leben gerufene Sendung sorgte dafür, dass bis dahin geheime Umweltdaten öffentlich gemacht und Umweltskandale aufgedeckt wurden. Nach der Öffnung der Grenzen befasste sich das Magazin ebenso kritisch mit gesamtdeutschen Umwelt- und Naturschutzfragen. Nach wie vor greifen die Macher aktuelle umweltpolitische Fragen auf und sorgen damit für eine größere Transparenz und eine breite Öffentlichkeit. Die Redaktion stellt sich in ihren Beiträgen immer wieder an die Seite derer, die für mehr Umwelt- und Naturschutz kämpfen, und bezieht eindeutig Stellung. Der Preis ist mit 3.000 Euro dortiert.

Preisträger des Projektpreises

In der Kategorie „Projektpreis“ wurden von der Jury drei Projektideen mit einem Preisgeld von je 3.000 Euro ausgezeichnet.

Paradiesgärtner: Förderverein Naturschutzstation Malchow e. V.

Viele Berliner Kinder können einen Birnbaum nicht von einem Apfel- oder Pflaumenbaum unterscheiden, wenn nicht gerade reife Früchte daran hängen. Das liegt auch daran, dass der Obstbaumbestand in der Stadt sehr gering ist. Die Naturschutzstation Malchow möchte das ändern. „Pflanzt Obstbäume!“ lautet ihr Motto. Doch wohin? Geeignete Plätze zu finden ist kein Problem, sagen die Naturschützer. Eine Kaufhalle wird abgerissen? Wunderbar! Eine Fabrik auch. Noch besser! Demnächst werden hier im Frühjahr Apfel- und Kirschbäume blühen. Die Nachbarschaft ist an dem Projekt beteiligt. Alle freuen sich auf das frische Obst und die Sommerzeit im Schatten der Bäume. Doch die neu angelegten Streuobstwiesen mitten in der Stadt sind nicht nur für kleine und große Naschkatzen ein Paradies. Schon vorher finden Vögel, Insekten und viele andere Tiere einen neuen Lebensraum. Die Jury der Stiftung Naturschutz Berlin hat diese Projektidee in der Kategorie „Projektpreis“ ausgezeichnet, weil sie viele Zwecke erfüllt: Kindern und Jugendlichen werden Obstbäume nähergebracht, die neu angelegten Streuobstwiesen tragen zum Artenreichtum bei. Darüber hinaus sind sie ein wichtiger Baustein für den Biotopverbund und ein Beitrag zur gesunden Ernährung.

Volkszähler: Susanne Rosenau und Rainer Altenkamp

In Berlin versucht eine ganze Tierfamilie unentdeckt zu bleiben: Es sind die Musteliden (Marderartigen), zu denen Mauswiesel, Hermelin, Iltis und Baummarder gehören. Um festzustellen, wie viele dieser scheuen Spezies in unserer Nachbarschaft leben, bedarf es schon ausgeklügelter Methoden. Susanne Rosenau und Rainer Altenkamp wollen eine neue Methode anwenden, bei der die Tiere gar nicht merken, dass sie gezählt werden. Sie wollen spezielle Tunnel bauen, in welche die Pelzträger mithilfe von Ködern gelockt werden. Wenn sie diese Tunnel durchlaufen, verlieren sie an einer im Gang angebrachten Bürste ein paar Haare und hinterlassen Fußspuren. Anhand dieser Informationen können die Tiere bestimmt und gezählt werden.
Bis heute gibt es in Berlin keine Daten über Anzahl, Arten und Verbreitung der Musteliden. Mit dieser wissenschaftlichen Untersuchung wird eine Lücke geschlossen. Bald werden wir wissen, wie groß die Zahl der in unserer Stadt heimischen Marder und ihrer Verwandten ist und wo die Tiere leben. So werden wir in der Lage sein, sie effektiv zu schützen. Die Stiftung Naturschutz Berlin zeichnet die Biologen Susanne Rosenau und Rainer Altenkamp für diese Idee mit dem Berliner Naturschutzpreis 2008 in der Kategorie Projektpreis aus.

Kleingarten-Visionäre: Dr. Hans Porep

Es gibt Kleingärten, in denen die Tulpen zum Appell angetreten scheinen. Sie stehen nicht nur in Reih und Glied, sondern sind oftmals auch noch nach Farben sortiert. Der Rasen ist sorgsam gekämmt. Kein Blättchen verunziert die sauber geharkten Flächen, die, biologisch betrachtet, nicht viel wert sind. Dass es auch anders geht, beweisen die Gärtner der Ökogartenanlage „Wildkraut“ in Steglitz. Seit Jahren schon sorgen sie mit ihren naturnahen Gärten für artenreiches Grün. Viele Käfer, Schmetterlinge und Vögel haben dieses Paradies für sich entdeckt, darunter auch eine Vogelart, die in Berlin noch nicht sehr häufig anzutreffen ist: der Fasan.
Um die bereits angesiedelten Hühnervögel in der Kolonie zu halten und ihnen einen Lebensraum zu bieten, wollen die Kleingärtner der von Dr. Hans Porep entwickelten Idee folgen und ihnen zwei Parzellen als natürlichen Lebensraum zur Verfügung stellen. Die Flächen sollen extensiv genutzt werden. Darüber hinaus soll, ausgehend von diesen Parzellen, ein Netzwerk von Rand- und Wegstreifen eingerichtet und artenreich bepflanzt werden. Es soll den Vögeln die Möglichkeit bieten, ohne aufzufliegen die schützende Deckung zu verlassen und in andere Parzellen und Lebensräume zu wechseln.
Nebenbei soll auf diese Weise der Artenreichtum der Anlage insgesamt vergrößert und vielen wildlebenden Pflanzen und Tieren ein attraktiver Lebensraum geboten werden. Die Stiftung Naturschutz Berlin zeichnet dieses Projekt auch wegen seines Vorbildcharakters für die über 80.000 Berliner Kleingärten aus.