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Marianne
Weno, Vorstandsmitglied der Stiftung Naturschutz Berlin,
greift monatlich aktuelle Entwicklungen im Umwelt- und Naturschutz
auf und kommentiert sie. |
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Kolumne im September:
361.000.000.000 $
361 Milliarden US-Dollar jŠhrlich, fast eine Milliarde
pro Tag, geben die EU, die USA und Japan aus, um ihre Landwirtschaft
zu unterstŸtzen. ãDass sie gleichzeitig den Freihandel predigen,
gilt zu Recht als hohe Schule der HeucheleiÒ ø so bringt es Fritz
Vorholz in der ZEIT auf den Punkt.
SpŠtestens seit der Konferenz von Rio 1992 ist klar,
dass die IndustrielŠnder durch ihre Landwirtschaftspolitik zur fortschreitenden
Verarmung der EntwicklungslŠnder beitragen, in denen die Existenz
der meisten Menschen von der Landwirtschaft abhŠngt. Dennoch ø eine
ganze Reihe internationaler Konferenzen hat an der Situation nichts
Entscheidendes geŠndert, weil die nationalen Egoismen nicht mit
den schšnen AbsichtserklŠrungen in Einklang zu bringen sind. Was
geschehen mŸsste, ist klar: Die Agrarsubventionen der reichen LŠndern
mŸssten abgebaut und vor allem die Exportbeihilfen gestrichen werden,
damit die Produkte der sŸdlichen LŠnder konkurrenzfŠhig werden.
Auch mŸssten Zšlle abgebaut werden, um allen Produzenten Zugang
zu den MŠrkten zu eršffnen.
Subventionen fŸr Umweltzerstšrung
Das System der Agrarsubventionen belastet auch die
Umwelt im Norden wie im SŸden. Die Organisationen Germanwatch und
Euronatur weisen darauf hin, dass die Beihilfen in der EU eher naturzerstšrende
Wirtschaftsformen fšrdern. Als Beispiel nennen sie die Viehhaltung.
Weil Getreideanbau subventioniert wird, das škologisch wertvollere
GrŸnland aber nicht, werden die Tiere in StŠllen mit Mais gefŸttert,
statt sie auf die Weide zu treiben. In Deutschland wurden innerhalb
von zwanzig Jahren bis 1992 zwšlf Prozent des GrŸnlandes in AckerflŠchen
umgewandelt.
In den EntwicklungslŠndern fŸhrt die handelsverzerrende
Politik dazu, dass vor allem Kleinbauern aufgeben mŸssen, weil sie
mit den Preisen der importierten Lebensmittel nicht konkurrieren
kšnnen. Sie ziehen in die StŠdte, wo sie die Slums vergrš§ern, oder
in die Waldgebiete, die sie abholzen, um notdŸrftig fŸr den eigenen
Bedarf zu produzieren. Oft wird ihr eigenes Land von internationalen
Konzernen aufgekauft, die dann in Monokulturen Exportprodukte wie
Ananas auf den Philippinen oder Blumen in Kenia produzieren. DafŸr
werden diese LŠnder immer abhŠngiger von importierten Lebensmitteln,
die sich die verarmte Landbevšlkerung meist nicht leisten kann.
Konferenzen und kein Ende
1994 wurde die Welthandelsorganisation (WTO) als Nachfolgerin
von GATT gegrŸndet. Seitdem wurde auf einer Reihe von Konferenzen
ergebnislos Ÿber diese Themen debattiert. Das Treffen im mexikanischen
Cancœn vor einem Jahr scheiterte, weil sich die EntwicklungslŠnder
erneut benachteiligt sahen. Die diesjŠhrige WTO-Konferenz in Genf
endete am 1. August mit einem mŸhsam zusammengezimmerten Rahmenabkommen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass sich die VerhŠltnisse schnell verbessern.
Zwar sollen die Exportsubventionen abgeschafft werden, die als die
schlimmsten Zerstšrer landwirtschaftlicher Strukturen im SŸden gelten,
aber ZeitplŠne und Umfang der VerŠnderungen sollen erst in der nŠchsten
Doha-Runde festgelegt werden. Diese ãEntwicklungsrundeÒ, die 2001
in Doha, der Hauptstadt von Katar, zum ersten Mal stattfand, kšnnte,
wenn alles gut geht, Anfang 2007 abgeschlossen werden. Das hei§t,
es kann noch Jahre dauern und viele bŠuerliche Existenzen kosten,
bis sich hier etwas Šndert. Die VorschlŠge zur Marktšffnung durch
Abbau von Zšllen lassen noch viel Streit erwarten. €hnliches gilt
fŸr die internen Beihilfen, die die reichen LŠnder ihren Landwirten
zahlen. In Genf wurde beschlossen, sie massiv zu beschneiden, aber
wer den Einfluss der InteressenverbŠnde kennt, muss bezweifeln,
dass es in absehbarer Zeit dazu kommt. WŠhrend der brasilianische
Au§enminister Celso Amorim meint, das Abkommen bedeute ãdas Ende
der Agrar-SubventionenÒ, sagt Bundeswirtschaftsminister Clement,
das Paket sei ãeine gute Grundlage fŸr weitere Verhandlungen und
ein wichtiges Signal fŸr Wachstum und BeschŠftigungÒ. Bei uns, wohlgemerkt...
Marianne Weno
Germanwatch und Euronatur: Die WTO Agrarverhandlungen
und Naturschutz: fŸr eine nachhaltige, naturvertrŠgliche lŠndliche
Entwicklung
Fritz Vorholz: Der Agrar-Fluch Ÿber dem Welthandel.
Die Zeit, 32/2004
WTO: Doha Work Programme ø Decision Adopted by the
General Council on 1 August 2004.
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