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AKTUELLES KOLUMNE DES MONATS

Marianne Weno, Vorstandsmitglied der Stiftung Naturschutz Berlin, greift monatlich aktuelle Entwicklungen im Umwelt- und Naturschutz auf und kommentiert sie.


Kolumne im Oktober:

Alles halb so schlimm?

Vor sieben Jahren erschien das Buch "Ökooptimisten" , in dem uns die Autoren Maxeiner und Miersch einreden wollten, mit unserer Umwelt sei alles in bester Ordnung. Die Diskussion um das Klimaproblem war für sie Kaffeesatzleserei. Inzwischen ist das dumme Buch vergessen, und kein ernsthafter Wissenschaftler zweifelt mehr daran, dass es wärmer wird auf der Erde und dass wir mit unserem Energieverbrauch daran schuld sind.

Jetzt hat sich in einem Spiegel-Interview der weltweit anerkannte Meteorologe Hans von Storch, Mitglied im Klimabeirat der Uno, zu den Klima-Aussichten im 21. Jahrhundert geäußert. Seine Positionen lassen sich in drei Thesen zusammenfassen:

1. Der Klimawandel ist unausweichlich. Wir können uns nur bemühen, ihn in Grenzen zu halten. „Selbst wenn wir uns… mächtig anstrengen, wird sich der CO2-Gehalt immer noch verdoppeln.”

2. Die Klimagase zu reduzieren „kostet Unsummen”. „Die Gesellschaften werden sich keinen unbegrenzten Klimaschutz leisten können.”

3. Das alles sei kein Grund zur Panik.”Global gesehen kann eine solche Entwicklung durchaus hier und da nachteilige Folgen haben. Aber ... wir werden genug Zeit haben, uns darauf einzustellen.” Von Storch ist überzeugt, dass sich die Menschen mit technischen Mitteln unter den veränderten Bedingungen einrichten können. “Der Mensch ist sehr anpassungsfähig und erfinderisch“.

Wir belügen uns selbst

Dem ersten Punkt muss man wohl leider zustimmen. Mit der jetzigen Energie- und Verkehrspolitik belügen wir uns selbst. Zwar gilt Deutschland als Vorreiter auf diesem Gebiet, aber die selbst gesteckten Ziele werden wir kaum noch erreichen. Die Wirtschaftspolitik steht dem Klimaschutz zu oft im Wege. So hören wir täglich die widersprüchlichsten Signale: Wir sollen vor allem für den Aufschwung sorgen, mehr und größere Autos kaufen, mehr fliegen, überhaupt mehr konsumieren. Dass wir das Geld besser für die Wärmedämmung unserer Häuser ausgeben sollten, sagt man uns nicht. Überhaupt ist von der Einsparung als wichtigster „Energiequelle" kaum noch die Rede.

Auch die Chance, die Stromversorgung neu zu strukturieren, wenn bald viele alte Kraftwerke ersetzt werden müssen, dürfte kaum genutzt werden. Die Stromerzeugung ist bei uns für 40% der Kohlendioxid Emissionen verantwortlich. Zwar fördern wir die erneuerbaren Energien, aber die Hauptlast werden wahrscheinlich nach wie vor große, zentrale Kohlekraftwerke tragen. Dabei ist Kohle, vor allem die Braunkohle, der klimaschädlichste Primärenergieträger, noch vor Erdöl und weit vor Erdgas. Aber Wirtschaftsminister Clement will die deutsche Kohle weiter fördern und warnt vor “übertriebenem” Klimaschutz. Ein anderes Thema: die Kraft-Wärme-Koppelung. Würden kleinere Kraftwerke in der Nähe der Verbraucher gebaut, damit auch die Abwärme genutzt werden kann, dann wären wir schon einen großen Schritt weiter, aber die Interessen der Energiewirtschaft sehen anders aus.

Zur zweiten These: Klimaschutz kostet viel Geld. Allerdings werden die fossilen Brennstoffe, die in absehbarer Zeit zu Ende gehen, allmählich so teuer werden, dass wir dann froh sein können, wenn wir rechtzeitig für Alternativen gesorgt haben. Die Forschung auf diesem Gebiet und der Bau der Anlagen schaffen schon heute viele Arbeitsplätze. Hinzu kommen die Exportchancen für ausgereifte Verfahren. Die Vorreiter werden die Gewinner sein.

Wieder ein Ökooptimist?

Dritter Punkt: Die Technik kann fast alles. Hans von Storch erwähnt jedoch mit keinem Wort, dass die Natur bei weitem nicht so flexibel und anpassungsfähig ist wie der Mensch. Das Aussterben der Arten unter veränderten klimatischen Bedingungen könnte sich so beschleunigen, wie wir es uns heute kaum vorstellen können. Wenn Brandenburg zur Steppe wird, werden wir kaum zum Trost unter Palmen spazieren. Von Storch meint, in dreißig Jahren würden die Landwirte ganz andere Nutzpflanzen anbauen als heute. Denkbar, dass in einer biologisch verarmten Landschaft dann immer noch genmanipuliertes Getreide und Gemüse gedeihen kann.
Richtig ist, dass wir einen anderen Waldbau brauchen, um Waldbrände einzudämmen, und den Umgang mit den Flüssen ändern müssen, um Überschwemmungskatastrophen zu verhindern. Unbeantwortet bleibt die Frage, was aus den armen Ländern wird, die wenig zur globalen Erwärmung beitragen, aber unter den Folgen am meisten leiden. Sie werden sich kaum all die Klimaanlagen leisten können, mit denen wir uns die Hitze erträglich machen - vorausgesetzt, dass sie sich dann emissionsfrei betreiben lassen. Keine Technik wird die Ausbreitung der Wüsten verhindern. Bangladesh oder die Südseeinseln werden die Schutzbauten nicht finanzieren können, die nötig wären, wenn der Meeresspiegel steigt. Hans von Storch meint, wir könnten ihnen dabei helfen, wenn wir nicht so viel Geld für den Klimaschutz verschwenden würden. Für einen Wissenschaftler klingt das ziemlich naiv.

„Alles eine Frage des Geldes”, sagt der Autor. Wohl wahr, wenn wir es richtig einsetzen.

Marianne Weno

"Wir werden das wuppen", Spiegel-Gespräch. Der Klimaforscher Hans von Storch über die Ursachen des Sahara-Sommers, unbegründete Ängste vor dem Weltuntergang und die Anpassung des Menschen an die globale Erwärmung. Der Spiegel Nr. 34 vom 18. August.




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