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AKTUELLES KOLUMNE DES MONATS

Kolumne im Oktober 2002

Wie man seinen Garten verwüstet

Schade, das Gras hört allmählich auf zu wachsen und damit ist die Zeit vorbei, in der man seinen Nachbarn mit Hilfe des Motormähers den letzten Nerv töten konnte. Kein schöner Sommernachmittag, an dem nicht eines dieser Monstren nach dem anderen losdröhnte und jeder zehn Quadratmeter großen Rasenfläche einen eleganten Kurzhaarschnitt verpasste. Aber keine Sorge, dafür gibt es ja die Laubsauger und Laubbläser, die sogar noch mehr Lärm machen, nämlich zwischen 106 und 115 Dezibel, die Lautstärke eines Presslufthammers. Rasenmäher dürfen höchstens 96 Dezibel produzieren. Nach der Gebrauchsanweisung sollte man bei der Anwendung Gehörschutz tragen, aber wer tut das schon? Und wie schützen sich Nachbarn oder Spaziergänger im Park?


Gesetze fehlen

Es gibt keinerlei Vorschriften zu Lärm und Abgasen für die potenziellen Folterwerkzeuge, die als fahrbare oder tragbare Geräte, mit Elektro-, Zwei- oder Viertakt-Verbrennungsmotoren auf dem Markt sind. Nicht nur die Stadtreinigung schreckt damit die Anwohner in aller Frühe aus dem Schlaf, auch Grünflächenämter oder die von ihnen beauftragten Firmen setzen die leistungsstärksten Geräte in Parks und auf Grünflächen ein, anstelle der Arbeiterkolonnen, die keiner mehr bezahlen kann. Und immer mehr Gartenbesitzer kaufen sich so ein röhrendes Ungetüm, spätestens, wenn der Nachbar eins hat, und fragen sich, wie sie früher das Laub in ihrem Garten beseitigen konnten, nur mit einer ordinären Harke.

Das Umweltbundesamt (UBA) und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) warnen davor, diese Geräte einzusetzen. Allenfalls halten sie es für vertretbar, versiegelte Flächen, Straßen und Treppen damit zu reinigen. Schon 1999 hat sich der Petitionsausschuss mit dem Thema beschäftigt - vergeblich. Die Umweltverbände appellieren immer wieder an Gartenbesitzer, die Laubstreu und ihre vielen Bewohner zu bewahren - aber wer will schon freiwillig auf den technischen "Fortschritt" verzichten, den heutzutage "jeder" nutzt?



Lärm und Gestank sind nicht das Schlimmste

Vor allem die Laubsauger verwüsten die Grünanlagen und Gärten. Wo sie ein paar Jahre lang geputzt haben, wird man keine Meise und keinen Igel mehr sehen, und Schmetterlinge werden zur Rarität. In den Laubsaugern verschwinden nämlich nicht nur die Blätter und viele Pflanzensamen, sondern alle Kleintiere, die am Boden leben und dort eine wichtige Funktion haben: Regenwürmer, Spinnen, Asseln und Tausendfüßler, Springschwänze und Milben, die Laub und Pflanzenreste in Humus verwandeln, Insekten, die Vögeln und anderen Tieren als Nahrung dienen, Marienkäfer, die im Sommer die Blattläuse vertilgen. Igel, Spitzmaus und Kröte finden in der Laubschicht Schutz vor der Kälte, Schmetterlingspuppen überwintern dort. Der Laubsauger verletzt die größeren und verschlingt die kleinen Tiere, bis hin zu Fröschen und Molchen. Meist werden sie im gleichen Arbeitsgang zerhäckselt.


Laub ist wertvoll

Der Laubfall ist eine hervorragende Recyclingmethode der Natur. Die Blätter verrotten, werden mit Hilfe der Kleinlebewesen in Humus verwandelt und geben dem Boden die Nährstoffe zurück, die der Baum ihm entzogen hat. Wer den natürlichen Kreislauf unterbricht, muss später teuren Dünger und Humuserde in Säcken kaufen, damit überhaupt noch etwas wächst. Unter Sträuchern und Stauden können die Blätter liegen bleiben. Sie schützen den Boden vor dem Austrocknen und die Wurzeln vor dem Frost. Im Frühjahr werden sie fast ganz verschwunden sein. Von Rasenflächen kann man das Laub abharken und kompostieren. Ein bisschen Bewegung im Freien tut immer gut.

Wer vom großen Herbstputz im Garten nicht lassen mag, bekommt dafür einen artenarmen, grünen "Salon". Wer sich hingegen ein lebendiges Stück Natur wünscht, mit Singvögeln und Schmetterlingen, der sollte die Wunderwerke der Technik unbedingt im Gartencenter stehen lassen.

Mehr zum Thema:

• Umweltbundesamt:
Presseinformation Nr. 41/00
" Kompostieren - aber richtig"
Broschüre
NABU Saarland
Zum Wildpark
66609 Weiskirchen

• "Naturgarten" Infoblätter
Natur- und Umweltschutz-Akademie des Landes NRW (NUA)
Postfach 10151
454610 Recklinghausen 3

Die Kolumne gibt nicht unbedingt die Meinung der Gremien der Stiftung Naturschutz Berlin wieder.

 


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