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Marianne
Weno, Vorstandsmitglied der Stiftung Naturschutz Berlin, greift
monatlich aktuelle Entwicklungen im Umwelt- und Naturschutz auf
und kommentiert sie. |
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Kolumne im November:
Baumschutz – verbessern statt verwässern!
„Wegen der Bedeutung
für die... Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts, insbesondere
zur Erhaltung der Lebensgrundlagen sowie zur Belebung... des Orts-
und Landschaftsbildes, Verbesserung des Stadtklimas und zur Abwehr
schädlicher Einwirkungen wird der Baumbestand in Berlin...geschützt.“
Aus §1 (Schutzzweck) der Baumschutzverordnung von 2001.
Eine Beobachtung in der Nachbarschaft: ein Gartenbesitzer
lässt mitten in der Brutzeit klammheimlich eine Reihe großer,
alter Fichten fällen und Stämme und Stubben in aller Eile
abtransportieren. Dafür wuchert jetzt in seinem Garten hoch
wachsender Bambus. Damit hat er gleich doppelt gegen die Baumschutzverordnung
verstoßen: Für Bäume mit einem Stammumfang von mehr
als 60 cm braucht man eine Fällgenehmigung, und die vorgeschriebenen
Ersatzpflanzungen sollen „standortgerecht“ sein, was
man von Bambus sicher nicht behaupten kann.
Hätte damals schon gegolten, was heute als Novelle
zur Baumschutzverordnung im Gespräch ist, dann hätte der
Nachbar legal gehandelt - sieht man von der Fällung zur Unzeit
ab. Die Fichte wäre nicht geschützt, Ersatzpflanzung daher
auch nicht vorgeschrieben, und Bambus im Garten ist schließlich
nicht verboten.
Legal - illegal
Wegen der strengen Auflagen werden viele Bäume illegal gefällt.
Da jedoch nicht alle Gartenbesitzer so unverfroren vorgehen, müssen
sich die Grünflächenämter mit einer Fülle von
Genehmigungsverfahren herumschlagen. In einigen Bezirken geht es
dabei großzügig zu, in anderen kämpft man um jeden
Baum. In jedem Fall entstehen Kosten, die sich die Bezirke gern
ersparen würden.
Von der FDP stammt der Vorschlag, die Baumschutzverordnung
ganz zu streichen, um Bürokratie abzubauen. Viele Gartenbesitzer
würden sich freuen, weil sie der Schatten unter großen
Bäumen und das herbstliche Laubharken ärgert. Zum Glück
hat die zuständige Senatsverwaltung einen solchen Freibrief
abgelehnt. Geplant ist aber, die Verordnung „zu ‚verschlanken’
und den Verwaltungsaufwand weitestmöglich zu reduzieren“.
Wir verlieren einen ganzen Wald
Umweltschützer sind alarmiert. Zwar sind sie nicht dagegen,
dass man allzu bürokratische Verfahren vereinfacht. Die Neufassung
böte eine Chance, den Schutz der Bäume zu verbessern.
Das wäre auch sehr nötig, denn das Grün in der Stadt
wird immer weniger. Aber der Entwurf der neuen Verordnung lässt
wenig Gutes erwarten. So sollen Bäume erst ab einem Stammumfang
von 80 cm (statt wie bisher von 60 cm) geschützt sein. Das
bedeutet, dass viele jüngere, noch gesunde Bäume, die
eine lange Lebensdauer vor sich hätten, bedroht wären,
während die älteren oft schon schwer geschädigt sind
und ohnehin bald gefällt werden müssen..
Sehr bedenklich auch, dass Bäume, die näher
als 3 m an einem Gebäude stehen, nicht mehr geschützt
sein sollen. Sieht man sich in der Stadt um, dann wird klar, wie
viele Gehölze davon betroffen wären. In Vorgärten
und auf Höfen in der Innenstadt gäbe es kaum noch geschützte
Baume. Umweltdezernentin Schmiedhofer in Charlottenburg-Wilmersdorf
bringt es auf den Punkt: Grundstücksbesitzer fällen einzelne
Bäume, „aber in der Masse verlieren wir einen ganzen
Wald“. Diskutieren lässt sich über die Frage, ob
der Schutz auf Laubbäume und Kiefern beschränkt werden
soll und was aus schwachwüchsigen Arten wie Rot- und Weißdorn
wird. Denkbar wären einfachere Regeln bei Ersatzpflanzungen
und Ausgleichsabgaben. Erleichtern könnte man es, in bestimmten
Fällen Bäume fachgerecht zu beschneiden oder zu dicht
stehende Baumgruppen auszulichten.
Bis zum 17. November können die Naturschutzverbände
sich schriftlich zu den Plänen äußern. Am 24. November
gibt es einen offiziellen Erörterungstermin, und
bis Ende des Jahres soll die neue Verordnung beschlossen werden.
Dann könnte noch vor Beginn der Brutzeit am 1. März das
große Sägen beginnen. Sollte der jetzige Entwurf umgesetzt
werden, dann wären nach einer Statistik des Spandauer Bezirksamtes
36% weniger Bäume geschützt als bisher.
Es gab einmal einen Bausenator in Berlin, der versprach,
sich schützend vor jeden Baum zu stellen. Da würden wir
unseren Umweltsenator auch gern stehen sehen.
Marianne Weno
Link
zu den Original Gesetzestexten, der Baumschutzverordnung –
BaumSchVO
Link zum FDP
Antrag
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