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Marianne
Weno, Vorstandsmitglied der Stiftung Naturschutz Berlin, greift
monatlich aktuelle Entwicklungen im Umwelt- und Naturschutz auf
und kommentiert sie. |
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Kolumne im Mai:
Sammelmeister und Papiertiger
Es ist noch nicht so lange her, da haben wir unsere Weihnachts und Geburtstagsgeschenke in leicht brŠunlich buntes Papier verpackt, dem man die Herkunft aus Altpapier und das vorbildliche Umweltbewusstsein des Schenkenden ansah. Wir haben unsere Nasen tapfer mit grauen PapiertŸchern geputzt, die manchmal Juckreiz verursachten. Und wir kauften einen Computer mit Hinweis darauf, dass nun das papierlose BŸro Einzug halten und damit den Wald retten wŸrde. Das alles spielte sich ab, als das Waldsterben noch im GesprŠch war.
Und heute? Dem Wald geht es weltweit kaum besser, aber wir reden nicht mehr darŸber. Recycling Geschenkpapier findet man hšchstens noch in den seltenen SpezialgeschŠften, die grauen TaschentŸcher sind fast wei§ und hautfreundlich, aber man muss lange nach ihnen suchen, Kopierer und Drucker kšnnten klaglos 100 Prozent Altpapier verarbeiten - wenn wir sie lie§en.
Aus der Mode?
Beim Sammeln von Altpapier sind wir (fast) Weltmeister, nur die Schweizer sind noch besser. Anderswo spottet man Ÿber den teutonischen Sammeleifer. Durchschnittlich wirft jeder und jede von uns jŠhrlich 139 Kilogramm in die Container. Allerdings nicht sehr sorgfŠltig. Beim Dualen System hat man aufgelistet, was alles in den Tonnen landet: unter anderem KleiderbŸgel, Toaster und tote Hunde. Weniger kurios, aber auch stšrend, werden Tesafilm, Post-it-Klebezettel und Verbundmaterialien mit gesammelt.
Aber beim Verbrauch des recycelten Produkts sind wir Papiertiger. WŠhrend wir pro Kopf und Jahr 220 Kilogramm Papier verbrauchen, bei weiter steigender Tendenz, ist der Absatz von Recyclingpapier um 10 Prozent geschrumpft. Woran das liegt? Zum Teil wohl daran, dass das Interesse an Umweltfragen abnimmt. Den Wald gibt es schlie§lich immer noch, und es hat sich wohl auch herumgesprochen, dass hierzulande keine BŠume fŸr die Papierherstellung gefŠllt werden. Dass dafŸr in Russland, Kanada, Indonesien, Skandinavien und anderswo riesige WŠlder verschwinden und in den Papierfabriken enden und dass mit der Papierherstellung aus Holz gewaltige Umweltbelastungen verbunden sind, beeindruckt die Verbraucher offenbar weniger. Auch hat es Kampagnen gegeben unter dem Motto: "Wir sammeln den Wald zu Tode". Waldbesitzer behaupteten, es wŸrde kein Durchforstungsholz mehr verarbeitet, deshalb kšnnten die WŠlder nicht richtig gepflegt werden. Das stimmt schon deshalb nicht, weil hiesige Papierfabriken fast ausschlie§lich importierten Zellstoff verwenden. Und MŸllentsorger beklagten, der Anteil von Papier in den MŸllverbrennungsanlagen sei zu gering, um fŸr die nštigen Temperaturen zu sorgen. Auch wurde immer wieder behauptet, Drucker und FaxgerŠte wŸrden durch Recyclingpapier beschŠdigt, was allenfalls in der Anfangsphase passieren konnte.
Jeder fŸnfte Baum wird zu Papier
1970 wurden weltweit 110 Millionen Tonnen Papier verbraucht, 2000, drei§ig Jahre spŠter, waren es schon 310 Millionen. Weil die Papierflut nicht zu stoppen ist und in kaum vorstellbarem Ausma§ Naturressourcen vernichtet, ist Papierrecycling wichtiger denn je. Viel mehr BŠume werden gerodet als nachwachsen, zum gro§en Teil in unersetzlichen UrwŠldern, und jeder fŸnfte gefŠllte Baum wird zu Papier verarbeitet. Das Schwinden der WŠlder heizt auch den Klimawandel an. Um Zellstoff fŸr hochwertiges Papier zu gewinnen, werden Holzschnitzel mit Schwefelsalzen gekocht. Die Chemikalien gelangen in FlŸsse und Meere. Zum Bleichen nimmt man Chlorverbindungen, die Krebs und ErbgutschŠden verursachen. Fische aus der Ostsee sind mit Dioxinen belastet. Auch "chlorfrei gebleicht" ist keine sichere Alternative. Eine …kobilanz fŸr graphische Papiere im Auftrag des Umweltbundesamtes hat klar gezeigt, dass Recyclingpapier auf allen Stufen der Herstellung wesentlich umweltvertrŠglicher ist als Papier aus Frischfasern.
Initiative 2000 plus
Umwelt und VerbraucherverbŠnde in NRW unter der Schirmherrschaft des Umweltbundesamtes und der Umweltministerin BŠrbel Hšhn haben schon 2000 eine Kampagne begonnen unter dem Motto: "Initiative 2000 - Schulmaterialien aus Recyclingpapieren". Mit vielfŠltigen Aktionen versuchen sie, EinzelhŠndler und Schulen dafŸr zu gewinnen. Vor allem soll gerade bei den "nachwachsenden" Verbrauchern der Sinn fŸr die Probleme geweckt werden, die mit dem Papierverbrauch verbunden sind.
In Berlin lŠuft eine Šhnliche Kampagne, an der sich neben UmweltverbŠnden und der Stiftung Naturschutz auch die BSR beteiligt. Am 30. April fand im …kowerk eine Tagung zu dem Thema statt. Die BUND Jugend hat eine BroschŸre herausgegeben, mit Tipps fŸr SchŸler, die den Verkauf von Recyclingpapier an Schulen organisieren wollen.
Das alles soll Erwachsene nicht daran hindern, Ÿber ihren eigenen Papierverbrauch und die Folgen nachzudenken. Sammeln ist gut, Recyclingpapier auch nutzen ist besser - und Papier sparen am besten.
Marianne Weno
"Umweitfreundliche Schulmaterialien", GrŸnstift spezial, Stiftung Naturschutz
"Paper news" 1999 bis 2002, Ein Magazin von Stern, Der Spiegel, Hšrzu, TV Hšfen und sehen, FŸr Sie, Focus, Die Zeit, Nachrichten und Meinungen zum Thema Papier.
"Umweitschutzpapier an Schulen", Eine Broschüre der BUND-Jugend |