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AKTUELLES KOLUMNE DES MONATS

Kolumne im März 2003

Teufel auf dem Berg

Ein skandalöses Projekt wird durch langes Lagern nicht besser. 1997 fing der Ärger um eine Bebauung auf dem Teufelsberg an. Die Große Koalition hatte unter Federführung von Bausenator Klemann (CDU) das 5 Hektar große Gelände um die ehemalige Radarstation weit unter Wert an einen Investor verkauft, der dort eine Siedlung mit Hotel, Restaurant, Museum, Tagungszentrum und exklusiven Wohnungen errichten wollte. Berliner, die den Teufelsberg als beliebtes Ausflugsziel schätzen, gerieten in Aufruhr. Umweltschützer, Sportverbände, Gewerkschaften und Anwohnerinitiativen bildeten ein "Aktionsbündnis Teufelsberg". Es gab Demonstrationen und 3000 Einwände gegen den "Vorhaben- und Erschließungsplan", die in einer dicken Broschüre alle systematisch "widerlegt" wurden. Der Vorgang zeigte exemplarisch, wie Bürgerbeteiligung zur Farce gemacht werden kann.


Gegen alle Widerstände

Rätselhaft bleibt bis heute, warum der Senat sich damals über alle rechtlichen Vorgaben hinwegsetzte, um ein derart fragwürdiges Projekt durchzupeitschen. So hieß es, die Fläche sei kein Wald, weil dort keine Bäume stünden. Nach dem Landeswaldgesetz gehören jedoch zum Wald auch Flächen, die keine Bäume tragen, wenn sie in einem geschlossenen Waldgebiet liegen. Nach dem Dauerwaldvertrag von 1915 sollte der ganze Grunewald als Erholungsgebiet unangetastet bleiben. Im Flächennutzungsplan von 1994 ist das Areal als "Sondernutzung Kultur mit hohem Grünanteil" ausgewiesen. Darunter könnte man sich etwa eine Aussichtsplattform, ein Waldrestaurant oder ein kleines Museum vorstellen. Dieser Plan wurde einfach formlos "berichtigt". Dem eigentlich zuständigen Bezirk Wilmersdorf, der das Projekt ablehnte, wurde die Entscheidungskompetenz entzogen. Die "Gemeinsame Landesplanung" von Berlin und Brandenburg hatte im Landesentwicklungsplan festgelegt: "Die Verfestigung, Erweiterung und Entstehung von Splittersiedlungen ist zu vermeiden." Auch dieses selbstgestellte, sinnvolle Prinzip wurde hier vom Tisch gewischt.



Kein Geld und neue Pläne
Inzwischen sind mehr als fünf Jahre vergangen, und auf dem Teufelsberg tut sich - nichts. Ein paar eher symbolische Arbeiten haben stattgefunden, um den Baubeginn zu markieren, aber das ganze Projekt ist ein Luftschloss geblieben. Jetzt möchte der Investor anstelle des Hotel-und Tagungszentrums dort ein reines Luxus-Wohngebiet errichten. Er ist jedoch hoch verschuldet, wahrscheinlich kurz vor dem Konkurs, und auf dem Gelände liegen Hypotheken in zweistelliger Millionenhöhe. Das Gerücht kursiert, sie seien im Zusammenhang mit den Garantiefonds der Berliner Bank zu sehen. Das könnte erklären, warum der Senat immer noch zögert, den Kaufvertrag über das Gelände rückgängig zu machen. Nach dem Vertrag wäre das möglich.


Aus für das Waldgebiet
Würde das Projekt in der einen oder anderen Form doch noch verwirklicht, dann bedeutete dies die Zerstörung einer beliebten Erholungslandschaft, nicht nur auf der Kuppe des Berges. Allein die Bauarbeiten würden große Schäden anrichten. Baumaterialien und Schuttmassen müssten transportiert, Leitungen durch den Wald gezogen, Baumwurzeln abgehackt werden. Mitten im Wald würde ein Stadtquartier entstehen, mit dem unvermeidlichen Autoverkehr auf der steilen Auffahrtstraße. Im Winter müsste dort wahrscheinlich Salz gestreut werden, das dann in den Teufelssee fließen würde. Bewohner würden auf den erosionsgefährdeten Hängen umherstreifen, ihre Hunde laufen lassen und die Wildtiere vertreiben. Vor allem aber würde der nördliche Grunewald seinen Charakter als geschlossenes Waldgebiet verlieren.


Die Gegner müssen aufwachen

Umweltschützer haben schon oft erfahren, dass Geldmangel ein Segen sein kann, wenn er naturzerstörende Projekte verhindert. Auf dem Teufelsberg besteht die Chance, eine groteske Fehlentscheidung auf Kosten der Berliner Wald- und Seenlandschaft rückgängig zu machen. Unter den Abgeordneten sind die Meinungen geteilt. Die CDU möchte an der ursprünglichen Planung festhalten, die FDP will ein neues Bieterverfahren. Bündnis 90/Die Grünen lehnt jede Bebauung ab. Die rot-rote Koalition lässt erst einmal alles offen und will prüfen, prüfen, prüfen... In dieser Situation kommt es darauf an, den eingeschlafenen Widerstand der Umweltverbände und Bürgerinitiativen wieder zum Leben zu erwecken. Vielleicht fehlt nur noch ein letzter Anstoß durch massive Proteste, um den Senat zu einem Schlussstrich zu bewegen.

Marianne Weno

Die Kolumne gibt nicht unbedingt die Meinung der Gremien der Stiftung Naturschutz Berlin wieder.

 



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