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AKTUELLES KOLUMNE DES MONATS
Kolumne im März 2002

Energie aus dem Wald?

Darüber, dass Sonne, Wind, Erdwärme,Wasserkraft und Biomasse schnell und weitgehend die herkömmlichen Energieträger ersetzen müssen, gibt es kaum noch Diskussionen. Die Probleme fangen an, wenn die einzelnen Projekte geplant werden. Denn fast jede der "sauberen" Energieerzeugungs-Methoden hat eine Kehrseite zu Lasten des Naturschutzes. Beim näheren Hinsehen stellt sich dann auch manchmal heraus, dass nicht alle dieser gut gemeinten Vorhaben sinnvoll sind. Immer gilt es, sorgfältig abzuwägen zwischen dem Nutzen für die Klimaentwicklung und möglichen Schäden für die Natur. Mitunter ergibt die Ökobilanz, dass die Vorteile einer Anlage am geplanten Ort weit geringer sind, als man glaubte. Neuerdings ist die thermische Nutzung von Schwach- und Restholz aus den Berliner Wäldern im Gespräch. In der Planung, wenn auch noch nicht im Genehmigungsverfahren, ist zunächst ein 180- Megawatt-Wärmekraftwerk in Neukölln, auf dem Gelände der ehemaligen Eternitfabrik. Es soll die Gropiusstadt mit Fernwärme versorgen. Als Brennstoff sind 220 000 Tonnen Holz pro Jahr vorgesehen, davon 70% Alt- bzw. Abfallholz und 30% Schwachholz u.a. aus den Berliner Wäldern. Hier beginnt das Problem.

Biomasse gibt nur so viel Kohlendioxid ab, wie vorher gespeichert wurde, und was nachwächst, nimmt wieder das klimaschädliche Gas auf. Deshalb werden Biomasse-Kraftwerke vom Bund gefördert. Der Chemiker und Naturschutz-Sprecher beim BUND Südwest, Dr. Achim Förster, rechnet vor, dass ein kg Holz 1.83 kg oder 932 Liter Kohlendioxid bindet. Wird das Holz im Wald allmählich in Humus verwandelt, dann dauert es relativ lange, bis das CO2 wieder in die Atmosphäre gelangt.


Holz als Dünger

Dieser Prozess der Humusbildung ist sehr wichtig für den Wald. Holz enthält mineralische Bestandteile, die bei der Verrottung dem Boden genau das zurückgeben, was die nachwachsenden Bäume brauchen. Wenn man das Holz aus dem Wald entfernt, nimmt man ihm das notwendige Magnesium und Kalium sowie Spurenelemente im richtigen Mengenverhältnis und ohne störende chemische Zusätze. Humus aus Laub und Kräutern allein kann diesen idealen "Dünger" für die Bäume nicht ersetzen. Zugleich hat Humus die Fähigkeit, Regenwasser und die darin gelösten Mineralstoffe in den oberen Bodenschichten festzuhalten. Außerdem erinnert Dr. Förster daran, wie wichtig das verrottende Totholz für Insekten, Pilze und insektenfressende Tiere ist.


Arme Böden, kranke Bäume

Unsere Sandböden enthalten kaum Gestein, das verwittern und die nötigen Mineralien abgeben könnte. Auch fehlt ihnen die Speicherkapazität für Wasser und Nährstoffe. Über viele Jahre wurde der Wald regelmäßig "aufgeräumt", bis man den Wert des Totholzes erkannt hat. Dazu kam die Belastung durch Luftschadstoffe und den sauren Regen. Heute sind die Berliner Waldböden verarmt und ausgelaugt, die Bäume sind Schwächeparasiten ausgesetzt, und die Schäden sind unübersehbar.

Bei einer Veranstaltung des BUND Südwest zu dem Thema gab es eine kontoverse Diskusssion zwischen Gegnern und Befürwortern der Holzschnitzel-Verbrennung. Dafür waren Vertreter des Umweltamtes, die sich für den Klimaschutz engagieren, und überraschend auch einige Revierförster. Sie meinen, es würde nur ein kleiner Teil des Restholzes genutzt, der nicht ins Gewicht falle. Holz von Straßenbäumen, aus Parks und privaten Gärten, das ohnehin entsorgt wird, könnte zur Energiegewinnung genutzt werden. Allerdings, wenn die Anlagen erst einmal laufen, wollen sie auch ständig "gefüttert" werden, und es stellt sich die Frage, ob die "unschädlichen" Mengen ausreichen, oder ob am Ende zwangsläufig immer mehr Holz aus den Wäldern herausgeräumt wird.

Eine endgültige Klärung gibt es noch nicht. Unter Wissenschaftlern ist das Thema umstritten. Bevor jedoch ein derartiges Projekt begonnen wird, müsste genau geprüft werden, ob die ohnehin schwer belasteten Berliner Wälder nicht durch voreilige Entscheidungen zusätzlich geschädigt werden.

Mehr zum Thema:

Erneuerbare Energiengesetz

Biomasseverordnung
Verordnung über die Erzeugung
von Strom aus Biomasse

Die Kolumne gibt nicht unbedingt die Meinung der Gremien der Stiftung Naturschutz Berlin wieder.

 


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