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Marianne
Weno, Vorstandsmitglied der Stiftung Naturschutz Berlin, greift
monatlich aktuelle Entwicklungen im Umwelt- und Naturschutz auf
und kommentiert sie. |
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Kolumne im Juni:
Fair beim FrŸhstŸck
Wenn am Morgen der Kaffeeduft durch die Wohnung zieht ø haben wir dann einen freundlichen Gedanken Ÿbrig fŸr all die Frauen und MŠnner, die in tropischer Hitze all die kleinen Kaffeekirschen gepflŸckt haben? Die meist fŸr einen Hungerlohn und oft unter gesundheitsschŠdlichen Bedingungen arbeiten? Wohl kaum. Wer wei§ schon, woher der Muntermacher kommt, wie er wŠchst, verarbeitet und gehandelt wird?
Kaffee ist nach Erdšl das zweitwichtigste Welthandelsprodukt. In 76 LŠndern um den €quator arbeiten rund 100 Millionen Menschen in seiner Produktion und Verarbeitung. 160 Liter trinken wir durchschnittlich pro Kopf und Jahr In Deutschland. Und Kaffee war noch nie so billig wie jetzt. Das liegt daran, dass immer mehr produziert wird. UrsprŸnglich waren es hauptsŠchlich selbststŠndige Kleinbauern, die KaffeestrŠucher pflanzten und von den ErtrŠgen einigerma§en leben konnten. Sie arbeiteten traditionell und relativ umweltschonend, mit natŸrlicher SchŠdlings-bekŠmpfung, SchattenbŠumen und nutzbaren Unterpflanzungen. Der Preisverfall hat viele von Ihnen zum Aufgeben gezwungen. Ihr Land wurde meist von Gro§produzenten aufgekauft, die den Kaffee auf gro§en Plantagen in Monokulturen mit entsprechendem Pestizideinsatz anbauen.
Aus fŸr die Kleinbauern
Immer mehr Kleinbauern werden so verdrŠngt. Die Menschenrechtsorganisation FIAN beschreibt einen Fall in Uganda, an dem die deutsche Neumann Kaffee Gruppe beteiligt ist. Dort wurden Ÿber 2000 Menschen gewaltsam von ihrem Land vertrieben, grš§tenteils ohne EntschŠdigung, damit die Firma Kaweri, eine Tochter des deutschen Unternehmens, dort eine Kaffeeplantage errichten konnte.
Eine Šhnliche Entwicklung, wie sie bei fast allen landwirtschaftlichen Produkten der Dritten Welt zu beobachten ist: bei Blumen, Kakao, Bananen und Ananas. Menschenrechts- und Umweltprobleme sind fast immer zwei Seiten einer Medaille. Multinationale Firmen kaufen Land auf, errichten riesige Monokulturen, vertreiben einheimische Bauern, die dann als Tagelšhner oder Saisonarbeiter bei ihnen arbeiten dŸrfen, und verseuchen Bšden und GewŠsser mit Pestiziden und Herbiziden.
Schon seit den siebziger Jahren gibt es den fairen Handel. Er hat sich im Laufe der Zeit einen festen, wenn auch immer noch zu kleinen Marktanteil erobert. Produkte mit dem TransFair-Siegel werden bei Kleinbauern-Kooperativen gekauft und garantieren den Produzenten einen Preis, der zwei- bis dreifach Ÿber dem Weltmarkt-Niveau liegt und von dem sie leben kšnnen. Ein Teil des Erlšses flie§t den Bauern direkt zu, Ÿber den Rest bestimmen sie gemeinsam, bauen Gemeinschafts-einrichtungen, fšrdern Frauenprojekte und vieles andere. FŸr die beteiligten Bauern haben sich die LebensverhŠltnisse erheblich verbessert.
Verbraucher sind gefragt
Seit 2003 versucht die Verbraucher Initiative gemeinsam mit dem Transfair Verein und dem Weltladen-Dachverband durch die Kampagne "fair feels good" Verbraucher fŸr den fairen Handel zu gewinnen. Neben Kaffee gibt es auch Tee, Bananen, Schokolade und viele andere Produkte mit dem TransFair-Siegel. Man findet sie inzwischen nicht nur in den WeltlŠden, sondern ø vor allem den Kaffee - auch in vielen SupermŠrkten.
Das TransFairøSiegel sagt noch nichts Ÿber die …ko-QualitŠten aus. Aber unter den beteiligten Kooperativen gibt zunehmend solche, die auf škologischen Anbau setzen und auf KunstdŸnger und Pestizide verzichten. Inzwischen tragen viele Packungen neben dem TransFair- auch ein Biosiegel.
Am 8. Mai trafen sich die Berliner Teilnehmer am Freiwilligen …kologischen Jahr zu ihrem diesjŠhrigen Aktionstag. Sie schwŠrmten aus, um Gastronomen, die TransFair-Produkte anbieten, mit einer Plakette auszuzeichnen, die au§en an den Lokalen angebracht wurde.
Und wir? FŸr uns ist der TransFair-Kaffee natŸrlich teurer, besonders verglichen mit den vielen Lockangeboten des Handels. Aber pro Tasse macht der Mehrpreis nur ungefŠhr 1,7 Cent aus ø sehr wenig, wenn man den gro§en Nutzen bedenkt ø und die hervorragende QualitŠt. Wenn schon nicht beim FrŸhstŸck ø beim Kaffeekauf sollten wir daran denken: "fair feels good".
Marianne Weno
Informationen durch: TransFair e.V., Remigiusstra§e 21, 50937 Kšln, Tel. 0221-94 20 40 0. www.transfair.org
Kampagne "fair feels good" Ÿber Verbraucher Initiative e.V., Georg Abel, Elsenstra§e 106, 12435 Berlin
Faszination Kaffee, Script zur WDR-Sendereihe "Quarks & Co". http://www.wdr.de |