 |
Kolumne im Juli
Ein Stoff mit Licht- und Schattenseiten
Aluminium. Bei dem Begriff denken die meisten Leute wohl
zuerst an Haushaltsfolie, Jogurtdeckel, Getränkedosen (die hierzulande
meistens aus Weißblech mit Alu-Deckel bestehen) und andere Alltagsprodukte.
Die Verpackungen machen aber nur gut ein Zehntel des Verbrauchs aus.
Das meiste Aluminium wird beim Fahrzeugbau verbraucht, an zweiter Stelle
folgt der Bausektor.
Keine Frage, Aluminium ist ein unentbehrlicher Werkstoff
für langlebige Güter mit hervorragenden Eigenschaften: leicht,
dauerhaft und formbeständig. Es ist nach Sauerstoff und Silizium
das dritthäufigste Element in der Erdkruste. Abgebaut wird es vor
allem in Australien, Brasilien, China, Indien, Ghana und anderen afrikanischen
Ländern.
Die Umweltkosten sind hoch
Keine Frage auch: Auf dem Weg vom Abbau des Erzes Bauxit bis zum fertigen
Produkt gibt es schwerwiegende Umweltprobleme. Landschaftszerstörung
durch den Bauxit-Tagebau, giftige und klimaschädliche Emissionen
auf allen Stufen, Transporte rund um die Erde, von der Bauxitmine zum
Tonerdewerk, zum Hüttenwerk und von dort ins Walzwerk, die Gießerei
und die Endverarbeitung. Das größte Problem ist jedoch der
enorme Energieverbrauch im Hüttenwerk, wo aus der Zwischenstufe
Aluminiumoxid (Tonerde) auf elektrolytischem Wege das reine Metall gewonnen
wird. Pro Tonne Aluminium werden 13.500 Kilowattstunden gebraucht.
Ist Wasserkraft die Lösung?
Die Aluminiumindustrie tut viel, um ihr schlechtes Umweltimage zu verbessern.
So betont sie, dass 60% des Stroms aus Wasserkraft erzeugt werden. Was
das bedeuten kann, zeigt aktuell das heftig umstrittene Kârahnjôkar-Projekt
auf Island. Dort soll inmitten unberührter Landschaft ein Fluss
zu einem riesigen Wasserkraftwerk ausgebaut werden, um ausschließlich
Strom für eine amerikanische Aluminiumhütte zu liefern. In
Brasilien wurden in der Sierra dos Carajas für den Bau eines Stausees
10 000 Indianer zwangsumgesiedelt.
Die Industrie weist auch auf die großen Fortschritte
bei der Filtertechnik und den Aufarbeitungsmethoden hin. Das gilt aber
vor allem für die Betriebe in den Industrieländern, während
in Entwicklungs- und Schwellenländern, vor allem beim Bauxitabbau
und der Tonerdeherstellung, teilweise noch schlimme Umwelt- und Arbeitsbedingungen
herrschen.
Energie sparen durch Energiefresser
Die Autoindustrie verwendet zunehmend Aluminium, um die Fahrzeuge
leichter zu machen und den Kraftstoffverbrauch zu senken. Die Ökobilanz
verbessert das allerdings nicht, wenn man den Energieverbrauch bei der
Herstellung der Al-Teile einrechnet.
Ein Argument, das für Aluminium spricht, ist die hohe
Recyclingquote. Im Bausektor wird das Material schon zu 85 bis fast
100 Prozent wiederverwertet. Zwar entstehen beim Einschmelzen im Drehtrommelofen
auch gasförmige Schadstoffe, darunter Dioxine, und eine giftige
Salzschlacke. Insgesamt sind die Emissionen und der Energieverbrauch
jedoch wesentlich geringer als beim Primäraluminium.
Fast alle denkbaren Vorteile gehen jedoch verloren, wenn
Aluminium zu kurzlebigen Wegwerfartikeln verarbeitet wird. Kleine zerknüllte
Folienteile und Verbundstoffe lassen sich schlecht wiederverwerten.
Der Aufwand bei der Herstellung steht in keinem vernünftigen Verhältnis
zum Nutzen. Im Alltag können wir diesen Produkten kaum entgehen.
Mehrwegflaschen haben Alu-Deckel, und selbst Kartonverpackungen für
Bio-Milch sind manchmal mit Alufolie verschlossen. Aber es bleibt noch
viel Überflüssiges, auf das wir bei einigem Nachdenken gut
verzichten können.
Es gibt ein Leben ohne Alufolie.
Marianne Weno
|