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Marianne
Weno, Vorstandsmitglied der Stiftung Naturschutz Berlin, greift
monatlich aktuelle Entwicklungen im Umwelt- und Naturschutz auf
und kommentiert sie. |
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Kolumne im Dezember:
„sonst wird dich der Jäger holen...“
„Das Zusammenspiel von Hundelaut,
Flintenknall und rollierenden Rotröcken...bringt auch das grüne
Blut der jugendlichen Jäger zum Kochen.“
Zeitschrift „Jäger“, zitiert nach „Der Spiegel“,
44/2001.
„Die Jagd ist eine Nebenform menschlicher Geisteskrankheit.“
Theodor Heuss
In manchen Gegenden Berlins glauben die Bewohner, die
Machtübernahme der Wildschweine stehe kurz bevor. Viele meinen,
es werde zu wenig gejagt. Unterdessen ruft eine „Initiative
zur Abschaffung der Jagd“ zum wiederholten Mal zu einer Demonstration
auf.
Die Hälfte aller Deutschen lehnt die Jagd ab.
Bei den Frauen sind es zwei Drittel. Einiges spricht dafür,
dass wir ohne sie auskommen könnten. Alles spricht dafür,
dass wir sie nicht abschaffen können, weil die menschlichen
„Beutegreifer“ mit Klauen und Zähnen, das heißt
mit einer mächtigen Lobby, ihre angestammten Rechte verteidigen.
Eine Frage der Macht
Mit der Jagd verbindet sich weit mehr als die bekannten Rationalisierungen:
Regulierung des Wildbestandes, Schutz des Waldes, Nutzung von Fleisch
und Fellen. Wäre es so, dann würden nur Tiere gejagt,
die sich übermäßig vermehren, die man essen oder
anders verwerten kann. Aber es gibt ganz andere, archaische Motive,
die mit Macht zu tun haben, mit dem Wunsch, wenn schon nicht über
die Mitmenschen, dann doch wenigstens über die anderen Geschöpfe
zu herrschen, und mit der Lust am ungestraften Töten. Der „Waidmann“
spielt nicht ohne Grund in Mythen, Märchen und Liedern der
Jahrhunderte eine so große Rolle, von der Jagdgöttin
Artemis bis zum Schutzheiligen Hubertus, vom Freischütz bis
zum Hasen im Kinderbuch, der auf den Jäger schießt.
Die Großwildjagd, das Erlegen von stärkeren
und an Kraft und Schnelligkeit überlegenen Tieren, gehört
zu den großen und teuren Abenteuern der Gegenwart. Wobei der
Selbstbetrug darin besteht, dass man dem Tier nicht mehr mutig mit
dem Speer gegenüber tritt, sondern mit einer Technik, der es
hilflos ausgeliefert ist. Bei uns gibt es leider keine Säbelzahntiger
mehr. Dafür muss die Trophäe an der Wand umso eindrucksvoller
aussehen.
Elch und Wisent – jagdbares Wild?
Bei allem Streit um das Für und Wider steht fest: das Bundesjagdgesetz
soll entrümpelt werden. Es stammt aus dem Jahr 1934 und wurde
1952 mit geringen Veränderungen als Bundesgesetz übernommen.
In der Koalitionsvereinbarung von 2002 heißt es: „Wir
werden das Jagdrecht unter Berücksichtigung einer naturnahen
Waldbewirtschaftung und unter Tierschutzaspekten novellieren.“
Inzwischen wird in dem zuständigen Ministerium für Verbraucherschutz,
Ernährung und Landwirtschaft an einem Entwurf gearbeitet, und
die Umweltverbände haben ihre Positionen festgelegt. Der Deutsche
Naturschutzring (DNR) hat die weitgehend einhelligen Argumente der
Mitgliedsverbände gebündelt. In diesem Kreis behauptet
sich der auch der kleine Ökologische Jagdverband (ÖJV)
gegenüber dem Deutschen Jagdschutzverband mit einigen hunderttausend
Mitgliedern, der CDU und FDP im Rücken hat und jede Neuordnung
ablehnt.
Bis heute nennt das Bundesjagdgesetz 96 Tierarten,
die dem Jagdrecht unterliegen. Darunter kurioserweise auch Wisent
und Elch, die in Deutschland längst ausgestorben sind, und
zahlreiche Arten wie Fischotter, Luchs und Wildkatze, die stark
oder sehr stark gefährdet sind und auf den Roten Listen stehen.
Zwar haben einige dieser Tiere ganzjährige Schonzeiten, aber
Naturschützer fordern, sie ganz aus dem Katalog der jagdbaren
Arten herauszunehmen. Übrig bleiben sollten nur wenige Arten,
der NABU nennt zwölf, „deren biologisch nachhaltige Nutzung
gesichert ist.“ Greifvögel sollen ganz gestrichen werden.
Hauptargument der Jagdbefürworter ist es, die
Jäger müssten die Wildbestände regulieren, weil die
natürlichen Feinde fehlen. Fachleute bezweifeln, dass das so
stimmt. Die Natur begrenzt durch hormonelle Regelungsmechanismen
die Vermehrung einzelner Arten. Tiere, die ungestört leben,
haben weniger Nachwuchs als die, die ständig verfolgt werden.
Werden aus einem Wildschweinrudel die Bachen abgeschossen, dann
wird der weibliche Nachwuchs schneller geschlechtsreif. Füchse,
die in ihrem Revier bleiben, haben meist einen Wurf im Jahr. Werden
sie vertrieben, dann werfen sie zweimal.
Trophäenträger bevorzugt
Hinzu kommt das Ärgernis der Wildfütterung, oft kombiniert
mit Medikamenten. Sie verhindert die natürliche Auslese, sorgt
für allzu große Bestände an Hirschen und Rehen und
fördert damit den Wildverbiss in den Wäldern, den es angeblich
gerade verhindern soll.
Trophäenträger werden gepäppelt, Beutegreifer als
„Raubzeug“ und Jagdkonkurrenten verfolgt.
Seit der Tierschutz in das Grundgesetz aufgenommen
wurde, werden Forderungen laut, grausame Jagdmethoden zu verbieten.
Dazu gehört vor allem die Fallenjagd. Zulässig sind bisher
Lebendfallen und solche, die das Tier sofort töten sollen.
Das funktioniert leider nicht immer, und so werden Tiere häufig
verletzt und gequält. Außerdem treffen die Fallen wahllos
auch geschützte Arten.
Ein weiteres aktuelles Thema: die Zwangsmitgliedschaft
kleinerer Grundbesitzer in den Jagdgenossenschaften. Bisher kann
niemand, der weniger als 75 ha besitzt, die Jagd auf seinem Grund
und Boden verhindern. Beendet werden muss auch dringend die Vergiftung
der Umwelt und der Nahrungskette durch Unmengen von Bleischrot und
bleihaltiger Munition.
Anhänger der Jagd berufen sich gern auf uralte
Traditionen. Aber wir jagen auch nicht mehr mit Pfeil und Bogen.
Wir haben heute die Chance, eine neue Tradition zu begründen,
die den Erkenntnissen über Tier- und Naturschutz im 21. Jahrhundert
gerecht wird.
Marianne Weno
Bundesjagdgesetz vom 29.November 1952 in der
Fassung vom 11. Oktober 2002.
Positionen zur Novellierung des Bundesjagdgesetzes.
Komitee gegen den Vogelmord e.V.
Positionspapier des BN (Bund Naturschutz in Bayern
e.V.) zur Jagd
Pressedienste der Umweltverbände
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