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Marianne
Weno, Vorstandsmitglied der Stiftung Naturschutz Berlin,
greift monatlich aktuelle Entwicklungen im Umwelt- und Naturschutz
auf und kommentiert sie. |
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Kolumne im August:
Muss Ordnung sein?
Die Berliner sind ordentliche Leute. Doch, doch. Zwar
ist kaum eine andere Stadt so vermŸllt wie die unsere. Aber Natur
muss aufgerŠumt sein, da kennen die BŸrger keinen Spa§. Fšrster
und GrŸnflŠchenŠmter kšnnen ein Lied davon singen, wie oft sich
die Leute Ÿber Totholz und liegen gelassenes Laub in Wald und Park
und Ÿber "UnkrŠuter" am Stra§enrand beschweren.
Englischer Rasen statt Wildwuchs
Einige Beispiele unter vielen: In unserer Stra§e findet
sich - wie vielerorts in der Stadt - zwischen Gehweg und Fahrbahn
ein schmaler GrŸnstreifen. Diese Streifen werden nur noch ein- oder
zweimal im Jahr gemŠht. Die Folge - neben dem Spareffekt - : Dort
siedelt sich eine Vielfalt von WildkrŠutern an. Auf einem Quadratmeter
kšnnen es zwšlf bis fŸnfzehn Arten sein, an anderen Stellen vielleicht
noch mehr. Entsprechend gro§ ist die Zahl der Insekten und Spinnentiere.
Im FrŸhjahr blŸhten dort die ersten Veilchen. Das alles ist einigen
Anwohnern jedoch viel zu unordentlich, und so gehen immer mehr Leute
daran, die Streifen umzugraben, zu planieren, zu dŸngen und Rasen
auszusŠen, den sie dann spŠter mit dršhnendem MotormŠher "englisch"
kurz halten. Manchmal kann man sie beobachten, wie sie missmutig
die ersten UnkrŠuter in ihrem "Chlorophyll-Asphalt" betrachten und
hier und da einen unbotmЧigen Lšwenzahn ausstechen. Keine Biene,
kein Schmetterling und kein KŠfer verirrt sich mehr in das sterile
GrŸn.
BŠume verstŸmmeln
Zweites Beispiel: Einige Stra§enbŠume, vor allem Linden,
aber auch Robinien, treiben am Boden aus und bilden dicht belaubte
BŸsche um den Stamm. In der Natur geschieht nichts Sinnloses, und
so haben auch diese Triebe ihre Funktion. StadtbŠume werden durch
Luftverschmutzung, verdichtete Bšden und Wassermangel stark belastet.
Die Kronen der Šlteren BŠumen sind oft so gelichtet, dass die BlŠtter
nicht genug assimilieren, d.h. Kohlendioxid speichern kšnnen. Die
Nebentriebe Ÿbernehmen einen Teil dieser Aufgabe. Sie sind also
eine Art Lebensversicherung fŸr die BŠume und sie nŸtzen dem Klima.
Au§erdem schŸtzen sie den Stamm vor Hundeurin und BeschŠdigungen.
Was aber meinen die "ordnungsliebenden" Anwohner? Die BŠume sŠhen
unordentlich aus. Sie rufen bei den zustŠndigen €mtern an oder greifen
selbst zur Heckenschere.
BSR: Weg mit dem GrŸnzeug
Das dritte und Šrgerlichste Beispiel liefert die Berliner
Stadtreinigung. Um die kŸmmerlichen GrŠser und KrŠuter zu beseitigen,
die manchmal in den Ritzen des Gehwegpflasters Ÿberleben, hat sie
23 "Rotofix"-GerŠte angeschafft und 127 Mitarbeiter daran ausgebildet.
Mit Hilfe dieser Maschinen soll das Totalherbizid Roundup Ultra
der Firma Monsanto verteilt werden und dem stšrenden GrŸnzeug den
Garaus machen. Warum? Es kšnnte ja jemand Ÿber ein GrasbŸschel stolpern.
Oder sich wieder einmal Ÿber die Unordnung beklagen. Nun verbietet
das Berliner Naturschutzgesetz Herbizide au§erhalb von landwirtschaftlichen
Betrieben und GŠrtnereien - aus gutem Grund, weil sie das Grundwasser
extrem belasten. Aber die BSR hat die Genehmigung bekommen, mit
dem Argument, das Mittel werde als Schaum nur auf die Pflanzen,
nicht auf den Boden aufgetragen, kšnne nicht ins Grundwasser gelangen
und schŠdige weder Menschen noch Tiere. Aber selbst wenn das alles
zutrŠfe und das Mittel immer ganz sachgemЧ verwendet wŸrde, muss
man sich doch fragen, warum das letzte KrŠutlein auf unseren Wegen
abgetštet werden muss und die selbsternannten "OrdnungshŸter" in
ihrem Kampf gegen "unerwŸnschtes" GrŸn bestŠrkt werden. Im vorigen
Herbst waren wir aufgerufen, das Kastanienlaub einzusammeln, um
die Miniermotte zu bekŠmpfen. Die arme, Ÿberlastete BSR wŠre damit
Ÿberfordert gewesen. Wie man sieht, hatte sie ja Wichtigeres zu
tun. Aber auch die eifrigen Stra§enverschšnerer lie§en sich bei
der Aktion kaum blicken.
Marianne Weno
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