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Kolumne im August
Vertrauen schaffen?
Der Drache namens Dieselsteuer, aus dem Sommerloch hervorgelockt
von zwei vorwitzigen Abgeordneten, wurde vom Kanzler aller Autos schnell
zur Strecke gebracht. Wichtig sei es, so der Drachentöter, „beim
Verbraucher Ruhe und Vertrauen zu schaffen.“ Greenpeace stellte
daraufhin vor der Berliner SPD-Zentrale einen Sarg ab mit der Aufschrift:
„Hier ruht ein Verbraucher, der Vertrauen zur Regierung hatte.“
Tatsächlich hat der noch lebende Verbraucher Grund
zur Skepsis. Denn auf der Straße lauern Risiken, die weit größer
sind als die Gefahr, unter die Räder zu kommen. War doch Anlass
der Diskussion eine neue Studie des Umweltbundesamtes (UBA) über
die Auswirkungen der Dieselfahrzeuge auf Umwelt und Gesundheit, mit
alarmierenden Ergebnissen. Besonders spektakulär und von den Medien
entsprechend verbreitet ist die Zahl von ca.14.000 Todesfällen
pro Jahr durch Dieselruß. Sie liegt doppelt so hoch wie die Zahl
der Verkehrstoten. Sehr vertrauenerweckend ist das nicht. Das krebserzeugende
Potenzial von Dieselabgasen ist zehnmal so hoch wie das von Benzinmotoren.
Der Sachverständigenrat für Umweltfragen hält den Dieselruß
in den Städten für „das größte derzeit existierende
Luftverschmutzungsproblem".
Doch kein Vorteil für den Klimaschutz?
Der Anteil der Diesel-Pkw ist in den letzten Jahren kräftig gestiegen.
Bei Neuzulassungen liegt er jetzt bei 40%. Der Grund: Diesel ist steuerbegünstigt,
weil die Fahrzeuge als besonders klimafreundlich gelten. Sie brauchen
weniger Treibstoff als Ottomotoren und produzieren entsprechend weniger
Kohlendioxid. Das wird allerdings durch einen höheren Ausstoß
an Stickoxiden (NOx) erkauft. Stickoxide sind für den „Sommersmog“
durch bodennahes Ozon verantwortlich und damit indirekt auch am Treibhauseffekt
beteiligt. Und sie tragen zur Überdüngung der Gewässer
und zum Waldsterben bei, aber das ist wieder ein anderes Thema. Brisanter
noch: nach einer neuen Studie des Klimaforschers Mark Z. Jacobson an
der Stanford University, den die UBA-Studie zitiert, sollen auch die
Dieselpartikel so klimawirksam sein, dass der Vorteil durch den geringeren
Verbrauch gegenüber Ottomotoren aufgehoben wird. Damit wäre
es für den Klimaschutz sinnlos, den filterlosen Diesel weiter zu
fördern, auch wenn er die CO2-Bilanz verbessert.
Deutschland hinkt hinterher
Französische und italienische Autobauer bieten schon seit längerer
Zeit verschiedene Diesel-Modelle mit Rußfiltern an. Sie können
über 90% bis fast 100% der Rußpartikel zurückhalten.
Warum zeigen sich die deutschen Hersteller so „verstockt“,
wie Umweltminister Trittin meinte? Die Kosten für einen serienmäßigen
Partikelfilter beim Pkw betragen nach Einschätzung des UBA 200-400
Euro, bei Nutzfahrzeugen 1.500 bis 3.000 Euro. Ab 2005 gilt EU-weit
die EURO-4-Norm für Pkw, die neue, schärfere Grenzwerte vorschreibt.
Diese Werte können kleinere Autos mit Schaltgetriebe jedoch auch
ohne Partikelfilter erreichen, mittlere Modelle mit Automatik und schwerere
Wagen nicht. Deshalb werden notgedrungen auf der Internationalen Automobilausstellung
im Herbst einige deutsche Modelle mit Rußfiltern vertreten sein.
Peugeot/Citroen hat kürzlich das 500.000ste Fahrzeug mit serienmäßigem
Partikelfilter verkauft. Im Mai 2003 waren 14 Typen mit Rußfilter
von französischen und italienischen Autobauern im Handel, von deutschen
Herstellern kein einziges.
Nur Filter können helfen
Klar ist, dass die EURO-4-Norm das Problem Dieselruß
nicht lösen kann. Die Lösung, die auch Minister Trittin bevorzugt,
ist eine weitere Verschärfung der Grenzwerte in der EURO-5-Norm.
Bis dahin möchte er Dieselfahrzeuge mit Rußfiltern bei der
Kfz-Steuer begünstigen.
Ein breites Bündnis von Umwelt- und Verbraucherschützern mit
dem Titel „Kein Diesel ohne Filter“ betreibt Aufklärung
über die Gefahren von Dieselruß und macht Druck auf Politik
und Autoindustrie. Die Deutsche Umwelthilfe verlangt „maximale
Anstrengungen“, damit schon ab kommendem Jahr alle Diesel-Pkw
mit Rußfiltern ausgestattet werden.
In der Tat bleibt es schwer verständlich, dass noch
auf Jahre hinaus so viele Krankheits- und Todesfälle in Kauf genommen
werden und damit auch erhebliche volkswirtschaftliche Kosten, obwohl
es eine ausgereifte Technik gibt, die den Dieselruß fast auf Null
bringen könnte. Grund genug gäbe es für den Bundeskanzler,
mit seiner Lieblingsindustrie ein ernstes Wort zu reden.
Marianne Weno
Future Diesel. Abgasgesetzgebung Pkw, leichte Nfz und Lkw – Fortschreibung
der Grenzwerte bei Dieselfahrzeugen. Umweltbundesamt
Berlin, Juli 2003.
Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. H.- Erich Wichmann: Abschätzung
positiver gesundheitlicher Auswirkungen durch den Einsatz von Partikelfiltern
bei Dieselfahrzeugen in Deutschland. Im Auftrag des Umweltbundesamtes
Berlin, 7. Juni 2003.
UPI Umwelt- und Prognoseinstitut e.V.: Volkswirtschaftliche
Kosten durch Dieselrußemissionen in der Bundesrepublik Deutschland.
UPI-Bericht 49, Januar 2003.
Weiterer Link:
Greenpeace
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