2010: Pflanze des Monats

Dezember 2010: Das Dolden-Winterlieb

Dezember 2010: Das Dolden-Winterlieb

Das Dolden-Winterlieb (Chimaphila umbellata)


„… wie grün sind deine Blätter“ – so besingt ein populäres Weihnachtslied die auch im Winter grüne Tanne. Diese ist zwar in Berliner Wäldern nicht heimisch und begegnet uns vor allem in weihnachtlichen Wohnzimmern. Dafür schenken uns aber in unserer Region andere Pflanzen grüne Farbtupfer im winterlichen Einerlei. So auch unsere Pflanze des Monats Dezember. Das Dolden-Winterlieb erfreut uns als immergrüne Pflanze mit seinen dunkelgrünglänzenden, scharf gesägten Blättern. Von Juni bis August kann man seine nickenden weißen bis hellrosafarbenen Blüten entdecken.

Der Zwergstrauch wächst bevorzugt in trockenen Kiefernwäldern, an lichtreichen und schwach bis mäßig beschatteten Plätzen. Wie alle Wintergrüngewächse lebt das Dolden-Winterlieb in Symbiose mit einem Wurzelpilz (Mykorrhiza). Dieser versorgt die Pflanze mit Wasser und Mineralsalzen, während er von ihr im Gegenzug Kohlenhydrate erhält. Durch diese Gemeinschaft kann die Pflanze auch nährstoffarme Böden besiedeln und in schattigere Bereiche vordringen.

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts sind die Bestände des Dolden-Winterliebs stark zusammengeschrumpft. Nährstoffeinträge über die Luft, die die Ausbreitung konkurrierender Arten fördern sowie menschengemachte Landschaftsveränderung gelten u. a. als Ursachen.
In Deutschland ist das Dolden-Winterlieb „besonders geschützt“, bundes- und europaweit wird es als „stark gefährdet“ eingestuft. In Berlin wurde die Art zuletzt vor etwa zehn Jahren gefunden. Zurzeit muss sie jedoch als verschollen gelten.

Das Dolden-Winterlieb gilt als sehr tritt- und verdichtungsempfindlich, da die dünnen Kriechtriebe und vermutlich auch das Pilzgeflecht leicht beschädigt werden können. Sollten Sie eine Pflanze entdecken, vermeiden Sie bitte das Betreten oder Befahren des Umfeldes. Informieren Sie uns bitte, damit wir geeignete Schutzmaßnahmen einleiten können.

November 2010: Die Tauben-Skabiose

November 2010: Die Tauben-Skabiose

Die Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria L.)


Der Name klingt nicht gerade vertrauenerweckend, aber das lässt sich leicht erklären. In früheren Zeiten fand die Tauben-Skabiose, auch Tauben-Grindkraut genannt, als Heilmittel gegen Krätze und andere Hautparasiten Verwendung. Dazu nutzte man einen Brei aus den frischen Blättern. Abgesehen davon wird der Pflanze eine den Stoffwechsel anregende Wirkung zugeschrieben.

Bevorzugte Standorte der Art sind kalkreiche Trocken- und Halbtrockenrasen. In Berlin ist die vom Aussterben bedrohte Pflanze an drei Fundorten nachgewiesen worden, welche alle in den Köpenicker Forsten liegen.

Der Bestandsrückgang der Tauben-Skabiose ist vor allem auf die industrialisierte Landwirtschaft zurückzuführen. Die zunehmende Versiegelung in Städten gilt ebenfalls als Gefährdungsursache. Daneben spielt das Verschwinden der Wanderschäferei eine Rolle. Früher konnten durch diese Art der Viehhaltung die Samen, die an Fell und Hufen der Tiere festhaften, verbreitet werden.

Im ökologischen Kreislauf spielen Bienen und Schmetterlinge als Bestäuber eine wichtige Rolle für die Tauben-Skabiose. Zudem kommt ihr als Futterpflanze für zahlreiche Schmetterlingsarten eine hohe Bedeutung zu. Viele bedrohte Arten, darunter der Malven-Dickkopffalter, saugen ihren Nektar.

Bis in den November hinein erfreut uns die Tauben-Skabiose mit ihren blauvioletten Blüten.  

Helfen auch Sie, unsere Pflanze des Monats zu schützen! Wenn Sie die Tauben-Skabiose entdecken, informieren Sie uns bitte, damit wir geeignete Maßnahmen ergreifen können.

Oktober 2010: Die Herbstzeitlose

Oktober 2010: Die Herbstzeitlose

Die Herbstzeitlose (Colchicum autumnale L.)

Sowohl der deutsche als auch der wissenschaftliche Artname machen deutlich, dass diese Pflanze im Herbst blüht.

Ihr wissenschaftlicher Gattungsname „Colchicum“ leitet sich von der am Schwarzen Meer gelegenen Landschaft Kolchis in Georgien ab. Dort soll nach der griechischen Mythologie die Heimat der Zauberin Medea gewesen sein.

Kein Mythos ist, dass die Herbstzeitlose stark giftig ist. Besonders die frischen Blüten und Samen enthalten einen hohen Anteil des Zell- und Kapillargifts Colchicin. Auch beim Trocknen, Lagern oder Kochen bleibt die Giftwirkung erhalten. Bereits 1,5g Samen können für den Menschen tödlich sein. Die geruchlosen Blätter der Herbstzeitlosen erscheinen im Frühjahr und ähneln denen des Bärlauchs, welche aber beim Zerreiben einen arttypischen Geruch verströmen.

Ursprünglich kommt die Herbstzeitlose aus Westasien. In Deutschland ist sie im Süden verbreitet, nach Norden hin wird ihr Vorkommen dagegen seltener. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts sind die Bestände in Ostdeutschland deutlich zurückgegangen.

In Berlin gibt es nach 1990 nur fünf dokumentierte Vorkommen. Diese befinden sich in größeren Parkanlagen (Landschaftsparks) und in Botanischen Gärten.

Die Herbstzeitlose bevorzugt Feuchtwiesen, Auenwälder und deren Ränder. Historische Fundorte belegen die Vorliebe der Pflanze für feuchte Standorte, wie etwa am Flughafensee, am Havelufer oder auf einer Insel im Tegeler See.

Eine ökologische Bedeutung erhält die Herbstzeitlose als Futterpflanze für den Eulenfalter, eine nachtaktive Schmetterlingsart, die sich unter anderem vom Nektar der Herbstzeitlosen ernährt.

In Berlin ist unsere Pflanze des Monats vom Aussterben bedroht. Deshalb freuen wir uns auf Ihre Unterstützung: Wenn Sie die Art außerhalb von Gärten entdecken, benachrichtigen Sie uns und schicken uns ein Belegfoto. Bitte denken Sie an ihre Giftigkeit!

September 2010: Der Gute Heinrich

September 2010: Der Gute Heinrich

Der Gute Heinrich (Chenopodium bonus-henricus L.)


Der Gute Heinrich machte besonders in früheren Zeiten seinem Namen alle Ehre, denn er tat den Menschen tatsächlich Gutes: Er wurde vielfach als Gemüsepflanze genutzt und wie Spinat zubereitet. Es war nicht einmal nötig, ihn anzubauen, denn er wuchs wild. Am liebsten rund ums Haus, wie etwa an Zäunen, Mauern und rings um die Stallungen. Da war der Weg zur Küche nicht mehr weit.

Auch der Ursprung seines Namens hat mit dieser Nutzung zu tun. Die althochdeutsche Bezeichnung lautete „Heimrich“ , wobei „rich“ soviel wie „häufig“ bedeutete.

Die von den Pyrenäen bis zur Westgrenze Russlands vorkommende Art ist heute in den meisten Bundesländern gefährdet oder stark gefährdet. In Berlin konnte der Gute Heinrich nach 1990 nicht mehr nachgewiesen werden. Er gilt auf der Berliner Roten Liste als vom Aussterben bedroht.

Sein hiesiges Verschwinden hat mit der zunehmenden Verstädterung der Dörfer und dem damit einhergehenden Wegfall von unbefestigten Straßen- und Wegrändern, einer intensiven Pflege von Wegsäumen und Grünanlagen sowie mit der Aufgabe der traditionellen Viehhaltung zu tun. Besonders die umherziehenden Schaf -, Rinder - und Ziegenherden nahmen einen hohen Stellenwert ein, da an deren Hufen oder Fell die Samen festklebten und der Gute Heinrich somit von Dorf zu Dorf getragen wurde. Der Wegfall der einst wandernden Schafherden gilt als eine der Ursachen für den heimischen Rückgang des Guten Heinrich.

Als Lebensraum liebt die Pflanze sehr nährstoffreiche, insbesondere stickstoffreiche Böden.

In Berlin war die Art zuletzt an Gräben in Rieselfeldern bei Gatow (Spandau) und an Vorgartenmauern in Dahlem (Steglitz) anzutreffen.

Sie können helfen, den Guten Heinrich in Berlin wieder anzusiedeln. Wenn Sie am Stadtrand oder nahe an Brachflächen wohnen, halten Sie doch einfach Ausschau nach ihm. Wenn Sie den Guten Heinrich entdecken, lassen Sie ihn bitte stehen und melden den Fund mit einem Fotobeleg an die Stiftung Naturschutz Berlin! Vielen Dank!

August 2010: Der Lungen-Enzian

August 2010: Der Lungen-Enzian

Der Lungen-Enzian – (Gentiana pneumonanthe L.)


Der Lungen-Enzian wurde früher als Heilpflanze gegen Lungenkrankheiten verwendet. Eine tatsächliche Heilwirkung ist aber nicht bekannt. Er war besonders im Nordwesten, im südlichen Osten und im Süden Deutschlands weit verbreitet, hat in den letzten Jahrzehnten jedoch einen starken Rückgang erfahren.

In Berlin findet sich der Lungen-Enzian nur noch an einem einzigen Standort im Nordwesten der Stadt. Er ist in den Roten Listen von Berlin und Brandenburg als vom Aussterben bedroht eingestuft.

Bemühungen in den 1990er Jahren, den Bestand der Art in Berlin durch eine Vermehrung in Erhaltungskultur und durch Ausbringung von Jungpflanzen an geeigneten Standorten zu erhöhen, blieben leider erfolglos.

Der Lungen-Enzian ist eine ausdauernde krautige Pflanze, deren Überdauerungsknospen nahe dem Erdboden liegen. Bei ausbleibender Fremdbestäubung ist auch eine Selbstbestäubung möglich.

Der Lungen-Enzian kann ein maximales Alter von 30 Jahren erreichen. Er bevorzugt wechselfeuchte Moorwiesen, Magerrasen und feuchte Heiden. Durch das Trockenlegen von Mooren und feuchten Heiden ist sein Lebensraum größtenteils zerstört worden.

Sie können diese seltene Pflanze schützen! Sollten Sie eines der seltenen Exemplare entdecken, informieren Sie die Stiftung Naturschutz Berlin. Auf keinen Fall darf die besonders geschützte Pflanze gepflückt oder ausgegraben werden.

Juli 2010: Der Raue Hahnenfuß

Juli 2010: Der Raue Hahnenfuß

Der Raue Hahnenfuß
(Ranunculus sardous)

Viele farbenfrohe Arten unserer Ackerflora sind in den letzten Jahren rar geworden, so auch der Raue Hahnenfuß.

Der Artname dieser Pflanze bezieht sich auf die abstehende Behaarung am Stengel. Der wissenschaftliche Gattungsname leitet sich vom lateinischen Wort ranunculus  für Fröschlein ab, da viele Arten der Gattung an feuchten Standorten wachsen, wo auch Frösche leben.

Seit 1950 sind die Vorkommen in Deutschland um ein Drittel zurückgegangen. Der Raue Hahnenfuß gilt in Deutschland als „gefährdet“ und ist in der Berliner Roten Liste als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft. Seit 1990 ist er nur noch an wenigen Orten am nördlichen, südlichen und östlichen Stadtrand aufzufinden.

Der Raue Hahnenfuß wächst bevorzugt auf feuchten, lehmigen Äckern, an Wegrändern und Ufern.

Durch die Intensivierung der Landwirtschaft sowie die Beseitigung von Feuchtstellen und Söllen (Pfuhlen) in Äckern ist diese Art stark zurückgegangen.

Landwirte können zur Erhaltung des Rauen Hahnenfußes beitragen, wenn sie bewirtschaftete Ackerrandstreifen nicht mit Herbiziden behandeln. Eine Maßnahme die auch Schmetterlingen und Hummeln zugute kommt.

Juni 2010: Das Fleischfarbene Knabenkraut

Juni 2010: Das Fleischfarbene Knabenkraut

Das Fleischfarbene Knabenkraut
( Dactylorhiza incarnata)

Das Knabenkraut gehört zur Familie der Orchideen. Der wissenschaftliche Artname leitet sich vom lateinischen incarnatus = zu Fleisch geworden ab und ist eine Anspielung auf die Farbe der Blüten.

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts gehen die Vorkommen erheblich zurück, heute gilt die Art in Mitteleuropa als gefährdet und in Deutschland als stark gefährdet. In Berlin ist das Fleischfarbene Knabenkraut sogar vom Aussterben bedroht. Nach 1990 fand man es nur noch an wenigen Standorten im Berliner Norden und Südosten.

Das Knabenkraut bevorzugt nasse bis feuchte Standorte. Durch das Trockenlegen von Feuchtwiesen und Niedermooren und das Brachfallen von extensiven Wiesen ist sein Lebensraum größtenteils zerstört worden.

Sie können helfen diese bedrohte Pflanze zu schützen! Sollten Sie eines der seltenen Exemplare entdecken, informieren Sie die Stiftung Naturschutz Berlin. Auf keinen Fall darf die besonders geschützte Pflanze gepflückt oder ausgegraben werden.

Mai 2010: Die Schuppenwurz

Mai 2010: Die Schuppenwurz

Die Schuppenwurz
(Lathraea squamaria)

Die Schuppenwurz zählt zu den „heimlichen Bewohnern“ unserer Wälder.
Die Pflanze hat keine Blätter und lebt unterirdisch auf Wurzeln von Haselnusssträuchern, Pappeln, Erlen und Buchen.

Die Schuppenwurz  blüht erstmals im Alter von 10-14 Jahren zwischen März und Mai. Danach zieht sie sich bis zur Blüte im nächsten Frühjahr wieder unter die Erde zurück.
Eine Pflanze kann mehrere Jahrzehnte alt werden.

Die Schuppenwurz ist in feuchten und artenreichen Waldgebieten zu Hause.
In Berlin ist die Schuppenwurz aufgrund der Seltenheit geeigneter Wuchsorte vom Aussterben bedroht und benötigt besonderen Schutz durch eine nachhaltige Waldpflege.

Helfen Sie mit, den Bestand der Schuppenwurz zu schützen! Melden Sie sich bei der Stiftung Naturschutz Berlin, falls Sie eines der seltenen Exemplare in der Natur entdecken!

April 2010: Die Dunkle Wiesen-Küchenschelle

April 2010: Die Dunkle Wiesen-Küchenschelle

Die Dunkle Wiesen-Küchenschelle
(Pulsatilla pratensis)

Der Name der auch als Kuhschelle bekannten Art leitet sich von dem Wort Kühchen („kleine Kuh“) ab. Die Bezeichnung Schelle bezieht sich auf die glockenförmige Art der Blüten.

In Berlin ist die Dunkle Wiesen-Küchenschelle vom Aussterben bedroht. Auch zentraleuropaweit gilt sie als gefährdete Art.
Eine Erhaltungskultur befindet sich im Botanischen Garten Berlin.

1993 wurden in Reinickendorf Pflanzen aus der Erhaltungskultur zur Unterstützung des letzten bekannten Bestandes in Berlin ausgewildert.

Um diese geschützte Art zu erhalten, ist Abpflücken, Ausgraben oder sonstiges Beschädigen verboten.

März 2010: Das Leberblümchen

März 2010: Das Leberblümchen

Das Leberblümchen
(Hepatica nobilis)

Das Leberblümchen ist in Buchen- und Eichenmischwäldern heimisch. Seinen Namen verdankt es der leberähnlichen Form seiner Blätter.

In Berlin ist das wild vorkommende Leberblümchen vom Aussterben bedroht, daher ist es besonders geschützt. Letzte Vorkommen gibt es im Norden Berlins.

Um das wilde Leberblümchen zu schützen, darf es weder gepflückt, noch ausgegraben werden. Auf keinen Fall sollten kultivierte Leberblümchen, die im Handel erhältlich sind, in die freie Natur ausgewildert werden.